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Klementinum

Das weitläufige Areal des Klementinums, einem der größten Gebäudekomplexe Europas, wurde seit der Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zur Hälfte des 18. Jahrhunderts, ursprünglich als Jesuitenkolleg, errichtet. Der Besichtigungsrundgang beinhaltet den Astronomischen Turm, auf dem seit dem Jahre 1775 meteorologische Messungen durchgeführt werden, den Meridiansaal und den barocken Bibliothekssaal mit wunderschönen Fresken und historisch wertvollen Globen. In der Spiegelkapelle mit ihrer reichhaltigen Inneneinrichtung und ihrer einzigartigen Spiegelausschmückung finden regelmäßig Konzerte klassischer Musik statt.

Klementinum, Mariánské náměstí 5, Praha 1 - Staré Město, 110 00
Web: http://www.klementinum.com, e-mail: mrehorova@dreyer.cz
tel.: +420733129252, +420606100293

Öffnungszeiten

Januar – Februar

ganze Woche
10.00 – 16.30

März – Oktober

ganze Woche
10.00 – 18.00

November – Dezember

ganze Woche
10.00 – 17.00

Eintrittspreise

Grundpreis

220 Kč

ermäßigter Eintrittspreis

140 Kč

Eintrittspreis für Familien

500 Kč

AUSSTELLUNG

  • Im Astronomischen Turm, der 68 Meter misst und von dem man einen wunderschönen Ausblick auf das Zentrum Prags hat, befindet sich eine Ausstellung historischer Messinstrumente sowie Informationen über die Geschichte des Turms. Beim Betreten des Turm lässt sich ein Aufzug benützen, aber nur bis zum 3. Stockwerk. Dann bleiben noch 87 Stufen bis zum Wendegang des Turms.
  • Der barocke Bibliothekssaal ist mit wunderschönen Fresken zum Thema Wissenschaft und Kunst geschmückt. Im Saal befinden sich eine Sammlung an fremdsprachiger, gedruckter Theologie-Literatur und einige historisch wertvolle, große Globen.
  • Der Meridiansaal befindet sich im 2. Stockwerk des Turms. Dieser einzigartige Raum wurde früher verwendet, um die Mittagszeit zu bestimmen. In den Wänden des Meriansaals befinden sich ursprüngliche astronomische Geräte.
  • Im Vorsaal der Bibliothek können Besucher ein Faksimile des Vyšehrader Kodex sehen. Das Buch mit Auszügen aus dem Evangelium umfasst 108 reichhaltig illustrierte Pergamentblätter, insgesamt 26 Seiten davon sind Bilder der Evangelisten, der Christus Familie oder Bilder aus dem Alten Gesetz und des böhmischen Patrons, des Heiligen Wenzel. Die Bildkomponenten reihen den Kodex unter die bedeutendsten illuminierten Handschriften aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Europa.

Touristische Besichtigungen mit einem Reiseleiter

  • Die Führungen beginnen täglich um 10 Jahr und finden alle 30 Minuten statt. Eine Führung dauert rund 45 Minuten und findet ausschließlich mit einem Reiseleiter statt.
  • Die Erklärungen finden in Englisch statt und wenn tschechische Touristen anwesend sind, dann werden Erklärungen ind tschechischer Sprache hinzugefügt. Informationen stehen in gedruckter Form in Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Niederländisch, Japanisch, Chinesisch und Russisch zur Verfügung.

Das gesamte Preisverzeichnis der Eintrittsgelder finden Sie hier.

Die Spiegelkapelle mit ihrer reichhaltigen Innendekoration und Spiegelausschmückung, die in der Tschechischen Republik ihresgleichen sucht, befindet sich im vierten Hof des Klementinums im Erdgeschoss des Flügels, der den Astronomischen Turm mit dem Nordflügel in der Straße Platnéřská ulice verbindet. Hier werden regelmäßig Konzerte klassischer Musik  abgehalten. Es besteht auch die Möglichkeit, hier zu heiraten, die Kapazität beträgt 150 Personen.

Im Falle, dass in der Spiegelkapelle keine andere Veranstaltung stattfindet, ist es möglich, sie im Rahmen der Führung auch zu besichtigen. Diese Option lässt sich aber im Vorhinein nicht garantieren.

KONZERTE KLASSISCHER MUSIK

  • von 1. 11. bis 31. 3. täglich ab 17.00
  • von 1. 4. bis 31. 10. täglich ab 18.00

weitere Konzerte (nur an manchen Tagen) 19.00 /20.00 h
Programm

EINGÄNGE INS AREAL:
Křižovnická 190, Karlova 1 oder Mariánské nám. 5

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Programme

Objekt geschichte

Das gesamte Klementinum ist der größte Baukomplex nach der Prager Burg. Es ist das erste Kolleg in Prag, die Jesuiten kamen hier im J. 1556 ein, wann sie nach Prag vom Kaiser Ferdinand I. berufen wurden, um ihn bei seinen Bemühungen zur Gegenreformation zu unterstützen. Nach der Ankunft siedelten sie sich im ehemaligen Dominikanerkloster St. Clement in der Altstadt in der Nähe der Karlsbrücke. Die Kirche gab später den Namen auf den gesamten Komplex - Klementinum. In der Zeit nach der Niederlage der böhmischen Stände im J. 1620 gab es einen großen Bauboom, der bis zur Mitte des 18. Jahrhundert fort schritt. Der Gebäudekomplex wurde auf einem geräumigen Grundstück, wo einst 32 Häuser, sieben Höfe, drei Kirchen, ein Kloster und mehrere Gärten gestanden waren, erbaut. Die Kolleg-Gebäuden waren rund fünf Hofplätze verteilt, dazu gehörten drei Kirchen (St. Salvator, Hl. Clement und Italienische Kapelle), zwei Türme, Schulen, Studentenheim, Bibliothek, Theater, Sternwarte und eigene Druckerei. Zunächst konkurrierte das Jesuitenkolleg mit der Karls-Universität. Nach dem J. 1622 wurden beide Hochschulen unter der Leitung der Jesuiten vereinigt, die Jesuiten vereinigten auch ihre Bibliotheken und errichteten Räumlichkeiten für sie hier. Seit 1654 entstand die Karl-Ferdinand-Universität, bis sie zum Ende des 19. Jahrhundert in eine tschechische und eine deutsche aufgeteilt wurde.

Die Salvatorkirche war einst die wichtigste Jesuitenkirche in Böhmen. Sie wurde im J. 1578 aufs Mauerwerk der gotischen Clemenskirche gegründet und stufenweise bis zur Mitte des 17. Jahrhundert gebaut. Die ältesten Teile der Kirche sind Presbyterium und Querhaus, dann wurde das Dreischiff mit dem Marmor-Portal aufgebaut und unter der Führung von Carlo Lurago wurden oberhalb der Seitenschiffe die Tribüne erbaut und Stuckverzierung gemacht. Später wurde von Francesco Caratti ein Kuppel gebaut und mit Stuck von Johann Georg Bendl verziert. Der Säulengang mit Stuck von Giovanni Battista Cometa trägt Statuen von Johann Georg Bendl: Väter der Kirche, Ordensheiligen, Evangelisten, Christus und die Jungfrau Maria. Im J. 1714 wurden von František Maxmilián Kaňka die Kirchentürme eingerichtet. Der Tempel hat einen frühbarocker Beichtstuhl, mit Statuen der zwölf Apostel von Johann Georg Bendl dekoriert. Am Hauptaltar gibt es ein Gemälde von Johann Georg Häring. An der Ecke des Chores wurde ovale Italienische Himmelfahrt-Kapelle nach dem Entwurf des Architekten Ottorino Mascarino vom Baumeister Domenico Bossi in den Jahren 1590-1597 zugebaut. Die Kapelle wurde für die Bedürfnisse der Italiener angesiedelten in Prag erbaut, davon ihr Name. Dieser Brucheingang zur Kapelle in der Karlstraße wurde nach Kaňkas Projekt gebaut. Dieser Eingang dient auch als Eingang in die dritte Clemenskirche aus den Jahren 1711-1715. Die Barockkirche war auch nach Kaňkas Projekt aufgebaut, von außen einfach, innen aufwändig präpariert. In den Nischen stehen Statuen der Evangelisten und der Kirchenväter von Matthias Braun. Auch sechs Seitenaltäre, Kanzel, Beichtstuhl und Orgelchor wurden mit Skulpturen zumeist aus Matthias Brauns Werkstatt geschmückt. Auf einem der Altäre gibt es ein Bild von Peter Brandl. Die Kirche hat eine der besten Barock-Innenräume in Prag.
Der älteste Teil des Kollegs auf der Seite der Kreuzherrenstraße (Křižovnická ulice) begann Carlo Lurago im Jahre 1653 zu bauen, dann Francesco Caratti und Giovanni Domenico Orsi (bis 1679). Das Gebäude wurde in den 30. Jahren des 18. Jahrhunderts von František Maxmilián Kaňka fertiggebaut. Der zweigeschossige Flügel bei der Kreuzherrenstraße wurde im Jahre 1925 um die dritte Etage erhöht, entworfen vom Architekten Ladislav Machoň, wenn der Raum für die Bedürfnisse der Universitätsbibliothek gewidmet wurde. Ladislav Machoň arbeitete unter der Leitung von Zdeněk Wirth. Alle Baumaßnahmen wurden mit großer Sensibilität durchgeführt und konnten seltenes historisches Ambiente mit modernem Betrieb und Einrichtungen zusammenfügen. Auf die Dachfenster zur Platnéřská Str. wurden sieben Skulpturen von Otto Gutfreund, die jeweils von Wissenschaften symbolisieren, plaziert. Beim Dekorieren nahmen auch Jaroslav Horejc (Keramik) und Maler Jaroslav Benda Teil. Neben der Salvatorkirche führt der Hauptportal zum ersten Hofplatz. Hier steht eine Statue “Der Prager Student“ von Josef Max aus dem Jahr 1847, die als Verehrung der Studenten errichtet wurde, die Prag gegen die Schweden im J. 1847 verteidigt hatten. In einem anderen Hof befindet sich der Eingang zu heutigem Bibliothekkomplex. Charmante ist der sogenannte Weinstock-Innenhof, in der Mitte von welchem ein frühbarocker Steinbrunnen steht als Überbleibsel der ersten Wasserleitung in Prag, von den Jesuiten errichtet. Zwischen den Fenstern im Obergeschoss gibt es sechs alten Sonnenuhren, an anderen Stellen in der Umgebung gibt es weitere sieben. Das Klementinum hat also insgesamt 13 Solaruhren.
Im Jahre 1622 wurde der Bau von Klementinum abgeschlossen. Im Ostflügel wurde Sommerrefektorium (heutiger Studiensaal) mit reichem Stuck und großen Gemälde vom Jesuiten Christoph Tausch aufgebaut. Im J. 1791 fand hier die erste böhmische Landesindustrieausstellung statt. Hinter dem Refektorium befindet sich die berühmte Spiegelkapelle mit reichem Stuck, in den Spiegel gesetzt sind. In der Kapelle sind vier Gemälde von Václav Vavřinec Reiner. Heute dient die Kapelle es für Konzert-Produktionen. Auf dem letzten Hof zum Mariaplatz (Mariánské nám.) steht ein Denkmal dem Direktor hiesiger Sternwarte und Astronom Joseph Stepling mit einem Amor mit Fernröhre von Ignaz Platzer auf Bestellung von der Kaiserin Maria Theresia. Der Durchgang im Ostflügel führt zum Marienplatz. Die Fassade dieses Flügels hat ein großes Portal mit einem Balkon verbunden, über dem Fenster gibt es Stuckdekoration von Franz Xaver Lederer. Im Giebel befindet sich eine Skulptur des hl. Ignatius von Matthias Braun. Aus seiner Werkstatt stammt die Statue des Hl. Johannes von Nepomuk an der Stirnwand des Eingangs aus der Karlstraße.
Über den Gebäuden von Klementinum ragt der Astronomische Turm. Ihr Baumeister ist nicht sicher, vielleicht F. M. Kaňka, Kilian Ignaz Dientzenhofer oder Anselmo Lurago. Der Turm ist 52 m hoch, 172 steilen Wendeltreppen führen zur Spitze. Auf der Kuppel des Turms erhebt sich eine gigantische Bleistatue von die Erdkugel haltenden Atlas. Der Eingang zum Turm befindet sich neben dem Eingang zum Spiegelsaal. Die Geschichte des Turms ist eng mit universitärer Ausbildung verbunden, in welcher Mathematik und Astronomie eine wichtige Rolle spielte. Gedruckte und handschriftliche Werke von Astronomen in hiesiger Universitätsbibliothek beweisen das hohe Niveau der Wissenschaft in jener Zeit. Um 1750 wurden dort astronomische und klimatische Beobachtungen und Messungen gestartet und der Turm wurde mit astronomischen Instrumenten ausgerüstet. Um die Entwicklung der Astronomie verdiente sich der Observatoriumsdirektor Joseph Stepling, sowie Mechaniker Johannes Klein. Im J. 1775 begann Antonín Strand kontinuierliche Aufzeichnungen der meteorologischen und klimatischen Messungen, die hier ununterbrochen bis heute stattgefunden haben. Obwohl Berlin man früher begonnen hat, Messungen dort für mehrere Jahre unterbrochen wurden, so hat Klementinum das weltweite Primat. Seit 1842 wurde der Mittag aus dem Klementinum mit einem Schwung der Flagge angekündigt, die von 1891 bis 1926 oder 1928 mit einem Kanonenschlag aus dem Hradschin erschossen, begleitet wurde. Nach 1928 zogen die astronomischen Beobachtungen in die neue Sternwarte in Ondřejov um. Der Zeitdienst blieb auf dem hiesigen Turm bis zum zweiten Weltkrieg. Vom 1926 dient der Zeitdienst auch für den tschechischen Rundfunk.
Im Rahmen des Projektes Prag – Europas Kulturhauptstadt 2000 waren Räume des astronomischen Turms und barocke Bibliothekssaal renoviert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Der Bibliothekssaal ist der schönste Saal des Klementinum. Es wurde 1722 von Kilian Ignaz Dientzenhofer erbaut und mit Fresken zum Thema Wissenschaft und Kunst verziert. Illusionsmalerei der Kuppel symbolisiert den Tempel der Weisheit. Der Autor der Fresken war Josef Hiebel. An den Seiten sind Medaillons der bedeutenden Jesuiten und an der Stirn der Bibliothek ist ein Bild vom Kaiser Joseph II., der die Bibliothek um beschlagnahmte Teile von aufgehobenen Klosterbibliotheken anreicherte. Um die Wänden herum gibt es eine Galerie mit Balkon mit Geländer aus Schmiedeeisen. In der Mitte der Halle sind alte Globen. Der Legende nach brachten die Jesuiten bei der Ankunft nach Prag ein Buch mit, aber wenn sie den Bau der Bibliothek vollendeten, hatten sie schon 20.000 Bände. Nach der Abschaffung des Jesuitenkollegs im J. 1773 gab es hier das erzbischöfliche Seminar und ein Teil der Universität mit der kaiserlichen Bibliothek. Bereits im J. 1777 wurde die Bibliothek für die Öffentlichkeit als K. u. k. öffentliche und Universitätsbibliothek eröffnet. Sammlungen der Bibliothek wuchsen schnell. Seit 1782 alle Prager Drucker gaben erforderliche Kopien der Bibliothek ab, nach 25 Jahren wurde diese Verpflichtung auf das gesamte Gebiet von Böhmen erweitert. Heute wirkt die Bibliothek unter dem Namen Nationalbibliothek und hat über 6 Millionen Bücher. Das älteste Buch ist Vyšehrader Kodex, es gibt hier auch die Dalimils Chronik in einer Taschenauflage, Bücher auf dem Gebiet der Dogmatik, Hermetik, Numerologie und viele andere seltene Bände. Oberhalb des barocken Bibliothekssaals befindet sich der Meridiansaal, wo Messungen und Berechnungen durchgeführt wurden. Es gibt dort astronomische Instrumente und eine Schnur, die eigentlich das Prager Meridian vorstellt, genauer als die Meridianrinne auf dem Altstädter Ring. Aus dem Meridiansaal führen 65 Holztreppen auf die Turmgalerie. Weitere Säle sind Mozartsaal mit Rokoko-Gemälden, Mathematischer Saal, Handschriftensaal und ein großer Saal mit Stuckdecke, wo sich heute der Zettelkatalog befindet. Es gibt hier auch die Musikhalle mit dem Stuckgewölbe mit figuralen Allegorien von vier Fakultäten und die Rokoko-Kapelle mit dem Altar von St. Johannes von Nepomuk. Diese Räume sind in der Regel nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Klementinum ist ein nationalweites Kulturdenkmal.

 

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