Breadcrump- bzw. Brotkrümel-Navigation

Karolinum

Diese einzigartige Sehenswürdigkeit gehört zur Karlsuniversität seit dem Jahre 1383, als der Sohn des Universitätsbegründers, König Wenzel IV, für das Studentenwohnheim eines der stattlichsten Altstadt-Palais gewinnen konnte. Die heutige Ansicht des Karolinums ist vorwiegend barock. Der zentrale Innenraum ist die große Aula, die als akademischer Hof dient und für Diplomübergaben der Studenten verwendet wird. Die Räumlichkeiten des Chorganges werden für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst verwendet.

Karolinum, Ovocný trh 3, Praha 1 - Staré Město, 110 00
Web: http://www.cuni.cz/UK-1436.html, e-mail: tiskovy.mluvci@cuni.cz
tel.: +420224491251

Programme

Objekt geschichte

 

Die Gründung der Karlsuniversität am 7. April 1348 gehört zu den bedeutendsten Herrschertaten des Königs Karl IV. In der Gründungsurkunde verkündigte er, dass er die Universität deshalb gründet, dass sich die Bewohner des Königtums Böhmen nicht im Fremde ein Almosen durch Bitten erreichen müssten, sondern zu Hause den Wissensfestmahl fanden und umgekehrt, Ausländer zur Teilnahme am Studium in Böhmen einladen könnten. Vom Anfang hatte die Uni kein Hauptgebäude. Studenten wohnten bei ihren Professoren, mit ihnen aßen sie auch, man unterrichtete in Kirchen, Klöstern oder Privat. Später entstanden verschiedene Studentenheime, das heutige Karolinum war nur ein von den. Im J. 1366 gründete man das Karlskolleg, das nach zwanzig Jahren ins gotische Patrizierhaus des Münzmeisters Rotlev aus der Zeit ums J. 1350 umzog. Johlin Rotlev geschenkte das Haus dem König Wenzel IV. und der gab es zusammen mit Nachbarhäusern dem Karlskolleg, welches ursprünglich in einem kleinerem Haus am Rande des Judenviertels neben der Nikolauskirche siedelte. Die neuerworbenen Bauten wurden noch erweitert, eine wichtige Sache war die Einrichtung der Universitätskapelle und des großen Saales für Festakte – der Aula Magna. Der mittelalterliche Umbau dauerte viele Jahre und gab damals der Uni Hörsäle, Wohnungen der Meister und ihrer Helfer, auch Bäder und Karzer. Im J. 1611 wurden alle einzelnen Kollegien aufgehoben und alles ins Karlskolleg (Karolinum) zentralisiert.
Als Professor und Rektor der Uni arbeitete hier der Meister Johanes Huss. Er trat in der Aula des Karolinums mit seinem Freund Hieronymus auf – bei einer öffentlichen Aussprache gegen den päpstlichen Ablässeverkauf. Universitätsmeistern nahmen an der Erklärung der Reformanforderungen der Hussiten – die Vier Prager Artikeln – im J. 1420. Mehrmals tagte hier der Landestag und im J. 1618 zogen von hier die böhmischen Stände zur Burg für den Fenstersturz der kaiserlichen Statthälter Slawata und Martinitz. Die Uni wurde zum ein der Zentren der Reformbewegung. Nach dem Niederschlag der ständischen Armee auf dem Weißen Berg vom Kaiser Ferdinand II. wurde die Uni dafür dadurch bestraft, dass sie den Jesuiten übergeben wurde. Diese vereinigten das Karolinum mit ihrem Kolleg Klementinum.

Die heutige Gestalt des Karolinums ist überwiegend Barock so, wie es im Jahre 1718 vom Architekten František Maxmilián Kaňka umgebaut war. Der Barockcharakter ist mit dem erhaltenen und teilweise neuentdeckten gotischen Bauelemente ergänzt. Oberhalb des Kaňkas Barockportal zur Železná Straße war ein Frühbarockfenster aus dem J. 1687 beibehalten, mit der Inschrift LEX CIVIUM DUX (Das Gesetz ist Herrscher der Bürger). Aus dem ursprünglichen Rotlevshaus stammt der Lauben und der gotische Erker aus der Zeit ums J. 1370, das ursprünglich ein Teil der Hauskapelle der hl. Kosmas und Damian war und dessen schöne Bauart gleicht sich nur dem Erker des Altstädter Rathauses. Die Kapelle ist mit Wappen von Böhmen, Steiermark, Mähren, Erzbischofs Jan von Jenštejn und Johlin Rotlevs.
Nach dem J. 1930 begann eine bauhistorische und archäologische Durchforschung, welche bestätigte, dass unten dem Barockumbau noch Reste der mittelalterlichen Gestalten überblieben sind. Der Krieg legte die Arbeiten still, deshalb fang die Sanierung nur am Ende der 40. Jahre unter der Führung des Architekten Jaroslav Fragner an. Die Rekonstruktion griff nicht allein in die historische Substanz des Gebäude, sondern auch der weiteren Häuser des Karolinum-Blocks. Es gehören zum Karolinum insgesamt 17 Gebäude, einschließlich der Hofobjekte. Es handelt sich um das Buquoypalais und Opitzhaus, in welchen man bemalte Balkendecken entdeckt hat, sogenanntes Stockhaus und weitere. Die meist anspruchsvolle Etappe der Rekonstruktion war am Ende der 50. Jahre vollendet – mit der Einrichtung des Hofplatzes in seine ursprüngliche gotische Gestalt mit Backsteinarkaden und Pawlatsche. Eine Statue des J. Huss von Karel Lidický wurde hier gestellt. Die zweite Etappe der Renovierung vom J. Fragner in den 60. Jahren betraf die anschließenden Häuser und ein neues Eingangsgebäude wurde ausgebaut. Der Ehrenhof wurde eingepasst und im J. 1975 eine Fontäne darauf gestellt, mit heraldischen Löwen verziert, nach dem Projekt des Jaroslav Fragner und Bildhauers Vincenc Makovský vom Bildhauer Josef Wagner ausgemeißelt.
Der zentrale Raum des Interieurs ist die große Aula, die dem akademischen Hof dient, der hier bei den Festakten der Universität sitzt, sowie für Promotionen der StudentInnen. Bei der Renovierung in den Jahren 1946-1950 wurde die nach dem J. 1383 erbaute Aula etwa um ein Drittel verlängert, Tribüne und Sessel für den akademischen Hof hier eingestellt. Die Aula hat eine besondere Wellendecke, die die Ausgezeichnete Akustik besichert. An der Decke befinden sich Metallwappen der böhmischen Länder nach dem Entwurf von Jan Lauda. In die Lüster sind Heizkörper und Lautsprecher eingebaut. Die Hauptwand ist mit einem Gobelin von Vladimír Sychra aus dem J. 1947 verziert, dessen Hauptmotiv ist der Kaiser Karl IV. kniend vor dem böhmischen Fürst, dem hl. Wenzel. Das Motiv ist dasselbe als auf dem Universitätssiegel. Links vor dem Gobelin gibt es die bronzene überlebensgroße Gestalt des Karls IV., ein Werk von Karel Pokorný. An der Seitenwand der Aula befindet sich ein mit Gobelin verzierter Doppelchor mit der Orgel. Ein kleines gotisches Portal oberhalb des Chors führt zu einer Reihe von Gemächern. In einer davon gewährt die Uni ihre werte Urkunden, Siegel und Insignien – die hoheitliche Zeichen der Universität. Auf der anderen Seite der Aula befindet sich eine kleine Kapelle, die in die Straße durch einen gotischen Erker ausläuft und mit einem Marmordenkmal des Humanisten, Meister Matouš Kolín von Chotěřina, aus dem J. 1568 verziert ist. Vom Kaňkas Barockportal in der Železná Straße führt zur Aula das ursprüngliche Treppenhaus, mit Malereien von Richard Wiesner ausgeschmückt, das zweite Treppenhaus zur Aula führt vom Früchtenmarkt (Ovocný trh).
Das Karolinum ist ein nationalweites Kulturdenkmal.

 

Geschichte des Objekts zeigen