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Vyšehrad - Sitz des ersten böhmischen Königs

Die zweite Prager Burg in dominanter Lage über dem Zusammenlauf der Moldau und dem Bach Botič ist einer der denkwürdigsten Orte der tschechischen Geschichte, dessen Mysterium von bekannten Sagen und Legenden unterstrichen wird. Die heutige spezifische – feierliche und gleichzeitig entspannte – Atmosphäre Vyšehrads wird vor allem vom bunten Ensemble nicht alltäglicher Sehenswürdigkeiten und dem reichhaltigen kulturellen Leben, das sich in seinen Mauern vor allem in den Sommermonaten abspielt, verstärkt. Obwohl Vyšehrad auch im 21. Jahrhundert ein unangefochtenes Symbol der nationalen Identität bleibt, scheut es sich nicht, zeitgenössische gesellschaftliche und landeskundliche Erlebnisse anzubieten, sowie einen modernen Raum für Entspannung und ruhiges Nachsinnen. Spazieren Sie mit uns durch die Geschichte und bemerkenswerten Orte der Festung Vyšehrad.

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Eine kurze Geschichte von Vyšehrad

Jüngsten Erkenntnissen zufolge entstand Vyšehrad Mitte des 10. Jahrhunderts, also etwa ein Jahrhundert später als die Prager Burg. Im Rahmen des Frühmittelalters erreichte es seine Blütezeit im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des folgenden, als es in seiner Stattlichkeit der Burg getrost Konkurrenz machte und sie für einige Zeit sogar übertraf. Hinter dieser Tatsache stand Fürst und erster böhmischer König Vratislav II. (er herrschte 1061-1092), der, wie auch einige seiner unmittelbaren Nachfolger, den befestigten Vyšehrad-Felsen als seinen Herrschaftssitz und die Hauptresidenz der Přemysliden wählte. Zu dieser Zeit entstanden hier auch die ältesten Steinbauten. Mit der Krönung Vladislavs II. im Jahre 1140 endete die Überlegenheit dieses Sitzes über der Prager Burg. Die Bedeutung Vyšehrads wurde erst vom böhmischen König und römischen Kaiser Karl IV. (er herrschte 1346-1378) wieder deutlich gehoben. Dieser fühlte sich durch das starke Band der Přemyslidentradition, zu der er sich programmatisch bekannte, mit Vyšehrad verbunden. Der groß angelegte Umbau, welcher der Gründung der Prager Neustadt folgte, machte aus Vyšehrad in erster Linie ein Ausstellungsobjekt, das eine wichtige Rolle in der Krönungsordnung der böhmischen Könige spielte.

Während der Hussitenkriege wurde die Burg geplündert und niedergebrannt. Ihre Wälle wurden auch bei den beiden Belagerungen durch die Schweden in den Jahren 1639 und 1648 beschädigt. Der vergangene Ruhm des Königssitzes wurde erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder hergestellt, als er sich in eine Barockfestung mit Militärbemannung verwandelte. Diese Bauetappe verlieh Vyšehrad die heutige Form der Zitadellen mit den mächtigen Backsteinbastionen und dem stattlichen Leopold-Tor. Im Laufe des 19. Jahrhunderts veränderte sich Vyšehrad durch den Entwurf eines Nationalfriedhofs mit Slavín und neugotischem Umbau der St.-Peter-und-Paul-Kirche auf einen Schlag signifikant. Die mehr als tausendjährige Geschichte dieses Ortes kulminierte mit der vor kurzem durchgeführten Revitalisierung der örtlichen Weingärten und der umfassenden Neugestaltung des Parks. Die Gesamtatmosphäre wir noch durch die atemberaubenden Aussichten von den Barockwällen, die über einen Rundweg zugänglich gemacht wurden, ergänzt.

Weitere Informationen über Vyšehrad finden Sie auf www.praha-vysehrad.cz.

Was Sie nicht verpassen sollten:
Spitze Tor (Špička)
Eingangsturm aus der Zeit von Karl IV., ursprünglich mit Fachwerkhalbstock und schlanken Erkertürmchen. Von dem monumentalen Bau blieben nur der Torso der unteren Teile der Portale und der Raum im Erdgeschoss, in dem sich heute das Informationszentrum befindet, bis zur heutigen Zeit erhalten. 

Leopold-Tor
Das architektonisch reine Frühbarocktor ist mit einem Wappen mit Simsen, welche Steinartefakte in Form zweier liegender Löwen tragen, und drei Schildern aus Sandstein verziert. Das Ganze wird von einem Adler auf der Spitze gekrönt. 

Rotunde des Hl. Martin
Das älteste erhaltene Gebäude nicht nur im Areal der Festung, sondern sogar ganz Prags. Die Kirche hatte ein ziemlich buntes Schicksal – sie diente als Pulverlager, Abstellraum sowie als Wohnstätte der Armen. Ihre heutige Form ist das Ergebnis einer Renovierung aus dem späten 19. Jahrhundert. 

Teufelssäule (Čertův sloup)
Mysterium und Kuriosität Vyšehrads. Drei aufeinander gestützte Teile verschiedener Säulen ungewissen Ursprungs und Zwecks sind von zahlreichen Legenden umwoben. Sie finden sie im Karlach Park. 

Romanische Brücke
Der Herrschersitz im südwestlichen Teil des Areals wurde mit dem Kirchenviertel um die Basilika des Hl. Peters durch eine einzigartige romanische Brücke, die heute teilweise zugänglich ist, verbunden. 

St.-Peter-und-Paul-Kirche (Bazilika sv. Petra a Pavla)
Die ursprünglich romanische, anschließend gotische, barocke und letztendlich neugotische Dominante Vyšehrads. Bei der Kirche wurde bereits zum Zeitpunkt ihrer Entstehung ein Kollegiatskapitel gegründet. 

Vyšehrader Friedhof und Slavín

Am bedeutendsten Prager Friedhof liegen etwa 600 führende tschechische Persönlichkeiten, z.B. die Komponisten Friedrich Smetana und Antonín Dvořák oder die Schriftsteller Karel Čapek und Jan Neruda. Teil des Friedhofs ist auch der monumentale Grabstein Slavín – eine gemeinsame letzte Ruhestätte nationaler Größen. 

Myslbek-Statuen
Auf ein Quartett wunderbarer Statuen stoßen Sie im Vyšehrader Park vor der Basilika. Die Skulpturen stellen durchwegs Szenen aus alten böhmischen Legenden über Přemysl und Libuše oder Ctirad und Šárka dar. 

Alte Burgvogtei (Staré purkrabství)
Einer der Palastbauten aus dem 14. Jahrhundert wird heute als Saal für 90 Zuseher und Café genutzt. Ein Hit sind vor allem die Kulturprogramme für Kinder am Wochenende. 

Gotischer Keller
Der große unterirdische Raum ist der Rest eines von vier Palastbauten aus der Zeit von Karl IV. Darin ist eine narrative Exposition zu sehen, welche Vyšehrad in seinen verschiedenen historischen Formen präsentiert. 

Galerie Vyšehrad

Hier werden regelmäßig Künstler der mittleren und jungen Generation ausgestellt, die sich vor allem auf die Malerei, das Zeichnen und verwandte Disziplinen fokussieren. Das Gebäude der Galerie ist ein Überbleibsel des Wachturms der mittelalterlichen Festung. 

Statue des Hl. Wenzel
Im Štulc Park gibt es eine Kopie der Reiterstatue des Hl. Wenzel aus dem 17. Jahrhundert, die bis 1879 im oberen Teil des Wenzelsplatzes stand, bevor sie durch das heutige Denkmal ersetzt wurde, zu sehen. Das Original ist heutzutage im Lapidarium des Nationalmuseums ausgestellt. 

Ziegeltor
Der Nordeingang zur Festung wurde 1841 im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Hauptstraße nach Tábor im Empirestil errichtet. Heute finden Sie hier ein Informationszentrum und den Haupteingang in die Kasematten mit einer multimedialen Projektion über Vyšehrad.

Kasematten und Gorlice
Das verflochtene System unterirdischer Gänge entstand im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts in Zusammenhang mit dem Bau der barocken Festung. Im größten Saal, genannt Gorlice, befinden sich sechs Originalskulpturen der Karlsbrücke.

Kultur und Erleben in der Umgebung:

Kolonie kubistischer Häuser - Libušina 3, Neklanova 30, Rašínovo nábřeží 6-10
Ein gesamteuropäisches Phänomen ist die einzigartige Ansammlung kubistischer Häuser von dem Architekten Josef Chochol. Dazu gehört die Kovařovic-Villa, ein Eckzinshaus und ein Dreifamilienhaus am Ufer.

Museum der Hauptstadt Prag – Podskalí-Zollhaus, Rašínovo nábřeží 30
Die teilweise interaktive Exposition in einem historischen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert hat ihren Schwerpunkt auf dem Gebiet des verschwundenen Podskalí, der Veränderung des Wassertransports auf der Moldau, der traditionellen Floßschifffahrt und der Entwicklung des Schifftransports in Prag und Umgebung.

Museum der Prager Wasserwirtschaft und Wasserwerk Podolí, Podolská 15/17
Das Wasserwerk Podolí ist ein denkmalgeschütztes Unikat der industriellen Architektur. Vom Wandelgang seines Turms in einer Höhe von 40 Metern ergibt sich ein außergewöhnlicher Blick auf den Fluss und die Stadt. Die Museumsexposition zeichnet die Entwicklung der Prager Wasserwirtschaft vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach.

Auf einen Kaffee, zum Mittag- oder Abendessen:

U Kroka, Vratislavova 28
Ein Familienrestaurant, das an die Tradition der bekannten Prager Gaststätte anschließt, welche bereits im Jahre 1895 auf der Ausflugsstrecke zum Vyšehrad eröffnete. Es kann sich mit stilvollem Interieur, hochwertiger tschechischer Küche und gezapftem Bier überdurchschnittlicher Qualität rühmen.

Rio’s Vyšehrad
Das Restaurant ist ideal für Privatpartys, Hochzeitsgesellschaften oder Pressekonferenzen geeignet. Die ausgezeichnete Küche können Sie sich als edles Abendessen oder langes Mittagessen schmecken lassen; schnellere und kleinere Speisen bietet schließlich das Café im ersten Stock an.

Wie Sie dort hinkommen:

Metro C, Vyšehrad
Straßenbahn 7, 14, 18, 24, 93, 95 – Haltestelle Albertov
Straßenbahn 2, 3, 7, 17, 21, 92 – Haltestelle Výtoň

Autor: Jan Pomykal, Prague City Tourism