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Theater in den Weinbergen (Divadlo na Vinohradech)

Die prestigeträchtige Schauspielbühne mit einer über hundert Jahre alten Tradition bildet eines der Grundelemente des Prager Theaterlebens. Die Hauptbühne ist der Ort, der den bei den Zuschauern beliebten Komödien, Musicals und ausdrucksstarken Dramen zugedacht ist; der Raum unterm Dachgeschoss, die sogenannte „Zkušebna“ (dt.: Proberaum), ist für Kammer-Inzenierungen gedacht.

Theater in den Weinbergen (Divadlo na Vinohradech), náměstí Míru 7, Praha 2 - Vinohrady, 120 00
Web: http://www.divadlonavinohradech.com, e-mail: pokladna@divadlonavinohradech.com
tel.: +420224257601, +420296550229

Objekt geschichte

Das dritte Wahrzeichen von Vinohrady nach der St. Ludmila Kirche und dem Nationalhaus ist das Vinohrady Theater. Die Entwicklung von Königlichem Vinohrady, wo viele Theatergesellschaften in verschiedenen Holzarenen tätig waren, brachte die Idee, ein eigenes „steinernes“ Vinohrady Theater zu bauen (so wird es bis heute genannt). Es sollte nach dem Nationaltheater das zweite Theater sein, wo man auf Tschechisch spielen würde. Die Vinohrady Darlehenskasse kaufte damals den in der Nähe eines Kuhstahl liegenden Eichmann-Garten (Eichmanka), auch Lindengarten oder Hechtgarten genannt, und widmete ihn der Stadt für den Theateraufbau. Das Bauprogramm wurde vom Stadtarchitekten Antonín Turek ausgearbeitet und im Jahre 1902 wurde der architektonische Wettbewerb ausgeschrieben. Den ersten Preis von den 12 eingegangenen Projekten erhielt der Architekt Alois Čenský. Aus seinem ersten Entwurf ist der Neurenaissancestil ersichtlich, schließlich schuf er aber ein Sezessionstheater. In den Jahren 1905 - 07 bauten es Baumeister aus Vinohrady Jan Majer und Josef Veselý. Einige Wettbewerbe wurden für die Innen- sowie Außenausschmückung des Gebäudes ausgeschrieben. Den Bildhauerwettbewerb gewann Milan Havlíček, der monumentale Allegorien „der Tapferkeit mit einem aufgerichteten Schwert in der rechten Hand“ und „der Wahrheit mit einem Spiegel in der linken Hand“ schuf. Diese wurden auf Pylone über der Vorderfront gesetzt. Es waren wahrscheinlich republikweit die größten auf einem Gebäude befestigten Plastiken, sie waren 7 m hoch und zusammen wiegten sie 36 Tonnen. Im Jahre 1994 wurde festgestellt, dass sie im Unfallzustand sind, und so wurden sie heruntergeholt und das von Karel Vurbs angeführte Autorenteam schuf in restauratorischen Ateliers ihre Kopien, mit denen das Theatergebäude im Jahre 1996 bestückt wurde. Nach einigen Zeitungsartikeln bekommt man jedoch den Eindruck, dass es Kopien der Kopien waren, denn Havlíčeks Statuen waren bereits 1938 so angeschlagen, dass sie schon damals gegen Kopien aus Kunststein vom Restaurator Rudolf Vlach getauscht wurden. Die bildhauerische Ausschmückung auf der Terrasse der zweiten Etage schuf Bohumil Kafka: es sind vier Allegorien - Tragödie, Ballett, Oper und Komödie. Unter dem Dach ist das Wappen der Königlichen Weinbergen (Královské Vinohrady) platziert. Die Karyatiden (die die gestalten unterstützen) im Innenraum am Foyer schuf der Bildhauer Antonín Popp, auf den Logen und im Proszenium gibt es Statuen von Antonín Mára. Im Wettbewerb für die malerische Verzierung war František Urban erfolgreich, der auf der Decke sein Thema „Huldigung den Heimatkünsten“ realisierte. Den Vorhang malte Vladimír Županský. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde er heruntergeholt und im Depositar des Stadtmuseums hinterlegt. Im Jahre 1907 wurde das Stadttheater auf den Königlichem Weinbergen feierlich eröffnet: die Rede hielt der Direktor František Šubert, prof. Otakar Hostinský und das Theaterorchester trug Smetanas Moldau vor. Es wurden Szenen von Viktor Dyk und Lothar Suchý gespielt, abends wurde die Legende Godiva von Jaroslav Vrchlický gespielt. Das Theater betrieb die Vereinigte Genossenschaft des Nationaltheaters. Nach der Eröffnung verfügte es über das Schauspiel- sowie das Opernensemble. Zum ersten Direktor wurde František Adolf Šubert. In den Jahren 1914 - 20 trug dem Ruhm des Theaters insbesondere Karel Hugo Hilar bei, damals standen ausschließlich Schauspiele auf dem Programm. In den Jahren 1921 - 28 hieß der Direktor Jaroslav Kvapil. Im Jahre 1922 wurde das Theater modernisiert und zwei Jahre später bekam die Bühne ihr kreisförmiges Horizont, eine neue Beleuchtungsanlage und ein bewegliches Portal. Im Jahre 1927 wurden die Bühne, der Orchesterraum und die Eisenbühne renoviert. Damals gab es im Theater 1060 Sitzplätze, 12 Viersitzlogen und 180 Stehplätze. Das Engagement im Theater fanden große Persönlichkeiten des tschechischen Theaterwesens, von der älteren Generation sind z.B. Anna Sedláčková, Jaroslav Vojta, Zdeněk Štěpánek, František Smolík, František Kovářík und weitere zu nennen. In der Großhalle im ersten Stock sind Büsten einiger Künstler, die mit der Geschichte dieser Szene eng verbunden sind. Es ist hier vor allem die Büste von Karel Čapek, der dem Theater sehr nahe stand. Ihr Autor ist der Bildhauer Karel Dvořák, dem Theater widmete sie Čapeks Ehefrau Olga Scheinpflugová. Die Büsten von František Langer und Jiří Frejka schuf Jan Kodet. Hier ist auch die Büste der Schauspielerin Anna Letenská, die während der Heydrich-Repressionen im Mauthausen dafür hingerichtet wurde, dass sie mit ihrem Mann Zuflucht dem Arzt bot, der die heldenhaften Fallschirmspringer behandelte. In der Besatzungszeit in den Jahren 1941 - 42 wurde das Theater geschlossen. Am 14. Februar 1945 wurde beim Luftangriff der Alliierten auch das Theatergebäude getroffen und beschädigt.

Das Theater wechselte oft seinen Namen: in den Jahren 1929 - 44 gehörte es zu den Prager Stadttheatern, 1944 - 45 hieß es J.K. Tyl Theater, 1945 - 50 Vinohrady Stadttheater, 1950 - 66 Theater der tschechoslowakischen Armee, von 1966 bis heute Vinohrady Theater.

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