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Kunstgewerbemuseum (Uměleckoprůmyslové museum)

Das Museum ist seit 12. 1. 2015 aufgrund von Rekonstruktionsarbeiten am Gebäude geschlossen. Die neuen Ausstellungsräumlichkeiten werden im Laufe der Jahre 2016-17 wiedereröffnet.

Kunstgewerbemuseum (Uměleckoprůmyslové museum), 17. listopadu 2, Praha 1 - Staré Město, 11000
Web: http://www.upm.cz, e-mail: info@upm.cz
tel.: +420778543902

Objekt geschichte

Kunstgewerbemuseum
Um die Errichtung des Museums machte sich die Handels- und Gewerbekammer verdient, die schon im Jahr 1875 zwar eine kleine, aber ständige Ausstellung handgefertigter Gegenstände im heutigen Platýz in der Straße Národní eröffnete, im damaligen Palais Porges von Portheim (palác Porgesů z Portrheimu). Genauso wie in der Welt auch hier hangen die Bemühungen um Bewahrung künstlerischer und handgefertigter Erzeugnisse mit der beginnenden Ära der Massenproduktion zusammen. Aus demselben Grund eröffnete die Kammer z. B. im Jahr 1873 eine Fachschule für Goldschmiedekunst und verwandte Handwerke. Als Česká spořitelna (Tschechische Sparkasse) der Handels- und Gewerbekammer Ausstellungsräume im neu geöffneten Rudolfinum anbot, konnte das Museum faktisch gegründet werden. Es geschah im Jahr 1885, als die Museumstätigkeit mit der ersten regulären Ausstellung in Rudolfinum aufgenommen wurde. Im Jahr 1886 wurde die erste ständige Exposition eröffnet und ein Jahr später wurde auch die Bibliothek mit Lesesaal zugänglich gemacht. In den Jahren 1897 – 98 wurde ein neues eigenes Museumsgebäude nach dem Projekt von Josef Schulz im Stil der französischen Neorenaissance gebaut. Das Grundstück befand sich in der Nähe von Rudolfinum an der Stelle zwei älterer Häuser und einem Teil des jüdischen Friedhofes. Den Bau führte die Firma Schlaffer und Hübschmann durch.

Im Laufe des Jahres 1900 zog das Museum zusammen mit der Bibliothek ins neue Gebäude um. Großzügigkeit der Mäzene und Anhänger des Museums ermöglichte auch eine großzügige Ausschmückung des Gebäudes und der Interieure. Die Fensterbögen in der Hauptfront sind mit Reliefs von Handwerkzeichen von Antonín Popp und Bohuslav Schnirch geziert. Im ersten Stock sind Korbflechterei, Goldschmiedekunst, Schlosserei, Spitzenweberei, Weberei, Zinngießerei, Plattnerei und Glockengießerei abgebildet, im zweiten Stock sind Kartuschen mit Wappen der Städte, die durch einzelne Kunsthandwerke berühmt wurden.

Zu den bekanntesten Mäzenen des Museums gehörte der Präsident der Handels- und Gewerbekammer Bohumil Bondy, der ehemalige Vorsitzende des Museumskuratoriums Václav Němec, der kaiserliche Rat Josef Wohanka u. a. Und überhaupt der freigebigste Gönner, erfolgreicher Sammler und ausgezeichneter Kenner Ritter Vojtěch Lanna schenkte dem Museum neben anderem die Hälfte seiner eigenen wertvollen Glassammlung, welche bis heute ermöglicht, die umfangreichste Entwicklungsreihe der Glasdenkmäler von der Antike bis in die Gegenwart vorzustellen. Diese Glassammlung gehört zu den größten in der Welt. Der erste Museumsdirektor war der Kunsthistoriker dr. Karel Chytil, in den Jahren 1918 – 1945 waren Direktoren F. X. Jiřík und Karel Herain, nach 1948 dr. Emanuel Poche.

In der Zeit der Okkupation, als das Gebäude das deutsche Flugzeugwerk Junkers beschlagnahmt, waren die Sammlungen an verschiedenen Orten auf dem Lande, im Nationalmuseum und anderswo.

Im Jahr 1949 wurde das Museum verstaatlicht, in den Jahren 1959 – 69 wurde es mit der Nationalgalerie verbunden, seit 1970 ist es wieder eine eigenständige Institution, die das Kulturministerium verwaltet. In den Jahren 1970 – 85 wurde das Gebäude rekonstruiert, die Sammlungen waren geschlossen. 1985 wurde eine neue Exposition des Kunsthandwerks von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert eröffnet. 2000 – 2001 entstand eine neue ständige Exposition Geschichten der Materialien.

Das Museum beherbergt folgende Sammlungen: Glas, Porzellan und Keramik, angewandte Grafik und Fotografie, Textil, Mode und Design, Möbel, Uhren, Edelmetale und Metalle, wertvolle Materialien, Juwelen, Spielsachen und Mengen von schriftlicher Dokumentation und Bilddokumentation.

Zurzeit hat das Museum vier Zweigstellen: das Textilmuseum in Böhmisch Skalitz (Česká Skalice), das Schloss in Kamnitz an der Linde (Kamenice nad Lipou) mit Möbeldepositorium für Studienzwecke, die Porzellanexposition in Klösterle an der Eger (Klášterec nad Ohří) und die Josef-Sudek-Galerie in Prag.

Im Jahr 1995 bekam das Museum den s. g. Schatz von Karlštejn – eine Sammlung von 387 wertvollen Gegenständen aus der Zeit Karl IV., die in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts während einer Rekonstruktion gefunden wurden. Die Finder – zwei Maurer – unterschlugen ihre Entdeckung und verkauften den Schatz Hehlern und so gelangte ein Teil des Schatzes nach Berlin, wo ihn um 1911 der damalige Direktor des Kunstgewerbemuseums Borovský in einer Auktion kaufte. Von ihm kaufte den Schatz der Fabrikant Waldes für sein Kleiderspangenmuseum in Vršovice. Im Jahr 1939 wurde Jindřich Waldes vom Gestapo verhaftet, weitere Familienmitglieder verließen die Republik und das einzige, was sie vom Schatz mitnahmen, war eine goldene Spange mit Perlen, die Karl IV. gehören konnte. Der Rest wurde konfisziert. Nach dem Krieg wurde Waldes Museum aufgelöst und den Schatz bekam das Kunstgewerbemuseum. Im Jahr 1995 bekamen die Sammlung Waldes Nachkommen zurück, die es dem Museum auch mit der goldenen Spange schenkten. Zu weiteren Exponaten des Schatzes von Karlštejn zählen z. B. zwei silberne geschlagene Becher, eine vergoldete Schüssel mit einem Portraitmedaillon, Kleiderschmuck, Spangen und Knöpfe, eine Brosche mit Perlen, Smaragden und Saphire, vergoldete Riemenzungen für Gürtel, Parfümetui u. a. Im Museumsgarten befindet sich eine Kopie eines keramischen Brunnens von Petr Lada.

 

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