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Kaufhaus Bílá labuť

Eines der ersten Einkaufshäuser in der Tschechischen Republik. Es wurde im funktionalistischen Stil in den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaut. Die Hauptfassade mit ihrer Höhe von fünf Stockwerken ist eigentlich ein einziges, riesiges Fenster. Es handelt sich um das erste Objekt in Prag, in dem es ein bewegliches Stiegenhaus gab. Der „Weiße Schwan“ dient bis zum heutigen Tage seiner ursprünglichen Bestimmung.

Kaufhaus Bílá labuť, Na Poříčí 1068/23, Praha 1 - Nové Město, 111 29
Web: http://www.bilalabut.cz/, e-mail: info@transakta.cz
tel.: +420222320227

Objekt geschichte

An der Stelle des bekannten Kaufhauses lag früher ein eingeschossiges Haus mit einer Touristengaststätte und einer Brauerei. Früher nannte man diesen Ort U Podušků, auf Deutsch „Zum Poduschka“, wie der Name der Gastwirtfamilie hieß. Im Laufe der Zeit wurde das Haus mit dem Zeichen eines weißen Schwans verziert, und so begann man den Ort Zum weißen Schwan zu nennen. Der Gaststätte ging es sehr gut, weil sie an einem alten frequentierten Handelsweg gut gelegen war, wo viele Kaufleute unterwegs waren. Hinter dem Haus war ein großer Garten, in dem später ein hölzerner Musikpavillon erbaut wurde. Im Hof waren Schuppen und Ställe für Fuhrmannpferde. Das Haus war auch durch sein Kabarett und seinen Tingeltangel bekannt, nach der Vorstellung wurde gespielt und getanzt. Hier traten zum Beispiel die Kabarettgesellschaft Volf und Škoda oder Sodomas und Šmíds "Volkssänger" auf. Šmíd war der Gründer des „Schwantingeltangels“, der in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in die Ostrovní-Straße umgezogen ist, das kleine Kabaretttheater Schwan war hier allerdings bis zu den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts tätig. Im Jahre 1910 wurde hier im Hoftrakt das Invalidenkino errichtet.
Als es mit der einstigen Prosperität dieses Unterhaltungskomplexes bergab ging, kaufte ihn der bekannte Prager Unternehmer Jaroslav Brouk, um an seiner Stelle ein modernes Kaufhaus aufzubauen. Die neu gegründete Aktiengesellschaft schrieb einen architektonischen Wettbewerb aus, aus dem die Ingenieure Architekten Josef Kittrich und Josef Hrubý als Sieger hervorgegangen sind. Das alte eingeschossige Haus wurde im Sommer 1937 abgerissen und innerhalb von 25 Monaten schoss ein neuer Glaspalast mit einem Stahlbetonskelett im funktionalistischen Stil aus dem Boden. 70 000 m3 Fläche wurden verbaut, die Palasttiefe war 70 Meter, die größte Breite betrug 44 m. Die Hauptfassade bis zu einer Höhe von fünf Etagen war eigentlich ein einziges Riesenfenster mit einer Fläche von 30 x 18 m, wofür 180 Tafeln schall- und wärmedämmendes mattes silbergraues Glas eingesetzt wurden. Zu damaligen Zeiten war es die größte verglaste Fläche Mitteleuropas. Über dem sechsten Verwaltungsstock war noch ein dreigeschossiger Turmanbau mit einer Terrasse, damals für die Öffentlichkeit zugänglich, und auf der Terrasse wurde ein acht Meter großer drehender Neonschwan nach dem Entwurf von Božidar Leiser installiert. Drei Stockwerke niedriger war eine kleinere Terrasse für Angestellte, damit sie dort während der Sommersaison die Mittagspause auf den Liegen unter Sonnenschirmen verweilen können. Insgesamt hatte das Objekt 11 Etagen, zwei Geschosse waren unterirdisch. Bewundernswert war die Schaufenstereingangshalle, die Schaufenster betrugen eine Fläche von 600 m2. Der gesamte Geschäftspalast wurde durch ein modernes in der Decke geführtes Heizsystem der Firma Crittall beheizt, es wurden moderne Entlüftungsmethoden, Beleuchtungsarten sowie eine Abfallrutschbahn angewandt. Die Innenraumeinrichtung wurde vom Architekten Jan Gillar entworfen. Drinnen wurden 5 große Personenaufzüge mit einem Fassungsvermögen von 10 Personen, ein Lastenaufzug und vom Erdgeschoss in die erste Etage eine Rolltreppe, die erste in Prag innerhalb eines Innenraums, installiert. Natürlich fehlten auch zwei feste Stockwerke nicht. Das Ambiente war sehr kundenfreundlich. Zum ersten Mal in Europa installierte hier eine Prager Firma eine Rohrleitungsluftkasse, die alle Verkaufsabteilungen mit der Zentralkasse verband. In jeder Etage gab es genügend bequeme Rastplätze, Erzieherinnen in der Kinderecke mit dem Spielzeugparadies hüteten kleine Kinder, als die Eltern am Shoppen waren. Zur Verfügung stand eine Gepäck- und Kinderwagenaufbewahrung, usw. Das Objekt wurde „Wunder auf Poříčí“ genannt, so heißt nämlich die Straße, in der Weißer Schwan liegt. Das Kaufhaus Weißer Schwan wurde bei der tragischen Atmosphäre der aufbrechenden Besatzung der Republik am 19. März 1939 eröffnet.
Ing. Arch. Josef Hrubý projektierte noch Ende der 60er Jahre in der Biskupská-Straße ein Hilfsgebäude mit jeglicher Sozialeinrichtung für Angestellte des Weißen Schwans und entwarf auch manche notwendige Regelungen im Kaufhaus, das durch den starken Betrieb erheblich überlastet und verschlissen wurde. Bis 1975, als Kotva (Anker) und dann Máj (Mai) eröffnet wurden, blieb Weißer Schwan das einzige Vollsortimentkaufhaus in Prag. In den 90er Jahren wurde das Hilfsgebäude umgebaut und es wurde hier ein modernes Hotel Namens Bílá labuť, also Weißer Schwan, errichtet.

 

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