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Troja – Architekturlehrbuch und Viertel voller Unterhaltung

Der Stadtteil Prag-Troja am nördlichen Rand der Metropole sticht aus den anderen Prager Vierteln durch seinen einzigartigen Charakter hervor. Charmant zwischen den Flüssen der Moldau und den steilen Hängen des Bohnicer Plateaus gelegen vereint er schließlich die Kennzeichen prestigeträchtiger Adressen mit prunkvollen Residenzen und lockerer Landszenerie in sich. Und wenn Sie die drei dortigen touristischen Attraktionen hinzurechnen, können Sie in Troja in angenehmer Laune ruhig den ganzen Tag, wenn nicht sogar das Wochenende verbringen. Sie glauben es nicht? Dann kommen Sie mit uns auf eine kleine Exkursion…

  • Schloss Troja, Foto: PCT
  • Zoologischen Garten der Hauptstadt Prag, Foto: Petr Hamerník
  • Wassersportzentrum, Foto: PCT
  • Botanische Garten der Hauptstadt Prag, Foto: PCT
  • Botanische Garten der Hauptstadt Prag, Foto: PCT
  • Schloss Troja, Foto: PCT

Die Geschichte des heutigen Trojas reicht tief in die Vergangenheit. Das ursprüngliche bescheidene Dorf am rechten Moldauufer trug seit dem Mittelalter den Namen Zadní beziehungsweise Horní Ovenec (Hinter- bzw. Oberowenetz, Ovce: Schaf), nach der vielen Schafzucht, die hier betrieben wurde. Unter der Herrschaft von Karl IV. wurde auf den hiesigen Hängen mit dem intensiven Anbau von Weinreben begonnen. Diese gottgefällige Tätigkeit blieb den Einheimischen bis in die heutige Zeit erhalten und die Weinbaurieden – gefühlvoll in die hiesige Verbauung integriert – wurden zu einem der Attribute Trojas. Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges bestand das Gebiet des zukünftigen Wohnviertels aus einsamen Bauernhöfen, Mühlen, Fischersiedlungen und Höfen. Der Umbruch kam im Jahre 1678, als Adalbert Graf von Sternberg sich hier auf seinen Gründen ein Barockschloss mit prächtiger zweischiffiger Treppe und spektakulärer Skulpturen- und Freskenverzierung errichtete. Aus architektonischer Sicht sollten wir zwar eher von einer majestätischen Villa errichtet nach italienischem Vorbild sprechen als von einem Schloss; jedenfalls handelt es sich um eines der bedeutendsten Prager Barockdenkmäler, um ein Juwel, das in seiner spezifischen Form nicht unseren Breitengraden entspricht. Das Schloss Troja ist von einem weitläufigen französischen Garten umgeben, der Sie auf den ersten Blick mit seiner unverkennbaren axialen Disposition und der geometrischen Präzision fesselt, welche unerwartete Blicke in das Areal eröffnen. Im benachbarten Ostteil befindet sich ein natürliches Labyrinth aus Hainbuchenlinien und Wasserbarrieren. Der Schlosskomplex wird von der Galerie der Hauptstadt Prag verwaltet, die hier saisonale Ausstellungen, Konzerte, Kultur- und Gesellschaftsveranstaltungen organisiert.

Wenn wir bei der Architektur bleiben, dann ist das zweite große Kapitel das außergewöhnliche Ensemble eleganter Villen, das auf diesem Gebiet schrittweise seit dem frühen 20. Jahrhundert entstand, als viele vermögende Unternehmer, Künstler sowie Diplomaten Troja als attraktiven Wohnort entdeckten. Diese erkannten bald, dass die großstädtische Bauweise mit breiten Boulevards und Plätzen hierher aufgrund des schwierigen Reliefs nie vordringen würde, sondern, dass hier im Gegenteil die ruhige ländliche Atmosphäre mit verstreuten Häusern und Villen erhalten bleibt. Von den wertvollsten, die wir hier heute bewundern können, wollen wir zum Beispiel die neubarocke Villa des österreichischen Architekten Friedrich Ohmann (Nad Kazankou 7), ein konstruktivistisches Familienhaus aus dem Jahre 1932 (Nádvorní 1) oder zwei funktionalistische Perlen – Villa Diviš (Trojská 134) und Villa Schück (Nad Kazankou 39) erwähnen. Bemerkenswert sind allerdings auch die neueren Objekte, etwa das Haus aus den 60er Jahren der berühmten tschechischen Olympioniken – dem Ehepaar Zátopkový (Nad Kazankou 3) oder die für ihre Zeit sehr originelle Villa der namhaften Regisseurin Věra Chytilová errichtet in der Zeit der Normalisierung in den 70er Jahren (Pod Havránkou 22). Alle genannten Residenzen sind in Privatbesitz, also nicht zugänglich, aber Liebhaber moderner Architektur geben sich sicherlich mit den eindrucksvollen Exterieuren zufrieden.

Wenn man von Troja spricht, denken die meisten Prager an den Zoologischen Garten der Hauptstadt Prag . Kein Wunder – der Prager Zoo platziert sich regelmäßig unter den drei meistbesuchten touristischen Zielen in der Tschechischen Republik (im Jahr 2018 durchliefen seine Tore mehr als 1,4 Millionen Menschen) und sammelt seit langem die höchsten Auszeichnungen, trotz der starken Konkurrenz der anderen Tiergärten der Welt. Beliebt ist er vor allem dank seiner überdurchschnittlichen Artenvielfalt und dem interessant gegliederten Terrain, das sich für einen bis zu zehn Kilometer langen Spaziergang durch die Exotik, inklusive der Afrikanischen Savanne, dem Gorilla- und Nilpferdpavillon, dem Indonesischen Dschungel, der Wasserwelt oder dem Elefantental anbietet. Der Zoo gefällt durch seine „Infrastruktur“ sowie seine aufklärerische Tätigkeit in besonderem Maße Familien mit Kindern; eine beliebte Attraktion ist der Sessellift, der den unteren und den oberen Teil des Tiergartens, den Aussichtsturm im westlichen Teil des Areals sowie das Bororo-Reservat – eine einzigartige Erholungs- und Spielzone für kleine Besucher – verbindet. Von den Programmveranstaltungen sind die kommentierten Fütterungen und die abendlichen Führungen besonders erfolgreich. Von den gastronomischen Einrichtungen im Areal sticht das vor kurzem komplett umgebaute große Restaurant Gaston mit Grill, Konditorei und Souvenirshop hervor.

Die zweite grüne Enklave Trojas ist der Botanische Garten der Hauptstadt Prag. Die sich über malerische Hänge erstreckende Oase der Ruhe ist der ideale Ort für einen ruhigen Spaziergang, Entspannung oder einen Familienausflug. Abseits der Hektik der Großstadt tanken Sie mit der frischen Kraft der Natur in weitläufigen Innen- und Außenausstellungsflächen mit 20 000 Pflanzenarten auf. Vor der Sommersonne verstecken Sie sich in den nordischen Wäldern, meditieren können Sie im japanischen Garten, und im Ornamentalgarten können Sie wiederum ein perfektes Picknick mit Ausblick auf bunte Blüten genießen. Eine selbständige Exposition ist das einzigartig designte Glashaus Fata Morgana, das getreu einen üppigen Dschungel mit exotischer Flora simuliert. Unter der barocken Kapelle ist dann das Weingut St. Klára angelegt, einer der größten Weinberge in der Metropole. Im Weinhaus oder auf seiner Terrasse können Sie Weine aus der lokalen Produktion, der auf schonende Art direkt im Keller unter dem Weingarten erzeugt wird, probieren sowie kaufen und sich mit einem Gläschen in der Hand an den wunderbaren Ausblicken auf Prag ergötzen.

Zum Abschluss muss noch hinzugefügt werden, dass alle drei hiesigen populären Attraktionen – also Zoo, Botanischer Garten und Schloss Troja – dank der gemeinsamen Troja-Karte vorteilhaft besucht werden können. Diese ist von April bis September gültig und steht an den Kassen aller drei Institutionen zum Verkauf.

Zu Spaß und Sport:
Wassersportzentrum (Vodácký areál), Vodácká 8
Der Troja-Slalomkanal ist der Moldausportplatz bestimmt für den Kanusport und Rafting. Das Trainingszentrum (nicht nur) der tschechischen Wassersportrepräsentation wird regelmäßig auch Schauplatz prestigeträchtiger Wettbewerbe im Wasserslalom, die Europa- und Weltmeisterschaft nicht ausgenommen. Laienenthusiasten können die Adrenalinfahrt während der Saison unter der Aufsicht eines Profis ausprobieren.

Moldauer Fahrradstrecke Nr. 7 (Vltavská cyklotrasa č. 7)
Am Moldauufer in Troja beginnt die beliebte 45 km lange Fahrrad-„Ausfallstraße“ Richtung Norden, welche die Strecke Klecany – Kralupy nad Vltavou – Schloss Veltrusy – Mělník entlang führt. Die beliebte „Fahrradmagistrale“, die bis auf zwei kürzere Abschnitte von einer hochwertigen Asphaltoberfläche bedeckt wird, wird auch von In-Line-Skatern gerne genutzt.

Reit- und Ponyschule (Jezdecká a pony škola),  Prag 7 – Bubeneč, Císařský ostrov
Das Ausbildungszentrum mit einer Reithalle sowie einem Freiluftreitplatz bietet kompletten Reitunterricht für Kinder und Erwachsene. Beliebt sind die Ausritte nach Stromovka, wo spezielle Reitpfade zur Verfügung stehen.

Anlegestelle Císařský ostrov (Schwemmkanal)
Regelmäßige Fahrten mit Ausflugsschiffen in beide Richtungen zwischen dem Zentrum Prags (Rašínovo nábřeží / Ufer oder Čechův most / Brücke) und Císařský ostrov (dt.: Kaiserinsel) sind ein tolles Erlebnis und eine beliebte Tourismusattraktionen.

Königliches Wildgehege (Královská obora) Stromovka
Eine Oase der Ruhe und Entspannung, eine grüne Insel inmitten der lärmenden Metropole, der größte Prager Stadtpark. Die sich über etwa 100 Hektar erstreckende und vor kurzem revitalisierte Lokalität ist von Teichen und weiteren Wasserelementen durchsetzt. Die Dominante des Parks ist der romantische Bau des Statthalterlustschlosses und das Šlechtova Restaurant, der ursprüngliche königliche Saal aus dem 17. Jahrhundert, der dieses Jahr nach der Renovierung zugänglich gemacht wird.

Auf einen Kaffee, zum Mittag- oder Abendessen:
Salabka Restaurant, K Bohnicím 2
Ein Luxusrestaurant mit eigenem Weingut und Unterkunft in Apartments. Im Salabka wird ein Mittagsmenü, abendliches á la Carte und ein Wochenendbrunch zubereitet. Die Spitzengastronomie basiert auf der französischen Küche und setzt auf lokale Zutaten von regionalen Bauern. Die Weinkarte profitiert sowohl von der Produktion eigener Weine, wie auch von bewährten französischen Marken.

Ristorante & Pizzeria Del Corso, Trojská 173b
Restaurant im italienischen Stil mit einer Kapazität von bis zu 150 Gästen (mit dem Sommergarten bis zu 250). Neben Pizza können Sie sich hier vor allem frischen Fisch und Meeresspezialitäten schmecken lassen. Der ideale Ort zur Veranstaltung von Firmen- und gesellschaftlichen Events. Es steht ein eigener Parkplatz (ca. 20 Plätze) zur Verfügung.

Wie Sie dort hinkommen:
Tram 17, 93 – Haltestelle Trojská
Bus 112 – Haltestellen Kovárna, Zoologická zahrada und Botanická zahrada Troja
Fähre P8 – Císařský ostrov – Troja (bei wohlwollendem Wetter in Betrieb)

Autor: Jan Pomykal, Prague City Tourism