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Ständetheater (Stavovské divadlo)

Das überwältigende Theatergebäude aus dem Jahre 1783 wurde im klassizistischen Stil erbaut und ist bis heute im beinahe ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Mit der Geschichte der Theaters ist unzertrennlich das Musiktalent Wolfgang Amadeus Mozart verbunden – insbesondere seine Weltpremiere der Oper Don Giovanni, die bis heute im Repertoire des Theaters zu finden ist. Das Ständetheater ist Teil des Nationaltheaters, auf seiner Bühne wirken Schauspiel-, Opern- und Ballett-Ensembles.

Ständetheater (Stavovské divadlo), Železná, Praha 1 - Staré Město, 110 00
Web: http://www.narodni-divadlo.cz, e-mail: info@narodni-divadlo.cz
tel.: +420224901448, +420224901111

Öffnungszeiten der Kassen:

  • Mo — So 10.00 — 18.00

Eintrittskarten können auch an anderen Kassen des Nationaltheaters erworben werden – in der Staatsoper (tsch.: Státní opera), im Nationaltheater (tsch.: Národní  divadlo) und im Neuen Theater (tsch.: Nová scéna).

Abendkassen: Stets 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn sind die Abendkassen im historischen Gebäude des Nationaltheaters, im Ständetheater und in der Staatsoper geöffnet.

Der Vorverkauf von Eintrittskarten beginnt fünf Monate im Voraus.

Eintrittskarten können auch online auf den Webseiten von Bohemia TicketStone Bell SeriesTicket Art und Ticketpro bestellt werden.

Besichtigungen des Ständetheaters :
»Besichtigungen für Gruppen können an Arbeitstagen und an den Wochenenden in tschechischer, englischer, deutscher, französischer und russischer Sprache vereinbart werden. Die Besichtigungen für Gruppen organisiert Frau Vladislava Bruderová, tel. 224 902 231, 778 449 536, e-mail: v.bruderova@narodni-divadlo.cz
»Wochenendbesichtigungen organisiert Prague City Tourism.
 Nähere Informationen finden Sie auf www.prague.eu oder telefonisch unter der Nummer 221 714 161, E-Mail: vlastiveda@prague.eu

 

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Programme

Objekt geschichte

Das Theatergebäude baute der aufgeklärte Aristokrat Franz Anton Graf von Nostiz-Rieneck auf seinem eigenen Prager Grundstück mit der Genehmigung des Kaisers Joseph II. Die Unterstützung des Kaisers bewirkte, dass Proteste der Eigentümer der herumliegenden Häuser, der Karlsuniversität sowie des Magistrats, das das „Prager Theater in Kotcích“ besaß und sich vor der Konkurrenz fürchtete, nichts brachten. Der Grundstein wurde am 7. Juni 1781 gelegt. Beim Graben der Fundamente wurde ein kleiner Behälter mit ein paar Silbermünzen gefunden, was für ein gutes Zeichen gehalten wurde. Das Gebäude wurde im klassizistischen Stil nach den Plänen von Arch. Anton Haffenecker gebaut und ist neben dem Stadttheater in Leoben in Steiermark das einzige in Europa, das fast im Originalzustand erhalten wurde. Die Hauptfront mit Säulenpaaren und die hohen halbrundgewölbten Fenster wurden offenbar nach dem französischen Klassizismus gelöst. Die feierliche Eröffnung des Gräflich Nostitzschen Nationaltheaters fand am 21. April 1783 mit dem Lessings Trauerspiel Emilia Galotti statt. Der Graf baute das Theater dem Vaterland und den Musen, wie der lateinische Name am Gebäude - Patriae et Musis - verkündet. Der Theatergründer war ein großer Patriot, ein deutscher Prager, der sich danach sehnte, im Theater das deutsche Schauspiel und die deutsche Oper zu treiben, obwohl er ab und zu auch die tschechische Produktion zuließ. So fand am 20. 1. 1785 mit dem Lustspiel die erste tschechische Vorstellung Der Deserteur aus Kindesliebe (Autor Gottlieb Stefanie Jr.) in der tschechischen Übersetzung von Karl Bulla statt. Das erste tschechische Originalschauspiel war das historische Drama mit Gesängen Břetislav und Judith von Václav Thám am 10. 1. 1786. Mit der Geschichte des Theaters ist der Name Wolfgang Amadeus Mozart unzertrennbar verbunden, der hier im Januar 1787 seine Figaros Hochzeit dirigierte. Am 29. Oktober 1787 fand hier die Weltpremiere der Oper Don Giovanni statt, die Mozart den Pragern widmete. In folgenden Jahren wurden weitere Mozarts Opern präsentiert.

Nach dem Tod des Grafen Nostiz bot der Erbe Graf Friedrich Nostiz das Theater den Böhmischen Ständen an, diese kauften es im Jahre 1798 und seitdem hieß es Königliches Ständetheater. Schauspiele wurden auf Deutsch, Opernvorstellungen auf Deutsch oder Italienisch gespielt. Tschechische Vorstellungen fanden nur feiertags statt und am Sonntag 2. Februar 1826 fand hier die Premiere der ersten tschechischen Opern Drahtbinder von Franz Skraup (František Škroup) statt. Im Dezember 1828 hatte im Theater sechs Konzerte der berühmte Geigenvirtuos Paganini. Am 21. Dezember 1834 hatte Das Schusterfest (Fidlovačka) von J.K. Tyl seine Premiere, bei der zum ersten Mal das Lied von Skraup Wo ist meine Heimat, später die Staatshymne, ertönte. Auf Tschechisch wurde im Ständetheater bis zum Jahr 1862 gespielt, als das Interimstheater (Prozatímní divadlo) fertig gestellt wurde und sich das tschechische Theater selbstständig machte. Erneut wurde hier erst im Jahre 1920 auf Tschechisch gespielt, nachdem in den ersten Jahren des Bestehens des tschechoslowakischen Staats tschechische Theaterliebhaber das Ständetheater gewaltsam einnahmen. Der Staatspräsident Masaryk äußerte damals seinen Protest gegen dieses Unrecht so, dass er dieses Theater niemals mehr betrat. Am 5. 12. 1920 wurde das Ständetheater dem Nationaltheater offiziell einverleibt. Während der Besatzung wurde zum letzten Mal im Juli 1939 Jiráseks Laterne (Lucerna) auf Tschechisch gespielt. Nach der Befreiung wurde am 17. 6. 1945 zum ersten Mal wieder auf Tschechisch gespielt und erneut war es die Laterne von Jirásek. Im Jahre 1948 wurde das Theater in Tyl-Theater (Tylovo divadlo) umbenannt und wurde zur Dauerschauspielszene des Nationaltheaters. Zu Recht haben hier auch Mozart-Operninszenierungen ihr Zuhause. Seit 1991 wird der historische Name Ständetheater wieder verwendet.

Die Innenausschmückung des Gebäudes entwarf ursprünglich Jan Jakub Quirin Jahn, den Vorhang schuf im Jahre 1804 Josef Bergler. Die ersten Gebäuderegelungen führte 1859 der Baumeister K. Brust durch, weitere in den Jahren 1881 - 82 der Arch. Achill Wolf, in den Jahren 1890 - 92 wurden aus Sicherheitsgründen die aus Gusseisen bestehenden umlaufenden Laubengänge der Hinterhöfe (Pawlatsche) entfernt. Der Neuzeitumbau erfolgte in den Jahren 1973 - 1974, der letzte komplette Umbau lief in den Jahren 1983 - 1991 nach dem Projekt von den Architekten Ivan Skála und Svatopluk Zeman. Die Originalfundamente des Gebäudes wurden verstärkt, die Außenwände wurden verfestigt, die Gemälde auf der Decke des Zuschauerraums und des Proszeniums wurden restauriert, auf der Vorbrust der Balkons wurden Überraschungsdekorationen aus Pappmaché renoviert, das Material wurde offenbar durch seine Leichtigkeit benutzt, denn der Zuschauerraum besteht in seinen Außenwänden meistens aus Holz und hölzern ist auch die Kuppel, die die Decke trägt. Um die ausgezeichnete Akustik aufrechtzuerhalten, wurde empfohlen, keine Werkstoffe zu wechseln. Es wurde die Kopie des zum Teil noch gasversorgten Originallüsters aus dem Jahr 1874 hergestellt und aufgehängt. Der neue Lüster ist ca. 800 kg schwer und hat 148 Glühbirnen. Das Ständetheater zählt nach dem Umbau 659 Sitzplätze und 20 - 40 Stehplätze. Gleichzeitig wurde auch das Kolowrat-Palais umgebaut, in dem gemalte Kassettendecken entdeckt wurden und ein weiteres kleineres Theater aufgebaut wurde. Die feierliche Wiedereröffnung fand am 12. Oktober 1991 mit dem Schauspiel von Josef Topol „Ade, Socrates“ statt.

Am Ständetheater befindet sich die Statue Namens Pieta - die Autorin ist die Bildhauerin Anna Chromy.

Das Theater ist ein Volkskulturdenkmal.

Lateinische Aufschriften auf dem Gebäude:

- Frontseite des Ständetheaters

PATRIAE ET MVSIS MDCCLXXXXI

dem Vaterland und den Musen 1781

- in die Havířská Straße

FRANCISCVS ANTONIVS S.R.I. COMES DE NOSTITZ - RIENECK FUNDAVIT A.D. MDCCLXXXI

Franz Anton des heiligen römischen Reiches Graf Nostiz - Rieneck gegründet 1781 n. Chr.

- zum Karolinum

DELEGATI INCLYTI REGNI BOHEMIAE RAEDIFICARI FECERVNT A.D. MDCCCLIX

Von Vertretern des berühmten böhmischen Königtums wiederaufgebaut 1859 n. Chr.

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