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Haus Zur Minute (Dům U Minuty)

Das Haus, das Bestandteil des Gebäudekomplexes des Altstädter Rathauses ist, ist ein typisches Vorzeigebeispiel für tschechische städtische Renaissance-Architektur. Die Fassade wird von Sgraffito verziert, das von biblischen und mythologischen Szenen inspiriert worden ist, ebenso wie Themen von zeitgenössischen Renaissance-Legenden. In den Jahren 1889 - 1896 wohnte hier Franz Kafka mit seinen Eltern.

Haus Zur Minute (Dům U Minuty), Staroměstské náměstí 2, Praha 1 - Staré Město, 110 00

Objekt geschichte

Das Haus liegt in der Nachbarschaft des Geländes des Altstädter Rathauses. Es ist im Kern spätgotisch aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts, nach 1564 im Renaissancestil umgestaltet. Ende des 16. Jahrhunderts bauten die Eigentümer dem zweigeschossigen Haus die niedrige dritte Etage an, die mit einem gewaltigen Lünettengesims abgeschlossen ist. In der Spätbarockzeit wurde die Plazierung der Fenster mehrmals geändert. Das Haus ist die typische Veranschaulichung der böhmischen bürgerlichen Renaissancearchitektur. Vor 1712 gehörte das Haus Matthias Bartel, der hier eine Apotheke hatte. Damals hieß das Haus „Zum weißen Löwen“. Als Hauszeichen war hier bis Ende des 18. Jahrhunderts eine klassizistische Steinstatue eines weißen Löwen. Eine Löwenplastik verziert die Hausecke auch heute. Der spätere Name „Zur Minute“, abgeleitet vom Wort minuziös, d.h. sehr klein, winzig, dokumentierte die Tatsache, dass im Haus einst fein geschnittener bzw. „aus winzigen Partikeln“ bestehender Tabak verkauft wurde.
Das Haus sollte zusammen mit dem benachbarten Petzold-Haus niedergerissen werden, damit der Block zwischen dem Altstädterring und dem Kleinplatz abgeglichen wird. Zum Glück stellte sich die Kommission für das Verzeichnis von Bau-, Kunst- und Historiedenkmälern der königlichen Hauptstadt Prag dagegen, und als im Jahre 1905 am Nachbarhaus Sgraffiti entdeckt wurden, wurde über die Erhaltung der beiden Häuser entschieden. Am Haus Zur Minute wurden erst im Jahre 1919 bei seinen Reparaturen Sgraffiti entdeckt. Der Reichtum der Renaissancesgraffiti war überraschend auch deshalb, weil das Haus damals weder durch irgendetwas bedeutend war noch wohnten bedeutende Menschen drin. Figurale und ornamentale Sgraffiti entstanden in zwei Zeitetappen, die erste war vor Ende des 16. Jahrhunderts, als das Haus Karel Přehořovský von Kvasejovice gehörte, die zweite erfolgte in den Jahren 1603 - 1610, als es im Besitz von Tito Cantagali war. Im Jahre 1919 restaurierte es der akademische Bildhauer Jindřich Čapek. Die Sgraffiti in den Lünetten des Gesims, durchbrochen durch vier Fenster, stellen Oberkörper der damaligen Herrscher Philipp II. von Spanien, Maximilian II. und seinen Sohn Rudolph II. und einiger weiterer Mitglieder des habsburgischen Geschlechts dar. Hier gibt es auch z.B. die Figur des osmanischen Herrschers Selim, mit dem die Habsburger 1568 schriftlich Frieden schlossen, um ihre Länder vor türkischen Attacken zu schützen. Die Sgraffitoverzierung in den oberen Fensterbändern der 1. und 2 Etage zeigt z.B. Bacchus-Zug, wo sich Bacchus im durch einen im flatternden Gewand gekleideten Kämpfer gedrückten Wagen fahren lässt. Den Zug begleiten tanzende und singende Satyrn. Es gibt hier ein Gemälde, auf dem Adam und Eva mit einem Rehbock unter dem Baum mit verbotenem Obst zu sehen sind. Weiter ist hier das beliebte moralisierende Renaissancethema - Streit mehrerer Söhne um das väterliche Erbe - abgebildet, der so gelöst wird, dass die söhne in die Vaterleiche Pfeile schießen und derjenige siegt, dessen Treffer vom Herzen den kleinsten Abstand hat. Im Körper des Vaters stecken zwei Pfeile, abseits stehen Figuren zweier Söhne mit Pfeilbögen. Der Sieger ist jedoch der dritte Sohn, der den Schiedsrichter bittet, ihn dieser schrecklichen Aufgabe zu entledigen, denn er liegt dem Herzen seines Vaters am nächsten. Es gibt hier zum Beispiel eine Soldatenfigur mit Hand im Feuer, die den altrömischen Helden Gaius Mucius Scaevola darstellt, der auf diese Art beweist, wie er Schmerzen und den Tod verachtet. Es gibt hier auch die Herkules-Figur, in den Zwischenfensterfeldern befinden sich zahlreiche allegorische Gestalten, z.B. Gerechtigkeit, Tapferkeit und Weisheit, Fruchtbarkeit und Mutterschaft. Die Sgraffiti wurden aus feinem grauweißem Oberputz in die Unterschicht graviert, die mit fein gemahlener Kohle gefärbt war und den Hintergrund hinter den hellen Gemälden gestaltet.
Bei den umfangreichen Arbeiten in den Jahren 1937 - 1938 wurde die gefährdete Hausstatik mit einem Innenskelett aus Stahlbeton verstärkt, die schäbige Außenmauer wurde mit einer Ziegelwand versteift und auf der Frontseite des Hauses wurde die Laube mit dem Kappengewölbe durchbrochen. Neben einigen Originalfragmenten wie z.B. die Stuckdecke oder die Reste der Wandgemälde wurden auch gemalte Renaissancedecken entdeckt. Im Jahre 1896 kaufte das Haus die Prager Gemeinde. Durch Innenregelungen wurde es mit dem benachbarten Petzold-Haus und dem Haus „Zum Hahn“ verbunden und ans Rathaus angeschlossen. In den Jahren 1889 - 1896 wohnte im Haus Franz Kafka mit Eltern.

 

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