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Slawische Insel (Slovanský ostrov)

Auf der einzigen Insel in der Moldau mit ihrer bedeutenden Parkgestaltung dominiert der pompöse Neo-Renaissance-Palast Žofín – ein traditioneller Ort für Bälle und Konzerte, wo bereits Ferenc Liszt und Hector Berlioz Konzerte gegeben haben und im Jahre 1863 Richard Wagner sein eigenes Konzert dirigiert hat. Es gibt hier einige Bootsverleihe, einen kleinen Zug für Kinder, der eine Replik eines historischen Dampfzuges darstellt, und einen beliebten Kinderspielplatz.

Slawische Insel (Slovanský ostrov), Slovanský ostrov, Praha 1 - Nové Město, 110 00
Web: http://www.praha1.cz

Öffnungszeiten

Januar – Dezember

ganze Woche
06.00 – 23.00

Objekt geschichte

Die einzige Insel an der Moldau mit einer bedeutenderen Parkgestaltung nimmt eine Fläche von 2,2 ha ein. Sie ist dreihundertfünfzig Meter lang und die Breite beträgt 95 m dort, wo sie am breitesten ist. Die Insel entstand durch allmähliche Bodenablagerungen hinter den Šítka-Mühlen, die an der Stelle des heutigen Mánes am Neustädter Wasserturm lagen. Die Insel war einst viel kleiner. Die heutigen Dimensionen erreichte die Insel erst im Jahre 1784 bei einem großen Hochwasser, nach dessen Abklingen Schutzmauer ausgebaut wurden. Seit 1817 war ihr Eigentümer der Lederfärber Josef Ignaz Saenger. Damals entstand hier eine Färberansiedlung und die Insel hieß Färberinsel, manchmal wurde sie nach den nahe liegenden Šítka-Mühlen auch Šítka-Insel genannt. Nach 1801 taucht auch der Name Engel-Insel auf, wobei es sich um keine Geistwesen, sondern um einen Namen handelt. Im Jahre 1830 kaufte die Insel der Müller Václav Antonín Novotný. In den Jahren 1836 - 37 baute er nach den Plänen des Architekten Carlo Pollak eine alte Kneipe zu einem Restaurant mit einem reichlich geschmückten Tanz- und Konzertsaal um, in seinem Nähe ließ er einen Baumgarten gestalten und statt der Fähre eine kleine Holzbrücke bauen, um die Insel für die Öffentlichkeit gemütlich zugänglich zu machen. Das neue Gebäude wurde im Mai 1837 mit einem großen Ball feierlich eröffnet. Als dann die Insel der Erzherzog Franz Karl (der Vater von Franz Joseph I.) besuchte, ersuchte ihn der Müller Novotný, ob die Insel den Namen seiner Frau Sofia tragen darf. Im Jahre 1841 gab der Erzherzog dem Antrag statt und der Name Žofín lebte sich bei den Pragern neben dem offiziellen Namen (Slawische Insel) bis heute ganz gut ein. Žofie ist die tschechische Version des Namens Sofia. In demselben Jahr wurde auf der Insel die Fahrt der ersten in Böhmen hergestellten Dampflokomotive präsentiert. Am Vorabend der Pfingststürme im Jahre 1848 fand hier der Slawische Kongress statt und zum Gedenken an dieses Ereignis wurde die Insel in Slawische Insel umbenannt. Die Insel war das Zentrum des patriotischen Gesellschaftslebens, insbesondere ist sie durch ihre nationalen Unterhaltungen berühmt geworden. So wurden Bälle genannt, deren Ertrag tschechische Nationalinstitutionen unterstützte. Im Jahre 1843 nahm an einer der Unterhaltungen auch die Heimatschriftstellerin Božena Němcová teil. Außer den Unterhaltungen und offenen Gesprächen fanden hier auch Allslawische Basare, Ausstellungen, im Jahre 1899 z.B. die Konferenz gegen Vernichtung Prager Denkmäler bei der Sanierung Prags statt, die Vilém Mrštík organisierte. Bekannt waren vor allem Konzerte der klassischen Musik: es gaben hier ihre Konzerte Ferenc Liszt, Hector Berlioz und im Jahre 1863 dirigierte hier sein Konzert Richard Wagner. Als überhaupt der erste soll er zu den Zuschauern mit dem Rücken gewandt dirigiert haben. Zum ersten Mal trat hier der Geigenvirtuos Jan Kubelík auf, zum ersten Mal erklang hier Smetanas Mein Vaterland als vollständiges Werk. Der Saal konnte das gewaltige Interesse nicht mehr befriedigen, und so wurde das Originalgebäude im Jahre 1886 erweitert und nach dem Entwurf des Professors der Prager Industrieschule Ing. Jindřich Fialka (Autor der Altstädter Markthalle) im Neurenaissancestil umgebaut. Es wurde ein neuer großer Saal mit einer reichlich verzierten Kassettenstuckdecke und Gemälden von František Ludvík Duchoslav und Václav Oliva aufgebaut. Im Jahre 1899 wurden Bäder umgebaut, die hier bereits seit 18. Jahrhundert waren, und am Moldau-Ufer wurde das Freibad Slovanka (Slawin) errichtet. Die Prager Gemeinde, die seit 1884 der Eigentümer der Insel war, ließ die Parkflächen nach dem Projekt von František Thomayer neu regeln. Im Jahre 1928 wurden die Bäder abgerissen und anstatt der Šítka-Mühlen wurde das Mánes-Gebäude erbaut. Im Jahre 1948 wurde die Insel mit dem Kai durch eine neue Stahlbetonbrücke verbunden.

Auf der Rasenfläche vor dem Haupteingang ins Gebäude liegt das Denkmal von Božena Němcová aus dem Jahr 1955, dessen Autor der Bildhauer Karel Pokorný ist und der Architekt Jaroslav Fragner heißt. An der Ostfront des Restaurants sind Gedenktafeln angebracht, die an Auftritte bedeutender Persönlichkeiten erinnern (Ludovít Štúr im Jahre 1836 und der ukrainische Politiker und Schriftsteller Ivan Franko im Jahre 1891). Weitere Gedenktafeln am Gebäude haben Zdeněk Fibich und Julius und Eduard Grégr. Vor der Ostfront wurde im Jahre 1946 die Statue „Böhmisches Lied“ von Ladislav Šaloun installiert. In der ersten Hälfte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude nach dem Architekten Tomáš Šantavý rekonstruiert und der Park wurde neu regeneriert und repariert. Im Norden ist der Park mit einer Terrasse abgeschlossen, die über eine zum Fluss führende zweiarmige Treppenanlage verfügt. Im Süden ist dann am Ende der Stauwerkstützwand eine runde Terrasse.

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