Breadcrump- bzw. Brotkrümel-Navigation

Nationalmuseum – Lapidárium (Národní muzeum – Lapidárium)

Das Gebäude wurde am Ausstellungsgelände im Stadtteil Holešovice für die Jubiläumsausstellung im Jahre 1891 erbaut. Heute ist hier die Ausstellung „Denkmäler der Steinskulpturen in Böhmen vom 11. bis zum 19. Jahrhundert“ zu sehen, ebenso wie Denkmäler aus den zerstörten Häuser aus der Säuberungszeit, gotische Statuen aus der Werkstätte Parlers und die Mariensäule vom Altstädter Ring in Prag, sieben Original-Figurengruppen von der Karlsbrücke, u. a. von Matthias Bernhard Braun: Die Visionsdarstellung der Hl. Luitgard.

Nationalmuseum – Lapidárium (Národní muzeum – Lapidárium), Výstaviště 422, Praha 7 - Holešovice, 170 00
Web: http://www.nm.cz, e-mail: lapidarium@nm.cz
tel.: +420702013372, +420724412257

Öffnungszeiten

Mai – November

Mittwoch
10.00 – 16.00
Donnerstag
12.00 – 18.00
Freitag
12.00 – 18.00
Samstag
12.00 – 18.00
Sonntag
12.00 – 18.00

Eintrittspreise

Grundpreis

50 Kč

ermäßigter Eintrittspreis

30 Kč

Eintrittspreis für Familien

80 Kč

Programme

Objekt geschichte

Lapidarium des Nationalmuseums
Das Lapidarium ist das Gebäude mit dem größten spezialisierten Komplex der böhmischen überwiegend Steinplastik vom frühen Mittelalter im 11. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert. Der Name Lapidarium ist vom lateinischen Lapis - Stein - abgeleitet. Diese Benennung lebte sich als Bezeichnung einer Sammlung von Steinstatuen und architektonischen Elementen aus dem Mittelalter sowie aus der Neuzeit ein. Es handelt sich um Gebrauchtwerke, die von ihrem Originalplatz aus unterschiedlichsten Gründen hier untergebracht werden mussten, oder um insofern beschädigte Werke, die durch eine Kopie ersetzt wurden und das Original aufbewahrt werden musste. Lapidarien gibt es auch in anderen Städten, z.B. in Regensburg, Wien, im französischen Kloster Cluny, usw.

Die Entstehungsidee des Lapidariums beim Nationalmuseum stammt aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Bereits einer der Museumsstifter Graf Kolowrat Liebsteinsky beantragte, die Sammlung der Zeichnungen von Stadtbaudenkmälern, Statuengruppen, Plastiken, Grabsteinen usw. zu errichten. František Palacký wollte dann 1841 große und schwere Denkmäler mit historischer Thematik versammeln.

Den als Lapidarium genannten Pavillon im Prager Messegelände erbaute als Saisonprovisorium der Prager Architekt Antonín Wiehl für die Landesjubiläumsausstellung im Jahre 1891. Der Bauherr des Renaissancegebäudes war Quido Bělský. Von den damaligen Exponaten blieben hier nur die ältesten - lehmige Pflasterplatten von Wyschehrad. Die Basis des heutigen Lapidariums wurde im Jahre 1898 bei der bedeutenden „Architektur- und Engineeringsausstellung“ aufgesammelt. Für diese Ausstellung wurde der Pavillon vom Architekten Antonín Hrubý im barockisierenden Sezessionsstil nach- und umgebaut. Zu den Exponaten dieser Ausstellung kamen weitere hinzu, insbesondere von den während der Altprag-Sanierung an der Jahrhundertwende niedergerissenen Häusern. So wurde 1905 für die Öffentlichkeit die Dauerexposition des Lapidariums eröffnet. Darum machten sich vor allem Jan Koula und Václav Fabián verdient. Der Bestandteil der Exposition war damals auch das Prager Modell von Langweil, das vom Nationalmuseum später der Stadt gewidmet wurde.

Nach dem ersten Weltkrieg, im Laufe dessen das Lapidarium zu war, drohte, dass das Nationalmuseum das Lapidariumsgebäude räumen muss. Schließlich wurden allerdings Lapidariumssammlungen und Räume repariert und uminstalliert und die Lapidariumsräume konnten im Jahre 1932 der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Sammlungen durch Luftangriffe auf Prag gefährdet, und so wurden sie in sicherere Ortschaften ausgefahren. Objekte von den größten Dimensionen wurden mit Sand verschüttet. Nach der anstrengenden Wiederherstellung der Installation wurde das Lapidarium für die Öffentlichkeit bereits zum dritten Mal im Jahre 1954 feierlich eröffnet. Im Jahre 1967 wurde das Gebäude wegen seines Unfallzustands, vor allem wegen Wassereindringung, erneut geschlossen und die Räumung der gesamten Sammlung drohte erneut. Schließlich wurde das Objekt in den Jahren 1987 - 93 umgebaut, die Sammlung erneut uminstalliert und 1993 zum vierten Mal für die Öffentlichkeit feierlich eröffnet. Am meisten machten sich darum Dr. Lubomír Sršeň und Jiří Fajt verdient. Auf einer Fläche von 1300 m2 in acht Sälen mit historisch gemalten Decken, die aus bereits nicht mehr bestehenden Bauten stammen, sind hier über 400 beste Exponate aus der zweitausend Stück betragenden Sammlung ausgestellt. Es ist eine Unikumkollektion der böhmischen Steinbildhauerei von acht Jahrhunderten. Aus den Werkstoffen sind vor allem Pläner, Sandstein und Marmor vertreten, hier sind auch Werke aus gebranntem Ton, Stuck, Gips und Bronze. Hier sind kleine Säulen, Fenster, Portale, Schlusssteine, Speier, Konsolen, Baldachine, Grabsteine, Brunnen, Fontänen, Vasen und vor allem Statuen, Statuengruppen und Mahnmale. Im ersten Saal, der der romanischen und gotischen Epoche gewidmet ist, sind z.B. ein Fragment des ältesten böhmischen Monumentalreliefs aus Tympanon von Oldříš, der Kindergrabstein der zehnten Tochter von Wenzel II. Gutta II. (Judith) vom Kloster der Hl. Anastasia, Säulen aus der Verzierung der Krypta der ehemaligen St.-Veit Basilika auf der Prager Burg sowie Böhmens älteste erhaltene Raumskulptur - ein Zweier liegender Löwen auf dem Sockel vom Hradisch in Gurim, auf Tschechisch Kouřim, (Hradisch ist die Übersetzung von Hradisko, es ist ein tschechischer Begriff für einen geschlossenen Klosterbau mit einem quadratischen Innenhof) aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts oder der Komplex gravierter gotischer Grabsteine der Äbte aus dem Kloster Insula bei Dawle (Ostrov u Davle). Im zweiten Saal sind Skulpturen, die in Prag an ihren Originalstellen durch Kopien ersetzt wurden, vor allem Figuren Karls IV., seines Sohnes Wenzel IV. und Statuen der böhmischen und heute gesamttschechischen Schirmherren, der heiligen Veit, Adalbert und Sigismund vom Altstädter Brückenturm. Der dritte Saal ist der böhmischen Renaissance gewidmet und man findet hier z.B. ein Teil des Krocin-Brunnens vom Altstädter Ring einschließlich dessen Modells. Im weiteren Saal sind Barockdenkmäler: zu den größten gehört das Slawata-Portal, durch das in den berühmten barocken Slawata-Garten hinter der heutigen Jirásek-Brücke eingetreten wurde. Das Portal hieß Bärentor nach den zwei auf dem Gipfel stehenden Bären. Das Sandsteintor ist über 9 m hoch und knapp 5 m breit. Es gibt hier auch Statuengruppen von der Karlsbrücke, z.B. der Heilige Wenzel unter Engeln, der Heilige Ignaz von Loyola und der Heilige Franziskus Xaverius, alle vom Hochwasser mitgerissen, während Taufe Christi bei einer Schießerei im Jahre 1848 beschädigt wurde. Weitere Skulpturen von der Karlsbrücke stammen von führenden Bildhauern der Gipfelbarockzeit - Ferdinand Maximilian Brokoff und Matthias Bernhard Braun, wie z.B. Die Erscheinung der Hl. Luitgard. Im fünften Saal gibt es vor allem Torsos, wie z.B. ein Teil von der Mariensäule vom Altstädter Ring, einem der besten Werke von Johann Georg Bendl, der auch der Autor der ursprünglich in der Mitte des Wenzelsplatzes platzierten St.-Wenzel-Reiterstatue ist, deren Kopie heute auf Wyschehrad untergebracht ist. Auf dem Beispiel der Statue des mit einem Löwen kämpfenden Herkules von einem Haus in der Neustadt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts kann man die damalige Buntheit der polychromierten Plastiken sehen. Bewundernswert ist auch das Original des Wimmer-Brunnens aus dem Jahr 1797 von Franz Xaver Lederer, deren Kopie heute auf dem Kohlenmarkt (Uhelný trh) liegt. Im letzten Saal gibt es zwei von den Prager Plätzen im Jahre 1918 beseitigte und durch nichts ersetzte Mahnmale: ein Teil des Denkmals von Feldmarschall Radecký von Radec und seiner Soldaten vom Kleinseitner Platz von Josef und Emmanuel Max und die Reiterstatue des Kaisers Franz I. von Josef Max, die einmal im neugotischen Mahnmal mit dem Brunnen „Huldigung der böhmischen Stände“ im Kleinpark am heutigen Smetana-Ufer (Smetanovo nábřeží) stand. In der letzten Zeit wurden vier Sandsteinstatuen der Heiligen von der Front der Kirche des Hl. Salvator beim Klementinum (die Hl. Augustinus, Matthäus, Lukas und Johannes) hierher gebracht.

Im Jahre 1995 wurde das Lapidarium in einem internationalen Wettbewerb unter den zehn schönsten Museumsexpositionen Europas eingestuft.

 

Geschichte des Objekts zeigen

zusammenhängende Objekte