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Das Phänomen „Tschechisches Glas“

Glas zählt zweifellos zu den beliebtesten Materialien der tschechischen Designer. Tschechisches Glas und tschechisches Kristall sind weltbekannte Begriffe und zudem Quelle eines gewissen Nationalstolzes.

  • © Moser

Die tschechische Glastradition reicht bis ins Mittelalter zurück. Die Überreste des ältesten bekannten Glaswerks aus dem Jahr 1250 finden sich in dem nordböhmischen Städtchen Kamenický Šenov (Steinschönau), das bis heute das Zentrum der tschechischen Glasindustrie ist. In Kamenický Šenov befindet sich auch die älteste Glaserschule Europas, die Bestandteil des einzigartigen tschechischen Systems von Schulen ist, die sich auf den Bereich der Herstellung von Glas spezialisiert haben.

Die Rohstoffe, die in den böhmischen Ländern immer in ausreichender Menge vorhanden waren, geben dem hiesigen Glas seine bemerkenswerte Qualität, Festigkeit und Stabilität. Dank dieser Eigenschaften eignet sich das tschechische Glas hervorragend zum Schleifen, Ätzen und weiteren Techniken und Traditionen, die von Generation zu Generation weitergege­ben wurden. So etwa die Glasmalerei, die Glasbläserei und die Glasschmelzerei in Formen. Ohne die sprichwörtlichen „goldenen böhmischen Hände“ hätte das böhmische Glas alleine jedoch niemals zu dem weltweiten Phänomen werden können, das es schon immer war. Es ist der Präzision in Kombination mit handwerklichem Können und Innovationen zu danken, dass die tschechischen Glasermeister zur Weltspitze zählen.

Heute schließt eine neue Generation von Künstlern und Designern an die große Vergangenheit der tschechischen Glaserei-Legenden (wie etwa Pavel Hlava, František Vízner, das Duo Stanislav Libenský und Jaroslava Brychtová, René Roubíček, Bořek Šípek und Rony Plesl) an, die die jahrelange Glasertradition mit markantem modernem Design kombinier­ten. Zu den bedeutendsten unter ihnen zählen Lucie Koldová, das Studio Dechem (eines der wenigen zeitgenössischen tschechischen Studios, die ausschließlich mit Glas arbeiten), das Studio Qubus, Tadeáš Podracký und eine Reihe weiterer. Diese jungen tschechischen Designer arbeiten einerseits mit traditionellen tschechischen Marken, wie etwa Moser und Preciosa, zusammen, andererseits aber auch mit neuen Herstellern von modernem Glas, wie etwa Brokis, Lasvit und Bomma.

Das tschechische Glas und das tschechische Kristall (das sich vom Glas dadurch unterscheidet, dass ein gewisser Bleianteil enthalten ist, wenngleich Glas in Tschechien dank seiner Reinheit und seiner Qualität schon grundsätzlich als Kristallglas betrachtet wird) bestechen durch ihre Anmut und ihre einzigartige Schönheit. Ob es sich um Glasperlen, Kristallleuchter, moderne Beleuchtungskörper oder Objekte aus Glas handelt, heute verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart so, dass das Phänomen „Tschechisches Glas“ auch weiterhin besteht