Breadcrump- bzw. Brotkrümel-Navigation

Neues Rathaus

Diese bedeutende Sehenswürdigkeit an Jugendstil-Architektur stammt aus den Jahren 1908 - 1911. Seit dem Jahre 1945 ist sie Sitz des Magistrats der Hauptstadt Prag und des Prager Bürgermeisters. Im großen Saal finden Sitzungen des Prager Rats, Seminare, Konferenzen sowie Promotionen und andere Festveranstaltungen statt. Gelegentlich finden hier auch Ausstellungen statt. Das Gebäude ist für Besucher der Metropole ein beliebtes Fotoobjekt.

Neues Rathaus, Mariánské náměstí 2, Praha 1 - Staré Město, 110 01
Web: http://www.praha.eu, e-mail: info@praha.eu
tel.: +42012444

Objekt geschichte

Magistrat der Hauptstadt Prag - Neues Rathaus

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Altstädter Rathaus für das wachsende Prag allmählich ungenügend war, wurde beschlossen, ein neues Gebäude aufzubauen, womöglich unweit vom Alten Rathaus. Es wurde ein Platz zwischen dem Linhart-Platz (Linhartovo náměstí) und dem Marienplatz (Mariánské náměstí) ausgesucht. An der Stelle des Linhart-Platzes lag im 13. Jahrhundert der Jarosch-Hof, den im 14. Jahrhundert die Stadt kaufte und an seiner Stelle ein Hühnermarkt entstand, wo die Prager Geflügel einkauften. Im 15. Jahrhundert wurde er aufgelöst, aber der Linhart-Platz blieb gegenüber dem Haus Zum Grünen Frosch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Bis 1880 lag hier die berühmte Altstädter Schmiede, vor der die Gemeindeküche errichtet wurde, die billige Gerichte für arme Prager zubereitete und verkaufte. Am Marienplatz lag die Kirche der Jungfrau Maria auf der Lache (Louže), deren Name davon stammt, dass der Platz bei jedem Hochwasser überflutet wurde und hier noch lange danach eine Lache blieb. Zwischen beiden Plätzen lag ein Block von Häusern, die das Rathaus aufkaufte und anschließend niederriss. Zu vielen diesen Häusern gehörte das „Feuerrecht“, d.h. das Haus verfügte über Schmiedefeuer. Die Leineweber produzierten hier Rüstungen und Panzer, die Spornmacher Sporen, die Helmer Helme, Kannegießer das Zinngeschirr, Kesselgießer gossen Bronze- und Messingware. Eines der Häuser gehörte z.B. dem Kannegießer Ringhofer, dessen Enkelkind die bekannte Smíchov-Fabrik gründete.


Im Jahre 1909 legte der Sieger des Wettbewerbes um das neue Gebäude das letzte nach den Bemerkungen der künstlerischen Kommission geregelte Projekt vor. Das Gebäude musste vom Ansehen her den anderen herumliegenden Monumentalbauten angepasst werden, dem Clementinum und dem Clam-Gallas-Palais. In den Jahren 1909 - 11 führte den Bau einschließlich der Abrisse der auf der Parzelle liegenden Häuser die Firma des Baumeisters František Tichna aus. Das neu erbaute Sezessionsgebäude hat eine rechteckige Form von 90,5 x 37 m, es nimmt eine Fläche von 3350 m2 ein. Der Rathausblock ist unterkellert, hat vier Etagen, Risalite und die Türme über dem Hauptgesims decken Mansardendächer. Die Konstruktion bildet zum Großteil ein Eisenbetonskelett. Ins Gebäude wird durch einen monumentalen Eingang im mittleren Risalit der Hauptfront am Marienplatz eingetreten. Das dreiteilige kupfergeschmiedete Tor führt ins Vestibül im Erdgeschoss, weiter sind hier ein dreiarmiges Treppenhaus und ein zweiarmiges Nebentreppenhaus. Es gibt hier eine Personalhebebühne und zum ersten Mal in Prag wurden hier Paternosteraufzüge eingesetzt. Im ersten Stock wurde die Kassenhalle auf einer Fläche von 568 m2 errichtet, die zweitgrößte in Prag nach der Hauptpost in der Jindřišská-Straße. In der Halle waren die Stadtkasse, die Buchhaltung, Finanzämter usw. untergebracht. Insgesamt bot das Gebäude 7 463 m2 für Dienststellen und zählte 250 Amtszimmer.


Die reichhaltige bildhauerische Verzierung ist zur Hauptfront konzentriert. Um das Hauptportal sind Reliefplastiken von Stanislav Sucharda: die Plastik links stellt das Bürgertum beim Tragen einer Last dar, sie unterstreicht also das Prinzip der gemeinsamen Arbeit und Pflicht, rechts ist dann das für das Bürgertum sich ergebende gemeinsame Nutzen aus dem Schulwesen, der Wissenschaft, der Sozialarbeit usw. Suchardas Relief über dem Bogen des Haupteingangs stellt den Schutz des Stadtschatzes dar und über dem großen mittleren Fenster der ersten Etage ist das Relief eines Mädchens, das sich über die Symbole der Stadtsouveränität und -verwaltung beugt, d.h. über das Stadtwappen und das Vogtrecht. An beiden Enden des Balkongeländers sind figurale Statuengruppen mit den Themen der Kraft und der Ausdauer von Josef Mařatka. Am Hauptgesims oben links ist eine allegorische Statue der Vornehmheit und der Bescheidenheit von Josef Mařatka und auf der anderen Seite erneut die Allegorie der Kraft und der Ausdauer, diesmal von Stanislav Sucharda.


An der Ecke in die Linhart-Straße (Linhartská) steht die Rabbi-Löw-Statue und an der Ecke der Leineweber-Straße (Platnéřská) die Statue „Der eiserne Ritter“. Der Autor der beiden Statuen ist Ladislav Šaloun. Die bildhauerische Verzierung machte im Jahre 2004 eine Renovierung durch, die Statuen wurden sandgestrahlt.


Als bei den Mai-Kämpfen im Jahre 1945 der Rathausflügel des Altstädter Rathauses gegenüber der Teynkirche niederbrannte, wurde seitdem das alte Rathaus nur noch zu Repräsentationszwecken genutzt und jegliche Stadtverwaltung musste ins Neue Rathaus umgezogen werden, das sich an das neue Regime anpassen musste. Damals wurde die große Rathaushalle in einen großen Sitzungssaal für Plenarsitzungen der Stadtvertreter umgewandelt und es wurden hierher Büros der Vertretungskorps und der leitenden Stadtbeamten verlegt.

 

Geschichte des Objekts zeigen