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Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž)

Der Altstädter Brückenturm gehört zu den eindrucksvollsten gotischen Bauten auf der Welt. Kaiser Karl IV ließ den Turm gemeinsam mit der Brücke nach den Entwürfen von Peter Parler in der Hälfte des 14. Jahrhunderts errichten. Das Tor in die Altstadt wurde gleichzeitig als symbolischer Triumphbogen konzipiert, welchen tschechische Könige auf ihrem Königsweg durchschritten haben. Um den unvergesslichen Ausblick zu genießen, müssen Besucher 138 Treppen bis zum Wandelgang erklimmen.

Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž), Karlův most, Praha 1 - Staré Město, 110 00
Web: http://www.muzeumprahy.cz/prazske-veze, e-mail: muzeum@muzeumprahy.cz
tel.: +420224220569, +420724379677

Öffnungszeiten

November – Februar

ganze Woche
10.00 – 18.00

März

ganze Woche
10.00 – 20.00

April – September

ganze Woche
10.00 – 22.00

Oktober

ganze Woche
10.00 – 20.00

Eintrittspreise

Grundpreis

90 Kč

ermäßigter Eintrittspreis

65 Kč

Eintrittspreis für Familien

250 Kč

Programme

Objekt geschichte

Bauobjektgeschichte

Der zu den eindrucksvollsten Werken der Zivilgotik weltweit gehörende Turm wurde nach dem Projekt von Peter Parler in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts durch die Parler-Hütte der St. Veit Kathedrale gebaut. Für den Bau war der Bildhauer und Baumeister Michael Savoyen, der Schwiegersohn von Peter Parler und der Sohn des Architekten der Kölner Kathedrale, zuständig. Nach ihm übernahm das Haus und die Werkstatt im Jahre 1385 der Steinmetz Peter, der den Turm zu Ende brachte. Außer den Hauptprojektanten und Bildhauern wurden bei der Arbeit rund einhundert Steinmetze abgelöst.
Im Oberteil des Turms in Richtung zur Brücke wurden im Jahre 1621 zur Warnung 12 Köpfe einiger am Altstädter Ring enthaupteten Führer des Standesaufstands ausgestellt. Die Köpfe hingen hier über zehn Jahre, einer Nacht wurden sie dann heimlich heruntergenommen und an einem bis heute unbekannten Ort beerdigt.
Im Jahre 1648 kam der Turm bei der schwedischen Belagerung zu Schaden, besonders die zur Brücke gewendete Seite, die ursprünglich mit Statuen der thronenden Madonna und des Kaisers und Königs Karl IV. und seiner Frau Elisabeth von Pommern geschmückt wurde. Auf diese Seite wurde beim anschließenden Umbau, den in den Jahren 1650 - 1653 Carlo Lurago und Giovanni Spinetti durchführten, eine Steinplatte mit einem lateinischen Text zum Andenken an den heldenhaften Kampf der Prager mit Schweden angebracht. Eine gründliche Reparatur erfolgte in den Jahren 1854 - 78 unter der Bauleitung von Joseph Mocker, wobei der Turm das heutige Dach mit vier Ecktürmchen bekam. Weitere Reparaturen liefen in den Jahren 1952 - 1955 und 1978. Bei einer der Kleinreparaturen wurden unter dem Dach durch Zufall zwei rätselhafte Aufschriften entdeckt, die zwischen den Wörtern keine Abstände haben und ob man sie von vorne oder von hinten liest, ist der Text identisch. Richtig geschrieben sehen sie folgendermaßen aus: Signate, signate, mere me tangis et angis; Roma, tibi subito motibus ibit amor (Ein Zeichen zu deiner Kenntnis, wenn du mich mit deiner Berührung befleckst, wirst du erwürgt; Rom, dir, plötzliche Wenden, wird die Liebe geopfert). Diese Sätze machen keinen tieferen Sinn, aber es sei drin die magische Formel der Kraft und der Macht versteckt. Sie seien eine sog. magische Falle - ein Zauberspruch, vor dem böse Mächte Angst bekommen sollten. Ähnliche Aufschriften waren an Sakralbauten insbesondere in Italien üblich.

Bildhauerische Schmückung und Symbolik
Die am niedrigsten gelegten Statuen auf dem Turm sind auf Konsolen, die den Torbogen abschließen. An der östlichen Frontseite (das ist die Altstädter Seite) links ist ein Löwe, der eine Keule frisst, rechts ist ein Adler, der einen Hasen frisst. Auf der Westseite links ist der Kampf eines Adlers mit einem Griffin, einem mythologischen Vogel, der den Kopf, den Hals und die Flügel eines Adlers und den Körper, die Gliedmaßen und den Schwanz eines Löwen hat, rechts kämpft ein Löwe mit einer Schlange. Der Griffin entstand durch die Verbindung eines Adlers und eines Löwen und diese Symbolik ist am Turm auf eine interessante Art dargestellt: in einem dreieckigen Schild über der St. Veit Statue gibt es ein St. Wenzelsches Adlerweibchen, über der auf einer Konsole der böhmische Löwe steht. Zum Namenstag des Hl. Veits (15.6) fällt der Schatten des Löwenkopfs auf die Brust des Adlerweibchens, wodurch die Verbindung Böhmens und Mährens zugleich symbolisch bestätigt ist.
An den Turmecken ca. 2 m hoch gibt es scherzhafte Statuen: links ist eine Frau im Habit und ein Mann, dessen quirlige Hand sich unter ihrem Kleid befindet (böse Zungen behaupten, dass es sich um einen Mönch und eine Nonne handelt), rechts versucht der Mann, den Busen der Frau zu untersuchen.
Neben dem Oberteil des Torbogens in Richtung zu Turmecken ist der Eisvogel in einer Widmung (ein zum Knoten gebundenes Badetuch - das Zeichen der Baderzunft), der das Symbol Wenzels IV. ist. Der Eisvogel ist auch das Symbol der menschlichen Seele, er sei imstande, vor Blitz zu schützen, versteckte Schätze zu vermehren und Stürme zu stillen. Dieser Erdgeschossteil des Turms „bis zur Höhe des Ritters auf dem Pferd“ entspricht dem irdischen sündigen Leben.
Das nächste Band entspricht der Monatsymbolik; über dem Tor auf der Ostseite sind Wappen der Länder, die Karl IV. regierte, samt Görlitz und Unterlausitz, die er 1373 gewann, aber gleich nach seinem Tode (1378) trennten sie sich wieder. Diese Verzierung muss also noch während des Lebens Karls IV. entstanden haben. Die zwei mittleren Wappen sind am wichtigsten: ein schwarzes Adlerweibchen im goldenen Feld - der römische Kaiser und ein silberner Doppelschwanzlöwe im roten Feld - der böhmische König.
Die erste Etage hat eine versteckte Sonnensymbolik; in der Mitte ist die Statue des Brückenschirmherrn St. Veit, stehend auf einem Brückenmodell, seitlich sitzen Karl IV. (als schon etwas in die Jahre gekommener Mann) und Wenzel IV. (als junger Mann), überdacht mit einem Dreieckschild, das mit 24 Krabben verziert ist. Sie symbolisieren die 24 Tagesstunden. Beide Herrscher haben die Kaiserkrone auf dem Kopf. Über ihnen sind die Gestalten von St. Adalbert und St. Sigismund.
Die Statuen entstanden im Zeitraum zwischen den Jahren 1380 - 1400. Im Jahre 1854 wurden sie durch V. Linhart und J. Heidelberg unsachgemäß restauriert. Im Jahre 1978 wurden sie durch Kopien aus Kunststein ersetzt, die Originale sind im Lapidarium des Nationalmuseums ausgestellt.
An der Turmseitenwand (in Richtung zum Konvent der Kreuzherren) ist seit 1857 eine Platte mit einer lateinischen Aufschrift, die an die Brückenrenovierung nach dem Hochwasser 1784 erinnert.
Die durch einen gotischen Bogen gewölbte Tordurchfahrt ist 8 Meter breit, auf ihrem Gewölbe sind Reste eines gotischen Gemäldes, die in den Jahren 1877 - 78 Peter Maixner nachmalte. Das Netzgewölbe der Durchfahrt ist durch Rippen in 8 Felder eingeteilt, in denen der Eisvogel in der Widmung abgebildet ist. Im Unterteil ist ein Heilbadmädchen mit einem Bottich - die Erinnerung an die Sage über die Baderin Susanne, die den König Wenzel IV. aus dem Nachbarbad befreite, wo er während der Zeit seiner Inhaftierung zum Waschen war.
Von der Durchfahrt geht man über die Wendeltreppe mit 138 Stufen in den Turm ein. Die Säule, um die sich die Wendeltreppe dreht, ist oben mit einer Turmwachmannstatue aus den 50er Jahren des 15. Jahrhunderts abgeschlossen. In der ersten Etage war offenbar eine Wachstube, von hier wurde das Eisengitter herabgelassen, durch das das Tor zugemacht wurde. Im zweiten Geschoss, das als Gefängnis der Schuldner von besseren Familien diente, ist seit 1880 eine neugotische Decke, ausgeführt nach dem Entwurf des Architekten Johan Schöbl. Die Fenster sind mit Vitragen nach Kartons von Jiří Binek versehen.
Der Turm ist etwa 47 Meter hoch, die Höhe des Dachs mit dem Umgang beträgt ca. 18 m.

Statuenwechsel 2006
Im Herbst 2006 wurden die Kopien aus weniger hochwertigem Kunststein aus dem Jahr 1978 durch neue Exponate aus hochwertigen Horschitzer Sandstein ersetzt (benannt nach der Stadt Hořice - Horschitz). Ausgewechselt wurden die Statuen von St. Sigismund, St. Adalbert, St. Veit, Karl IV. und Wenzel I., ein Löwe und zwei Helme. Beim Austausch wurde ein mittelalterlicher Unikumkran eingesetzt, der nach einer Abbildung aus der Bibel Wenzels IV. von Vít Mlázovský und Petr Růžička von der Gesellschaft Ars Tignaria konstruiert wurde.

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