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Kampa

Der Park – eine Insel zwischen dem Hauptflussbett der Moldau und ihrem Flussarm, dem Teufelsbach (tsch.: Čertovka), wo ein großes Mühlrad der ehemaligen Grossprior-Mühle (tsch.: Velkopřevorský mlýn) zu sehen ist, die hier bereits im Jahre 1400 stand – ist einer der romantischsten und malerischsten Plätze in Prag. Wen wundert es da, dass die Kampa vom prestigeträchtigen Server VirtualTourist zur zweitschönsten Stadtinsel der Welt gekürt worden ist. Die Grasflächen der Insel werden gerne für Picknicks und Ruhepausen verwendet.

Kampa, Praha 1 - Malá Strana, 110 00

Objekt geschichte

Der Park Kampa liegt auf der Insel bei dem Kleinseiner Ufer. Die älteste Erwähnung von Kampa stammt aus dem J. 1169 in der Gründungsurkunde der Kirche des Maltesischen Ritterordens unter dem König Vladislav II. Der Ursprung des Namen Kampa unklar: vielleicht nach Tycho Gansgeb von Kamp, der hier im 17. Jh. ein Haus eignete, oder nach dem lateinischen Wort campus – ein Feld oder Ebene, die sich hier einst befand, oder nach dem tschechischen Wort zákampí – eine Schattenstelle. Čertovka ist ein Mühlgraben, aus einem Arm der Moldau gebaut, ursprünglich im J. 1585 Rosenberggraben benannt, nach dem Besitzer hiesiger Grundstücke Wilhelm von Rosenberg. Der heutige Name Čertovka (Teufelsgraben) war vom Hausnamen Zu den sieben Teufeln abgeleitet. Dieser reizende stille Winkel von Prag wird auch das Prager Venedig benannt.

Die Insel wurde stufenmässig von natürlichen Anschwemmungen, aber auch Aufschüttungen erhöht, besonders nach dem großen Feuer der Kleinseite und Hradschin im J. 1541. Die Ufer wurden nach dem J. 1600 festgestalten. Auf der Insel entstanden zuerst Gärten, erst seit dem 15. Jh. wurde hier mit Bauten angefangen. Die ersten Bauten waren Mühlen, bei welchen entstanden Mühlgärten, die sich später in Adelsgärten entwickelten. Der erste Garten an der Smíchover Seite war der größte Barockgarten – Michnagarten, vom Graf Michna von Vacínov im 17. Jh. als Teil des Michnapalais hinter des Čertovka-Grabens. Vor dem Palais links der Čertovka dreht ein erneuerter große hölzerne Rad, der an die hiesige ursprüngliche Mühle „Hütte“ erinnert. Das Michnapalais wurde im 18. Jh. zum Zeughaus, was heute nur noch der Name des hiesigen Restaurants Stará zbrojnice (Das alte Zeughaus). Zum Gebäude der einstigen Sovamühle (nach dem Eigentümer der Mühle im 15. Jh. Václav Sova von Liboslav) lehnt sich der Odkolekgarten an. Im 19. Jh. gehörte die Mühle der bekannten Bäckerfamilie Odkolek, die lies das Renaissancegebäude in ein neugotischen Gestalt vom Architekt Josef Václavík umbauen. Auf den Odkolekgarten bindet der Kaisersteingarten an, der sich vorbei dem Kaisersteiner, heute Palais Liechtenstein zog, bis zum Häuschen, das vom Graf von Nostitz dem tschechischen Erwecker Josef Dobrovský gewidmet war. Vor dem Häuschen befindet sich das von der Parkanlage Vrchlického Sady verlegte Dobrovský-Denkmal. Es wurde nach dem Entwurf des Prof. Tomáš Seidan im J. 1902 aus Carraramarmor vom Bildhauer Václav Žďárský geschaffen. Nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik (1918) wohnte hier Akademiker Zdeněk Wirth, nach dem zweiten Weltkrieg Schauspieler Jan Werich (beide haben je eine Büste am Haus) und Dichter Vladimír Holan. Der Gründer des Kaisersteingartens – Franz Helfried von Kaiserstein – hatte hier berühmte Nelkenbeete, die er mit Springbrunnen verschönerte. Hinter dem Haus gibt es den ehemaligen Nostitzgarten, vom Franz Antonius Graf von Nostitz im Jahre 1765 beim Palais Nostitz angelegt.

Der heutige Park (Oberfläche von 2,65 Hektar) entstand durch Vereinigung dieser Gärten. In den 50. Jahren wurden Mauern und Zaune der einzigen Gärten beseitigt und die Fläche geebnet. Aus den ursprünglichen vernachlässigten Gewachsen blieben nur einige markante Bäume stehen. Der Park wurde in die heutige Gestalt in den Jahren 1947-1948 im freien englischen Landschaftsstil eingerichtet.

Aus dem Čertovka-Brückchen ist das regelmäßig unterhaltene große Mühlenrad der ehemaligen Großpriormühle zum Sehen, die hier schon im J. 1400 gestanden ist. Die Insel war von jeher durch ihre Töpfermärkte bekannt, die hier schon seit dem Umbruch des 16. und 17. Jahrhundert stattfanden.

Neben der Bewohner des Dobrovský-Häuschens wohnten viele weitere Persönlichkeiten des böhmischen Kulturlebens auf der Kampa: im Haus Nr. 514 Zur Bild heiliger Mariä wohnte in den Jahren 1903-1934 Maler Adolf Kašpar, im Nr. 493 wohnte Anton Renner, Sammler der Kuriositäten und technischen Erfindungen, weitere Anrainer waren Alois Mrštík, Karel Matěj Čapek-Chod, Eduard Kohout, Jiří Trnka und Jiří Voskovec. Am Rand der Kampa befindet sich auf dem Großpriorplatz (Velkopřevorské náměstí) die bemalte sogenannte Lennonsmauer, wohin kommen jedes Jahr am 8. Dezember junge Leute, um am Erinnerungstag dessen tragischen Todes Kerze anzuzünden.

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