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Kirche St. Martin in der Mauer (Kostel sv. Martina ve zdi)

Die Kirche des Hl. Martin in der Mauer hat sich gleichsam als nicht beschädigtes Werk aus dem Mittelalter erhalten, als seltenes Beweismittel der wertvollen romanischen und gotischen Architektur. Im 13. Jahrhundert grenzte sie an die Wälle der Prager Altstadt, von hier stammt auch der Beiname „in der Mauer“. Es finden hier regelmäßig Orgelkonzerte und Konzerte klassischer Musik statt, ebenso wie Ausstellungen. Die Kirche gehört sowohl zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (tsch. Českobratrská církev) als auch zur Evangelischen Kirche. Ebenso wirkt hier ein deutscher Chor.

Kirche St. Martin in der Mauer (Kostel sv. Martina ve zdi), Martinská 8, Praha 1 - Staré Město, 110 00
Web: http://www.martinvezdi.eu, e-mail: martinvezdi@e-cirkev.cz
tel.: +420734767335

Deutschsprachige evangelische Gottesdienste

Regelmäßige Gottesdienste der Tschechoslowakischen evangelischen Kirche

So: 10.30 Gottesdienste in deutscher Sprache

Außerhalb der Gottesdienste steht die Kirche der Öffentlichkeit zur Verfügung:

Montag– Samstag: 15.00 – 17.00

Gruppenführungen außerhalb der Öffnungszeiten nur nach Voranmeldung.

Konzerte klassischer Musik.

Kirche wird beheizt.

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Programme

Objekt geschichte

Die Kirche St. Martin in der Mauer wurde zwischen 1178 und 1187 inmitten einer schon bestehenden Ansiedlung errichtet, die nach der Einweihung der Kirche ebenfalls den Namen St. Martin bekam. Die Befestigung der Prager Altstadt in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts teilte den Pfarrbezirk in zwei Teile. Der größere Teil lag außerhalb der Stadtmauern auf dem Gebiet der späteren Neustadt, der kleinere Teil wurde mitsamt der Kirche in die Altstadt eingegliedert. Die Südwand der Kirche bildete selbst einen Teil der Stadtmauer. Seitdem wurde die Kirche St. Martin in der Mauer genannt. In direkter Nachbarschaft zu ihr befand sich das sogenannte Stadttor von St. Martin.

 

Ursprünglich handelte es sich um eine einschiffige Kirche, deren romanische Bauelemente im Bereich des heutigen Hauptschiffes noch erhalten sind. Das Kircheninnere war vermutlich mit romanischen Wandmalereien geschmückt. Nach dem Jahr 1350, während der Regierungszeit Karls IV., wurde die Kirche im gotischen Stil umgebaut. Das Kirchenschiff wurde erhöht und neu eingewölbt, im Osten wurde ein Chor mit quadratischen Grundriss angebaut. Zwischen 1360 und 1370 erhielt der Chor ein Rippengewölbe, das in unserem Land als eines der ältesten Gewölbe dieser Art gilt. Die Gewölberippen wachsen aus mit Masken verzierten Konsolen hervor, die Schlußsteine sind mit Rosen und Sternen verziert. So präsentierte sich die Kirche Ende Oktober 1414, als auf Anregung des Magisters Jakoubek von Stříbro der hiesige Pfarrer Jan von Hradec zum ersten Mal wieder das Altarsakrament unter beiderlei Gestalt auch an die Laien austeilte. In den folgenden Jahren wurde der Kelch zum Symbol der gesamten hussitischen Revolution.

Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche im wesentlichen durch den spätgotischen Umbau. Er vollzog sich in mehreren Schritten bis zum Jahr 1488 auf Initiative und dank der Finanzierung der utraquistischen Bürgerfamilie Holec aus Květnice. Damals wurden die beiden Seitenschiffe angebaut, ein nördliches mit drei und ein südliches mit zwei Kreuzrippengewölben. Die Familie Holec ließ auch an der Ostseite des Nordschiffs das sogenannte Holec-Oratorium anbauen, das über eine hölzerne Brücke mit dem Wohnhaus der Familie (heutiger Nordflügel des Platýz) verbunden war. Bis heute ist in der Kirchenwand in Höhe der Empore ein zugemauertes Portal zu sehen, das einst den Eingang zum Oratorium bildete. Von außen sind auch noch die Spuren der Brücke und ihres Geländers zu erkennen. An die Familie Holec aus Květnice erinnert auch das Familienwappen mit dem Haken, das wir an verschiedenen Stellen in der Kirche antreffen. Das zweite Wappen am Chorgewölbe mit der Abbildung eines halben Hundes stammt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts und gehört der Familie Beneš aus Vlkanov, einem Seitenzweig der Familie Holec.

 

Im Jahre 1678 brannte die Kirche St. Martin in der Mauer ab. Nach dem Brand wurde der obere Teil des Turms umgebaut. Von den weiteren Umbauten verdient noch der Durchbruch für das Barockportal an der Nordseite im Jahr 1779 besondere Erwähnung. Bald danach, 1784 wurde die Kirche geschlossen und in ihr Gebäude Lagerräume, Wohnungen und Läden eingerichtet. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts kaufte die Stadt Prag die Martinskirche und ließ sie in den Jahren 1905-1906 nach einem Entwurf von Kamil Hilbert restaurieren. Damals wurde der Turm mit dem Wappen der Prager Altstadt um einen Giebel im Neorenaissance-Stil ergänzt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebäude langfristig an die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder vermietet. Unter ihrer Federführung wurde in den Jahren 1988-1993 eine Generalrenovierung durchgeführt, die auch mit archäologischen Untersuchungen verbunden war.

Jahrhundertelang war die Kirche von einem Friedhof umgeben. Daran erinnert heute noch die in die Außenwand des Chors eingelassene Grabplatte der berühmten Bildhauerfamilie Brokoff, deren Angehörige hier im 18. Jahrhundert beigesetzt wurden. Einige weitere Grabsteine befinden sich heute im Innern der Kirche.

 

Mit der Kirche St. Martin in der Mauer ist uns ein fast unbeschädigtes Werk mittelalterlicher Baukunst erhalten geblieben, ein kostbares Kleinod der romanischen und gotischen Architektur. Durch ihre besondere Rolle bei der Wiedereinführung des Laienkelchs und der Entstehung der utraquistischen Kirche ist sie zudem eine der bedeutendsten Stätten der tschechischen Reformationsgeschichte.

 

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