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Teynhof – Ungelt (Týnský dvůr – Ungelt)

Einer der historisch bedeutendsten Orte in Prag. Der Gebäudekomplex, der höchstwahrscheinlich im 11. Jahrhundert entstanden ist, war ursprünglich ein befestigter Handelshof, wo Zoll bezahlt wurde – Ungelt. Das bedeutendste Gebäude ist hier das Granovský Palais mit seiner Arkaden-Loggia, eines der besterhaltenen Renaissance-Kleinode Prags, verziert mit wunderschönem Sgraffito und Wandmalereien, die Szenen aus der Bibel und griechischen Mythologie zeigen.

Teynhof – Ungelt (Týnský dvůr – Ungelt), Týnská / Štupartská / Malá Štupartská, Praha 1 - Staré Město, 110 00

Objekt geschichte

 

Die älteste Benennung des Platzes zwischen der St. Jakobus Kirche (kostel sv. Jakuba) und Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn (kostel Panny Marie před Týnem) ist Teyn (Týn) oder Teynhof. Das tschechische Wort týn bedeutet Zaun, eingezäunter Platz, das frühere Wort otýniti bedeutete einzäunen. Es stammt aus dem keltischen Wort dunum – Burgstätte, eingezäunter Platz, Zaun; aus dem germanischen Wort tuna, auf Deutsch Zaun, auf Englisch town. Es war ein eingezäunter kaufmännischer Hof, der nach den archäologischen Ausgrabungen in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts im 12. Jahrhundert entstand. Ältere Literatur gibt das 10. Jahrhundert an, als hier angeblich auch Ibrahim ibn Yakub verweilte, Autor des ersten Berichtes über die Stadt. Der kaufmännische Hof war damals eine wirkliche Festung, die von der restlichen Stadt durch einen Graben und Mauer getrennt war. Er diente zum Schutz der Kaufleute und ihrer Ware, es befanden sich hier Lagerräume für die Ware, Pferdeställe, Quartiere für die Kaufleute, eines der ältesten Spitäler in Prag und die Kirche der Jungfrau Maria an der Stelle, wo heute die Teynkirche (Týnský chrám) steht. Abertausende deutsche, polnische, russische, ungarische, venezianische, niederländische, französische, griechische, armenische, türkische auch arabische Wagen brachten hierher unerschöpfliche Mengen von Waren, die die Register des kaufmännischen Hofes aufzählen: Metalle und Minerale (Gold, Silber, Kupfer, Blei, Zinn, Bernstein, Salpeter, Salz, Schwefel), Handwerkzeuge, Garne und Leinen, Woll- und Seidenstoffe, Pelze, Glasware, Teppiche, lebendiges Vieh, Butter, Talg, Tran, Öl, Farben, Wachse, Papier, Bücher, Feder, Wolle, Zucker u. a., besonders reichlich vertreten waren Küchenbedarf und Delikatessen, Obst vom Süden, Getränke. Überraschend sind riesige Mengen von Süßwasser- und Meeresfischen, getrocknet und geräuchert. Jeder, der den Hof betrat, erfreute sich des vollen Schutzes des Königs, wofür er Gebühr bezahlen musste. Aus der Gebühr für den Schutz entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Zollpflicht für die ins Prag eingeführte und durchs Prag gefahrene Ware, später auch für alle Ware, die nach ganz Böhmen eingeführt wurde. Schon im 14. Jahrhundert wurde der Zoll mit dem altdeutschen Wort ungelt bezeichnet, daher auch die Bezeichnung für den kaufmännischen Hof. Es befand sich hier ein Haus, wo die Ware gewogen und gemessen und der Zoll berechnet wurde. Beim Eintritt musste jeder seine Waffen dem Verwalter abgeben, der auch mögliche Streite richtete. Abends war es hier lustig, die Kaufleute begossen ihre Geschäfte und erzählten Neuigkeiten aus fernen Ländern. Deshalb ist auch die Bezeichnung Lustiger Hof (Veselý dvůr, Laeta curia) bekannt. Die Blütezeit erlebte der Hof zur Zeiten Karl IV. (Karel IV.) und Wenzel IV. (Václav IV.). Die Kaufleute waren hier sehr zufrieden, manche ließen sich auf die Dauer hier nieder. Das Prager Zollprivilegium für Böhmen verlor seine Bedeutung in der Hussitenzeit, später erreichte Prag nicht mehr seiner früheren Handelsbedeutung und in der Hälfte des 16. Jahrhunderts verlor sie es ganz. Die Zollstelle in Ungelt diente dann nur dem Prager Handel, im Jahr 1774 zog das Zollamt in die Straße Haštalská um und später im Jahr 1810 war die Zollstelle gegenüber dem Pulverturm (Prašná brána). Anfang 20. Jahrhunderts begann in den halbverfallenen Hof Prager Armut umzuziehen, nach dem 2. Weltkrieg war hier eine Mischung von Lagerräumen, Werkstätten, Büros und Wohnungen der niedrigsten Kategorie. Im Jahr 1978 wurden archäologische Untersuchungen durchgeführt und 1981 begann die eigentliche Rekonstruktion des Hofes. Am 18. Dezember 1996 war Ungelt nach der Rekonstruktion für die Öffentlichkeit eröffnet.


Das heutige Areal Ungelt bilden 18 Häuser, 12 davon liegen dem eigentlichen kaufmännischen Hof an, die übrigen stehen an Stelle der ursprünglichen gotischen Mauer. Die Häuser weisen Spuren architektonischer Stile aller Epochen auf, jedes Haus ist anders, trotzdem bilden alle zusammen eine harmonische Ganzheit. Die meisten Häuser haben barocke Fassaden aus der Zeit nach 1689, als Ungelt größtenteils abbrannte, die Herkunft mancher reicht jedoch bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts. Der Eingang vom Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) ist von der Straße Týnská durch das Tor im Granovsky-Palais (palác Granovských) (Nr. 639), das in der Stadt zu den am besten instandgehaltenen Juwelen im Stil der Renaissance gehört. König Ferdinand I. schenkte 1558 dieses Haus für treue Dienste dem Zolleinnehmer Jakub Granovský von Granov. Der neue Besitzer baute im 16. Jahrhundert das Haus im Still der Renaissance um und schmückte es mit Sgraffiti und Wandmalereien. Es handelt sich um ein zweistöckiges Gebäude mit einer Arkadenloggia zum Hof. Die Sgraffiti über dem Portal zur Straße Týnská stellen links wahrscheinlich Ferdinand I., rechts Jakub Granovský dar. An der Loggia sind Malereien, die Szenen aus der Bibel und der griechischen Mythologie darstellen, insbesondere das Bild Das Urteil des Paris. Das Haus Nr. 640 Petráčkovský war früher ein Teil des Granovsky-Palais und es befand sich hier eines der ältesten Prager Gasthäuser Altes Ungelt genannt. Die Fassade zur Straße Týnská ist mit Sgraffiti geschmückt. Im Pflaster vor dem Haus ist markiert, wo die ursprüngliche Kirche der Jungfrau Maria stand. Das Haus Nr. 642 Zum schwarzen Bären (U Černého medvěda) wurde schon im Jahr 1428 erwähnt. Seine Fassade im Barockstil zieren Figuren St. Nepomuk (sv. Jan Nepomucký), hl. Wenzel (sv. Václav) und Florian aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Haus ist nach der Figur eines schwarzen Bären in Ketten genannt, die an der Ecke des Gebäudes steht. Das Osttor vom Ungelt mit dem Monogramm L (vermutlich König Leopold I., zu seiner Zeit wurde ein Teil des Hofes umgebaut) führt in die Straße Malá Štupartská und ist im Haus Nr. 636 Vrbnovský (auch U Štupartů) genannt. Das Haus wurde um das Jahr 1835 dank dem Kaffee U Komárků berühmt, wo sich bedeutende tschechische Erwecker
Josef Kajetán Tyl, František Palacký, Pavel Josef Šafařík, František Ladislav Rieger und andere trafen. Am Haus Nr. 634 Zum Auge Gottes (U Božího oka) (Zu drei Bildern; U tří obrazů) sind an der Fassade Karl IV., hl. Wenzel und Georg von Podiebrad (Jiří z Poděbrad) abgebildet. Im Haus Nr. 630 Zum goldenen Ring (U Zlatého prstenu) befinden sich Ausstellungsräume der Galerie der Stadt Prag (Galerie hl. m. Prahy) und es wird hier die Kunst des 20. Jahrhunderts ausgestellt. Im monumentalen Haus Nr. 646 U Švihů z Lukonos mit gotischen Giebeln und romanischem Innenraum ist das Hotel Ungelt. Im südlichen Teil des Hofes ist ein rekonstruierter ursprünglicher Brunnen, im nördlichen Teil ist eine Kopie der Figurengruppe Tag und Nacht von Štursa. Das Terrain des romanischen Hofes war mehr als zwei Meter unter dem heutigen Niveau.

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