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Von Holešovice in die Altstadt: Gegen den Strom der Zeit in die geheimen Gärten

Dieser Spaziergang bildet die wörtliche und übertragene Verbindung zwischen zwei Welten, die sich eigentlich in Vielem sehr nahe sind. Er verbindet schließlich zwei sehr unterschiedliche Prager Viertel und zwei ikonische Gebäude der Prager Nationalgalerie: den funktionalistischen Messepalast mit seiner Sammlung moderner Kunst und das altertümliche Kloster der Hl. Agnes von Böhmen, in dem sich eine Sammlung mittelalterlicher Kunst befindet. Von Holešovice führt die Strecke Sie durch Letná Park bis zum Metronom, der neuzeitlichen Dominante des linken Moldauufers, und über die Brücke bis zum nördlichsten Ende der Altstadt. Winden Sie sich durch die Gassen dieses Teils des Zentrums, den die meisten Besucher bisher noch nicht entdeckt haben und der Sie mit der authentischen Atmosphäre des alten Prags anhaucht. Ihr Ziel ist schließlich der neu hergerichtete und erst vor kurzem eröffnete Klostergarten und das Kloster selbst.

Von Holešovice in die Altstadt: Gegen den Strom der Zeit in die geheimen Gärten, Dukelských hrdinů, Praha 7 - Holešovice

BESCHREIBUNG DER ROUTE
Länge der Route: 4 km

zum Herunterladen: Fünf Prager Spaziergänge 2

 

  • Veletržní palác (Straßenbahnhaltestelle) - Messepalast (Veletržní palác) – Nationalgalerie in Prag

Das erste funktionalistische Gebäude in Prag, ursprünglich für die Veranstaltung von Messen gedacht, stammt aus dem Jahre 1928 und zu seiner Zeit war es der größte Bau seiner Art auf der Welt; es wurde auch von Le Corbusier bewundert. Im Jahre 1976 erhielt die Nationalgalerie das Gebäude. Nach umfassender, in den 90er Jahren abgeschlossener Rekonstruktion wurde das Gebäude zum Dauersitz einzigartiger Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst – sowohl tschechischer als auch ausländischer. Die Kollektion umfasst Werke von klingenden Namen wie Pablo Picasso, Auguste Renoir, Vincent van Gogh oder Gustav Klimt. Der monumentale Innenraum der Galerie, deren Aufteilung an das Deck eines Überseeschiffs erinnert, ist schon für sich alleine einen Besuch wert.

 

  • Heřmanova Straße - Františka Křížka Straße - Bio Oko

Das beliebte einsälige Art Kino stammt aus dem Jahre 1940. Das Erdgeschoss ist mit verschiedenen Arten von Sitzen (Liegestühle, Sitzsäcke, Autokarosserien) bestückt, deren Komposition der bekannte tschechische Designer Maxim Velčovský kreierte. Die hiesige Bar mit Café ist ein beliebter Treffpunkt.

 

  • Milady Horákové Straße - Letenské náměstí / Platz

Der 26 Meter hohe Neorenaissance­-Wasserturm Letná auf der rechten Seite ist Ihre Aufmerksamkeit wert, wie auch der für seine Zeit luxuriöse funktionalistische Block von Stahlbetonwohnhäusern mit dem Spitznamen Molochov aus den Jahren 1936 – 1938 oder dann das auf der linken Seite emporragende konstruktivistische Gebäude des Innenministeriums.

 

  • Nad Štolou Straße - Letohradská Straße - Muzejní Straße - Technisches Nationalmuseum (Národní technické muzeum) und Landwirtschaftsmuseum (Národní zemědělské muzeum)

Die monumentalen funktionalistischen Bauten wurden zusammen in den Jahren 1938 –1942 erbaut. Der ursprüngliche Gedanke rechnete mit einem großzügigen gemeinsamen Gebäude, jedoch griffen regulatorische Vorschriften und vor allem wachsende Unstimmigkeiten zwischen den beiden Institutionen bezüglich räumlicher und organisatorischer Fragen. Letztendlich wurden zwei selbständige, durch die Straße Muzejní getrennte Gebäude erbaut. Die Haupteingänge beider Institutionen sind Richtung Letná Park gerichtet – von dieser Seite kann man die identische Form der beiden Bauten am besten sehen.

Der architektonische Entwurf nach der Aufteilung der Gebäude rechnete mit einem sich über der Muzejní Straße wölbenden Riesentor aus Steinsäulen, das zumindest symbolisch auf den ursprünglichen Gedanken eines einheitlichen Gebäudes verweisen sollte. Wegen Unstimmigkeiten kam es jedoch nie zu dessen Realisierung.

 

  • Kostelní Straße - Letna Schlösschen (Letenský zámeček)

Das nach dem Vorbild italienischer Renaissancevillen erbaute Schlösschen dient als Restaurant. In den Jahren 1891 – 1916 befand sich die obere Station der Seilbahn nach Letná in seiner Nähe, von der Kettenbrücke des Kaisers Franz Josef (die heutige Štefánikův most / Brücke) beginnend. An die Seilbahn schloss die Haltestelle der ersten Prager elektrischen Straßenbahnschienen an, welche anlässlich der Prager Landes­Jubiläumsausstellung im Jahre 1891 von František Křižík gebaut wurde; diese wurde dann von einem privaten Unternehmer bis ins Jahre 1900 betrieben. Heute finden Sie vor dem Schlösschen einen sehr beliebten Biergarten mit wun-derbarem Ausblick auf das Stadtzentrum und die Moldau.

 

  • Metronom

Das riesige Metronom nimmt auf dem Prager Stadtplan einen symbolischen Platz ein. Genau an diesem Ort ragte einst das gigantische Denkmal J. V. Stalins, welches erst einige Jahre nach Stalins Tod, im Jahre 1962, entfernt wurde (mit Dynamit). Das sieben Tonnen schwere Metronom, das 1991 aufgestellt wurde, sollte auch Symbol einer neuen Zeit werden. Heute ist der ganze Bereich vor allem ein Paradies für Skateboarder.

 

  • hinunter ans Ufer / nábřeží E. Beneše - Brücke / most Svatopluka Čecha - Dvořákovo nábřeží - Hotels Intercontinental und President

Beide Hotels sind Beispiele für die lokale Variante des brutalistischen Stils. Die Präsidentensuite des Hotel Intercontinental ist mit einer Fläche von 154 Quadratmeters, Panoramaausblick und eigener Sauna die mit Abstand luxuriöseste Adresse Prags. Die berühmteste Person, die sie mit ihrem Besuch beehrte, war in den Neunziger Jahren Michael Jackson. Aus seiner Suite hatte er einen tollen Ausblick auf seine eigene überlebensgroße Statue, die vorrübergehend genau am Sockel des Metronoms platziert wurde.

 

  • Dušní Straße - Kirche des Hl. Simon und Judas (Kostel sv. Šimona a Judy) - U Milosrdných Straße

Die Kirche des Hl. Simon und Judas (Kostel sv. Šimona a Judy) rühmt sich mit ihrer reichen Musiktradition inklusive Besuchen von zwei weiteren berühmten Musikpersönlichkeiten - Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Die Kirche blieb dieser Tradition bis heute treu und wird als Konzertsaal verwendet.

Die U Milosrdných Straße führt entlang des ältesten Flügels des Krankenhauses und des Klosters der Barmherzigen Brüder, die das Krankenhaus ab dem Jahre 1620 betrieben. Im Jahre 1847 wurde hier die allererste Operation unter Narkose des ganzen österreichisch‑­ungarischen Reichs durchgeführt.

Ein weiteres Gebäude am Ufer ist das städtische Krankenhaus Na Františku. Das Spital wurde an seinem Ort offenbar bereits um das Jahre 1360 gegründet und ist seit dieser Zeit durchgehend in Betrieb. Es handelt sich somit um das älteste Krankenhaus in Mitteleuropa.

 

  • Kozí Straße - „Kozí plácek“ (dt.: Ziegenplatz) - U Obecního dvora Straße - Ve Stínadlech Gasse

U Obecního dvora Straße

Während der Zeit seiner Existenz erfüllte der Altstädter Gemeindehof (Obecní dvůr) eine Reihe von Funktionen, vor allem als Wirtschaftsgrund. Seine erste belegte Verwendung war als Stallung für die Pferde und Kutschen der Gemeinde, später diente er als königliches Feuerarsenal. Das Haus U Cenzorů (Nr. 798/5) wurde im 19. Jahrhundert wirklich vom Vollzieher des Zensuramts bewohnt. Das Haus mit der Nr. 799/7 wurde von der berühmten tschechischen Malerfamilie Mánes bewohnt. Antonín Mánes, der Gründer der tschechischen Landschaftsmalereischule, hatte im Turm des Nachbarhauses U Cenzorů sein Atelier.

Ve Stínadlech Gasse

An der rechten Seite gegenüber dem Gemeindehof durchqueren Sie die Ve Stínadlech Gasse. Diese wurde nach dem Roman des beliebten tschechischen Schriftstellers Jaroslav Foglar benannt, der die hiesigen dunklen Ecken und alten Häuser zum Schauplatz vieler seiner Geschichten machte.

 

  • Haštalské náměstí / Platz - Kirche des Hl. Kastulus (Kostel sv. Haštala) - Schule und Pfarrei - Gebeinhaus - altes Spital

Kirche des Hl. Kastulus (Kostel sv. Haštala)

Ein ursprünglich romanischer Bau aus dem späten 12. Jahrhundert ist die einzige Kirche dieser Weihung bei uns.

 Schule und Pfarrei

Seit der Gründung gehörte eine Schule und eine Pfarrei mit Garten, umgeben von massiven Mauern, dazu – heutzutage wird das Gebäude von verschiedenen Kirchengruppen und -organisationen genützt.

Gebeinhaus

Um die Kirche herum befanden sich ein Friedhof, an den die Kreuze im Mosaik des Gehsteigs erinnern, sowie das bis heute stehende Gebäude des ehemaligen Gebeinhauses mit dem an die Wand gemalten Grabstein.

Altes Spital

An der Ecke zur Řásnovka Straße steht ein untypisches rundes Eckhaus – das ehemalige Spital des tschechischen Ordens der Kreuzherren mit dem Roten Stern. Es ist der einzige ursprünglich tschechische Orden und der einzige Männerorden, der von einer Frau gegründet wurde – der tschechischen Prinzessin Agnes. Der ursprüngliche Bau wurde im Jahr 1965 entgiftet und mit einem Neubau ersetzt, der allerdings auf den Fundamenten des ursprünglichen Spitals steht und seinen Grundriss kopiert.

Die gesamte Umgebung war das Viertel der ärmsten Prager, voll enger Gassen mit bizarren Häuschen und erschütternden Hygienebedingungen. Daher wurde nach und nach der Großteil des Viertels im Rahmen der Ende des 19. Jahrhunderts ausgerufenen Entgiftung abgerissen.

 

  • Řásnovka Straße

Die Straße Řásnovka hieß ursprünglich Schneckova, nach dem Erzeuger der beliebten Spielkarten. Die Prager benannten sie nacheinander in Slimákova, Plžova und Hlemýžďova um, bis die Beamten eingriffen und sie nach dem Hauptmann aus Řásnov, dem Besitzer eines der Häuser, benannten. Vor langer Zeit hatte die Gasse auch den Spitznamen U králů žump (dt.: Bei den Königen der Senkgruben), weil sich hier die bescheidene Bleibe armer Tagelöhner, Abdecker (Personen die mit dem Beseitigen und Vergraben von Kadavern betraut waren) und sogar Henker befand.

 

  • Klášterská Straße - Gebäude des Ministeriums für Industrie und Handel

Das eindrucksvolle Jugendstilgebäude des Ministeriums für Industrie und Handel des Architekten Josef Fanta wurde im Jahre 1934 mit einem Rekordbudget fertiggestellt. Kein Wunder: am ganzen Gebäude können Sie mehr als hundertzwanzig Statuen zählen, ergänzt um eine Menge weiterer Zierelemente, welche den repräsentativen Gesamteindruck unterstreichen. Josef Fanta steckt unter anderem auch hinter der Eingangshalle mit dem schönen Jugendstilkaffeehaus am Prager Hauptbahnhof.

 

  • Na Františku Straße - Garten hinter den Heiligtümern (Zahrada za svatyněmi) - Garten beim Nordtor (Zahrada při severní bráně) - Kloster der Hl. Agnes von Böhmen (Klášter sv. Anežky České)

Garten hinter den Heiligtümern (Zahrada za svatyněmi)

Das Areal des Agnesklosters wurde im Jahre 2016 umfassend rekonstruiert – in den Garten hinter den Heiligtümern kommt man durch die neuen Gartentore, in den Garten beim Nordtor (Zahrada při severní bráně) dann durch ein großes Barocktor vom Ufer. Die bisher gar nicht zugänglichen Gärten wer-den nun von zwanzig zeitgenössischen Bildhauerwerken führender tschechischer Künstler geschmückt.

Kloster der Hl. Agnes von Böhmen (Klášter sv. Anežky České)

Einer der ältesten und bedeutendsten Prager gotischen Bauten trägt den Namen seiner Gründerin, der Premysliden­Prinzessin Hl. Agnes (1211–1282). Diese baute das weitläufige und künstlerisch reich verzierte Kloster mit der königlichen Grabstätte, einer eigenen Krypta und einigen Kirchen auf. Nach Auflösung des Klosters Ende des 18. Jahrhunderts drohte dem in dieser Zeit bereits stark verfallenen Bau der Abriss. Dazu kam es zum Glück nicht – im Gegenteil wurde es zu einem nationalen Kulturdenkmal erklärt und im Laufe des 20. Jahrhunderts schrittweise rekonstruiert. In den 80er Jahren wurde das Areal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und für die Sammlung mittelalterlicher Kunst der Nationalgalerie adaptiert (wir empfehlen einen Besuch – diese einzigartige Ausstellung wird ungerechterweise vielleicht gerade wegen seiner unauffälligen Lage abseits der Touristenströme vernachlässigt.)

Besucher können die Gärten und das Erdgeschoss des Klosters gratis die Besichtungsroute entlang, welche auch in einer Variante für Kinder vorbereitet ist, durchqueren.

Die Klostergärten sind zwar ganzjährig geöffnet, jedoch schließen sie bei Schlechtwetter. Im Falle, dass Sie das Areal nicht durch die Gartentore betreten können, gehen Sie die Na Františku Straße weiter entlang zur Kozí Straße und zur U Milosrdných Straße – die enge Anežská Gasse führt Sie dann zum Haupteingang des Areals.

 

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