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Galerie der Hauptstadt Prag – Städtische Bücherei (Městská knihovna)

Das Gebäude der Bücherei am Marienplatz (tsch.: Mariánské náměstí) wurde in den Jahren 1925 – 1928 erbaut. Es war das erste zweckmäßige Büchereigebäude in der damaligen Tschechoslowakei und zugleich eines der modernsten in ganz Europa. Die Ausstellungsräumlichkeiten im zweiten Stock sind Bestandteil der Galerie der Hauptstadt Prag. Die Dramaturgie konzentriert sich vor allem auf die Präsentation von moderner, tschechischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.

Galerie der Hauptstadt Prag – Städtische Bücherei (Městská knihovna), Mariánské náměstí 1, Praha 1 - Staré Město, 110 00
Web: http://www.ghmp.cz, e-mail: info@ghmp.cz
tel.: +420222310489

Öffnungszeiten

Januar – Dezember

Dienstag
10.00 – 18.00
Mittwoch
10.00 – 18.00
Donnerstag
10.00 – 20.00
Freitag
10.00 – 18.00
Samstag
10.00 – 18.00
Sonntag
10.00 – 18.00

Eintrittspreise

Grundpreis

120 Kč

ermäßigter Eintrittspreis

60 Kč

Objekt geschichte

Die älteste öffentliche Bibliothek in Prag schloss an die Tätigkeit der Bundesbibliotheken an, ebenfalls manche Randgemeinden hatten ihre Bibliotheken. Am 1. Juli 1891 nahm die erste öffentliche Bibliothek in Prag ihre Tätigkeit auf, die durch die Verkündung des Stadtrats als Öffentliche Gemeindebibliothek der königlichen Stadt Prag. Ihren Fonds bildeten am Anfang über 3000 Bücher, ihr erster Sitz war im Gebäude der ehemaligen St. Wenzelschen Strafanstalt in der Straße Na Zderaze. Dann zog die Bibliothek mehrere male um, bis sie sich an der Ecke der Leinweber-Straße (Platnéřská) und des Marienplatzes (Mariánské náměstí) niederließ, wo ein Empirebürgerhaus lag. Das Fundament der modernen Bibliothek legte ihr damaliger Direktor, der Dichter Antonín Sova, der auch die ersten sechs Filialen der Bibliothek gründete. Nach dem Anschluss von 37 umliegenden Gemeinden zu Prag im Jahre 1922, wodurch der Großraum Prag entstand, wurden auch Bibliotheken dieser Gemeinden in eine Gesamtheit vereinigt und es wurde die Zentralbibliothek der Hauptstadt Prag mit einem Netz von 40 Filialen geschaffen, die im Laufe der Zeit zunahmen. Der Bibliothekfonds mit ca. 260 tausend Bücherbändern vermehrte sich schnell. Das bisherige Gebäude war für den bestehenden Bücherbestand nicht mehr ausreichend. Dieses Problem löste die Prager Stadtversicherung, die bereits im Jahre 1923 bei der Sitzung ihres Aussichtsrats beschloss, für den Bedarf der Bibliothek ein selbstständiges Gebäude zu bauen und zum 10. Jubiläum der Entstehung der selbstständigen Tschechoslowakei der Stadt Prag zu schenken. Von fünf renommierten Architekten gewann den für das Projekt einer neuen Bibliothek ausgeschriebenen Wettbewerb der bedeutende tschechische Architekt František Roith. Die Arbeiten auf der ausgedehnten Baustelle, die in Richtung Marienplatz über 60 m und senkrecht zum Platz ca. knapp 70 m maß, wurden im Jahre 1925 aufgenommen. Es wurde der erste zweckmäßige Bibliothekbau in der Tschechoslowakei und einer der modernsten in Europa erbaut. Das neue Gebäude nahm der Autor nicht nur als großartige Bibliothek mit allen dementsprechenden Dienstleistungen, sondern auch als Kulturinstitution mit Räumen für Vorträge, Konzerte und Ausstellungen wahr. Die offizielle Bibliothekeröffnung für die Öffentlichkeit fand 28. Oktober 1928 statt.


Das markant traditionell gelöste Gebäude passt zwischen das frühbarocke Clementinum und das Sezessionsgebäude des Neuen Prager Rathauses hinein. Die Objekthauptfront verbindet die moderne Mäßigkeit mit der klassizisierenden Gliederung. Die Eckteile mit einem Laubengang überragen in den Gehsteig, in der Mitte ist ein monumentales Portal mit einer Balkonbalustrade. Darauf sind 6 allegorische Plastiken vom Bildhauer Ladislav Kofránek. Die Hauptfassade sowie der Seitentrakt sind mit slowakischem Traventin verkleidet. Auch der Innenraum ist einfach und streng zweckdienlich, obwohl etwas mehr verziert. Für die monumentale Treppenanlage und den Vorsaal wurden wieder Traventin, Kunststein und Messing verwendet. Ornamentale Gemälde auf der Decke der Zentralhalle sind von František Kysela. Auch die Möbel- und Gesamteinrichtung entsprach der einfachen und zweckdienlichen Architektur des Gebäudes. Heute ist die Originaleinrichtung nur im Informationszentrum und im Theatersektor erhalten.

Seitlich im Kellergeschoss in der Žatecká-Straße wurde ein Raum für das Marionettentheater aufgebaut, das hierher von Bubeneč einzog. Das Modell der Szene und des Zuschauerraums konstruierte dafür der Bildhauer und Schnitzer Vojtěch Sucharda, der der Gründer und der erste Direktor der hiesigen Künstlerischen Szene des Marionettenreiches war.


Etwa ein Fünftel des Gebäudes nimmt die Residenz des Prager Oberbürgermeisters in der ersten und der zweiten Etage des Fronttrakts ein, die aus einer Dienstwohnung, Repräsentierungs-, Empfangs- und Besprechungsräumen, aus Appartements für die Unterkunft verehrter Gäste und aus dem Betriebshinterland besteht. Die Residenz hat ihren eigenen Eingang am Eck der Platnéřská und Žatecká-Straße. Die Residenz geht über die gesamte nüchterne Zweckdienlichkeit absolut hinaus. Sie ist im noblen und edlen Stil Art Deco dekorativ verziert. Bei der Ausschmückung arbeitete František Kysela mit, der auch die Deckenausmahlung durchführte und die große Tapisserie „Arbeit, Wissenschaft und Kunst“ entwarf. Die Möblierung und Ausschmückung der Oberbürgermeisterresidenz wurden im Jahre 1930 abgeschlossen. Die Oberbürgermeister bewohnten die Residenz faktisch nie, vielleicht abgesehen von Karel Baxa. Sie diente regelmäßig zum Beherbergen offizieller ausländischer Besuche und zu Protokoll- und Repräsentationszwecken. In den Jahren 1994 - 95 machte sie einen Generalumbau und eine gefühlvolle Restauration der künstlerischen Werke durch.

Auf die Modernität und die Großzügigkeit des Roith-Projekts der Bibliothek aus der Zeit der Vorprotektoratrepublik deutet der Fakt hin, dass erst Ende der 70. Jahre die Bibliothek den Bedürfnissen einer modernen Informationsanstalt zu genügen aufhörte, und zwar sowohl was den Raum als auch was die Technologie betrifft. In den Jahren 1996 - 98 schritt die Stadt zum großzügigen Umbau, bei dem alle Verleih- und Studienräume verbunden wurden. Die freie Auswahl des Bibliothekfonds ist größer geworden. Durch die Überdeckung zweier Atrien und den Einbau der Galerien wurde die Fläche um 900 m2 erweitert.

 

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