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Galerie der Hauptstadt Prag - Haus zur steinernen Glocke (Galerie hlavního města Prahy – Dům U Kamenného zvonu)

Das Haus am Altstädter Ring ist eine der wertvollsten Prager gotischen Sehenswürdigkeiten. Eine Reihe von Jahren war dieses Unikat unter der Barockfassade des Hauses versteckt, die dann entfernt wurde, um das Gebäude in seine ursprüngliche gotische Gestalt zurück zu verwandeln. Seit dem Jahre 1988 dient das Haus als Ausstellungsraum für die Galerie der Hauptstadt Prag (tsch.: Galerie hlavního města Prahy). Im Objekt wurde ein Buchladen eröffnet, der auch Kataloge verkauft, und im hinteren Objektteil befindet sich ein Kaffeehaus.

Galerie der Hauptstadt Prag - Haus zur steinernen Glocke (Galerie hlavního města Prahy – Dům U Kamenného zvonu), Staroměstské náměstí 13, Praha 1 - Staré Město, 110 00
Web: http://www.ghmp.cz, e-mail: info@ghmp.cz
tel.: +420224828245

Öffnungszeiten

Januar – Dezember

Dienstag
10.00 – 20.00
Mittwoch
10.00 – 20.00
Donnerstag
10.00 – 20.00
Freitag
10.00 – 20.00
Samstag
10.00 – 20.00
Sonntag
10.00 – 20.00

Eintrittspreise

Grundpreis

120 Kč

ermäßigter Eintrittspreis

60 Kč

Programme

Objekt geschichte

Haus Zur steinernen Glocke

Eines der ältesten und merkwürdigsten Denkmäler Prags, dieses selten erhaltene Haus ist eine außergewöhnliche gotische Palastarchitektur vom Turmcharakter. Seine Frontseite gehörte zu den schönsten in Europa und belegt die Stattlichkeit der Stadt unter der Regierung Karls IV. Die Enthüllung der gotischen Hausfrontseite war eine überraschende Sensation, denn die Erhaltungsrate und die Kompliziertheit der Komposition übertrafen alle Erwartungen. Die reichhaltige Hausausschmückung stammt noch aus der Epoche vor Parler, sie kam irgendwann gegen das erste Viertel des 14. Jahrhunderts zustande. Der Name „Zur weißen Glocke“ oder „Zur steinernen Glocke“ taucht zum ersten Mal im Jahre 1417 auf, er entstand nach der steinernen Glocke, deren Replik sich an der Hausecke erhielt.

Das Haus entstand in zwei Bauetappen (die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts und die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts). Es wurde offenbar als Palast für die königliche Familie erbaut, vor allem für die Přemyslidin Elisabeth von Böhmen. Aus dieser Zeit gibt es zwar keine Dokumente, aber die bei dem Umbau entdeckten Plastikfragmente deuten darauf hin. Insgesamt wurden dreizehntausend Bruchstücke der Steinmetzenverzierung gefunden. Der Restaurator Jiří Blažej versuchte aus manchen Bruchstücken zumindest größere Statuenteile zusammenzubauen, die offensichtlich auf Konsolen in den Nischen auf der Fassade zwischen den Fenstern jeweils zu viert in jeder Etage standen. Durch die Zusammenstellung der Bruchstücke zeichneten sich vier Statuen deutlicher ab, zwei im Sitzen - Mann und Frau und zwei stehende Figuren, vielleicht Ritter. Es könnte sich um Johann von Luxemburg, die Přemyslidin Elisabeth von Böhmen und ihre zwei Söhne Karl und Johann Heinrich handeln. Zusätzlich wurden noch ein Kopf eines Löwen mit Glasaugen, ein Kopf eines wilden Mannes und weitere Plastikdekorativteile gefunden - alles hochwertige Arbeit, einst reichlich und bunt polychromiert.

Die älteste Nachricht über das Haus ist aus dem Jahr 1363, als das Objekt bereits zum bürgerlichen Vermögen gehörte. Es gehörte dem Goldschmied Petzold von Eger und später dem Altstädter Schöffen Jan Ortlin, der Domšík (Aussprache: Domschik) genannt wurde (unter dem Namen Johann von der Glocke tritt er als Held des Romans von Svatopluk Čecha „Neuer epochaler Ausflug des Herrn Brouček, diesmal in das XV. Jahrhundert“ auf). Alte Prager Sagen von Adolf Wenig erwähnen, hier soll die Hl. Ludmilla, die Großmutter des Hl. Wenzel gewohnt haben, als sie nach Prag von Tetín kam. Ferner wurde erwähnt, im Untergrund soll eine Kapelle gewesen sein, wo der Priester für die Hl. Ludmilla in der Zeit der Christenverfolgung unter der Regierung ihrer Schwiegertochter, der Fürstin Drahomíra, heimlich einen Gottesdienst feierte. Die steinerne Glocke an der Hausecke soll an den Widerstand und die siegreiche Schlacht mit den Heiden erinnern, zu der ihre Stimme aufforderte. Möglicherweise soll die Glocke eher an das historische Ereignis des Jahres 1310 erinnert haben, wo der Kaplan der Přemyslidin Elisabeth von Böhmen Berenger mit der Glocke Johann von Luxemburg ein Zeichen bzw. Signal gab, dass er mit seinem Heer kommen und Elisabeth abholen und die Altstadt ohne Gewalt besetzen soll. Offenbar wohnte hier im Haus seiner Mutter der Königsohn Karl, wie die Königsaal-Chronik (Königsaal ist der deutsche Name des Prager Stadtteils Zbraslav) erwähnt.

Den ursprünglich gotischen Charakter des Hauses änderten weitere Umbauten, insbesondere der im Barockstil aus dem Jahr 1685. Im Jahre 1899 gewann das Haus eine neue Pseudobarockfassade. Nach der Bauuntersuchung im Jahre 1961 wurde beschlossen, dem Haus sein gotisches Originalaussehen zurückzugeben. Die eigentlichen von den Architekten A. Charvátová und V. Pelzbauer projektierten Umbauarbeiten verliefen in den Jahren 1975 - 87. Die Arbeiten waren sehr anspruchsvoll und gingen sehr langsam, man musste aufpassen, dass nichts Wertvolles kaputt geht. Vor dem Haus am Altstädterring entstand eine ausgedehnte Steinmetzenhütte, die mit einer Hütte aus dem 14. Jahrhundert vergleichbar war, ohne zu übertreiben. Die über 6 Jahrhunderte alten Bruchstücke der Steinmetzenverzierung wurden in den Kellerräumen aufbewahrt. Beim Umbau überwog die feinste Steinmetzenarbeit, wo Fragmente der alten Verzierung in die neuen Teile eingegliedert wurden, ohne dass sie irgendwie verletzt werden dürfen. Durch den Umbau wurden drei spätere Stockwerke entfernt und zwei gotische wiederhergestellt, das Barockdach wurde durch das ursprüngliche Meißeldach ersetzt, die vermauerten gotischen Fenster wurden renoviert, viele verwitterte Steine ausgetauscht, Originalgemälde restauriert. In den Saals der beiden Etagen wurden gemalte Holzdecken entdeckt und restauriert, Wandgemäldefragmente erhielten sich in der entdeckten Kapelle in der 1. Etage und in der Kapelle im Erdgeschoss (das Gemälde „Christus der Märtyrer unter dem Baldachin“).

Das am 29. 2. 1988 feierlich eröffnete Haus Zur steinernen Glocke wurde der Galerie der Hauptstadt Prag zur Nutzung überlassen und dient zur Veranstaltung von Ausstellungen und Konzerten. Im Untergeschoss gibt es ein kleines Lapidarium mit erhaltenen architektonischen und bildenden Fragmenten des Originalbaus.

 

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