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Žižkov - das Prager Montmartre

Noch vor 150 Jahren erstreckten sich östlich der Tore der Altstadt Weinberge, Weideland und ein paar Bauernhöfe. Der Bevölkerungs- und Industrieboom im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts verwandelte das hügelige Gebiet am Fuße des Hügels Vítkov schnell in ein markantes und pittoreskes Viertel von Zinshäusern ohne regelmäßige architektonische Konzeption. Den unverwechselbaren unkonventionellen Charakter erzeugten aber immer vor allem seine Bewohner – Arbeiter, die Prager Unterwelt, Studierende und Kunstschaffende aller Art. Auch wenn sich das Rad der Zeit seither signifikant weitergedreht hat, ist die hiesige eigene, etwas „undisziplinierte“ Atmosphäre zum Glück nicht verloren gegangen. Willkommen im Viertel, das nie schläft. Willkommen in Žižkov!

  • Statue von Jan Žižka, Foto: PCT
  • Žižkover Fernsehturm, Foto: Prague City Tourism
  • Lipanská Haltestelle, Foto: PCT
  • Ansicht von Vítkov,  Foto: PCT
  • Ansicht von Vítkov, Foto: PCT

Der Bau des neuen Stadtteils knapp außerhalb der Grenzen der damaligen Metropole begann bereits im Jahre 1865, aber als eigenständige urbanistische Einheit tauchte es auf dem Stadtplan Prags unter dem Namen Königliche Weinberge I. (Královské Vinohrady I.) erst zehn Jahre später auf. Den offiziellen Namen „Žižkov“, inspiriert vom Namen des berühmten hussitischen Kriegsführers, setzte im Jahre 1877 der tatkräftige Baumeister und erste hiesige Bürgermeister Karel Hartig durch. Grund dafür waren seine starken patriotischen und reformistischen Gefühle, die sich auch in den „hussitischen“ Namen vieler hiesiger Straßen wiederspiegelte (z.B.: Štítného, Prokopova, Táboritská, Husinecká etc.). Zur Stadt wurde Žižkov per Dekret von Kaiser Franz Josef I. im Jahre 1881 erhöht, wodurch das raketenartige Wachstum in Gang gesetzt wurde – bereits zehn Jahre nach diesem Ereignis lebten hier mehr als 42 000 Bewohner in mehr als 750 Häusern. Die charakterreiche Enklave verdiente sich sehr bald den Spitznamen Prager Montmartre nach dem bekannten Pariser Künstlerviertel, und zwar vor allem dank seinem hügeligen Terrain mit den steilen engen Gassen, Treppen und Plätzen und der hiesigen Bohéme-Gemeinschaft. Schließlich lebte hier einst auch der König der tschechischen Bohémes Jaroslav Hašek, Autor des „Braven Soldaten Schwejk“ (er lebte im Haus Zum Goldenen Engel an der Ecke von Husitská und Jeronýmova Straße). An seinen Žižkover Aufenthalt erinnert eine groteske Reiterbüste am Prokopovo náměstí / Platz.

Nach dem 2. Weltkrieg ging die Zeit der stürmischen Bauentwicklung verbunden mit dem Entwurf der modernen Verkehrs- und Technikinfrastruktur weiter. Eine Narbe im Antlitz Žižkovs verursachte erst die unsensible Sanierung in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Dutzende der ursprünglichen, wertvollen Häuser gingen zu Boden und an ihrer Stelle wuchsen unansehnliche sozialistische Plattenbauten empor. Die Gesamtzerstörung des eigentümlichen Viertels endete zum Glück mit den Ereignissen der Samtenen Revolution im Jahre 1989; der Großteil des historischen Žižkovs wurde so gerettet. Auch wenn der heutige Bau und die Renovierung der historischen Häuser Žižkov den Anschein eines Wohnviertels verpassen, handelt es sich immer noch um eine unkonventionelle und „wilde“ Lokalität voll kulturellen, studentischen sowie auch abgehalfterten Nachtlebens, mit überdurchschnittlich vielen Kaffeehäusern, Bars, Gaststätten, versteckten Innenhöfen und Pawlatschenhäusern. Kurz gesagt, Žižkov verstellt sich nicht vor seinen Besuchern, es ist zwar etwas „unfrisiert“, aber dafür ist es echt, authentisch, einfach wie es ist – und darin liegt seine Einzigartigkeit.

Was Sie nicht verpassen sollten:

Nationaldenkmal am Vítkov, U Památníku 1 900 
Eine Dominante und das Symbol Žižkovs mit Panoramaausblicken auf Prag. Das funktionalistische Denkmal wurde zu Ehren der tschechoslowakischen Legionäre errichtet und heutzutage können Sie darin zwei Dauerexpositionen besichtigen – Kreuzungen der tschechischen und tschechoslowakischen Staatlichkeit und Laboratorium der Macht. Unübersehbar ist die monumentale Statue des hussitischen Kriegsführers Jan Žižka – eine der größten Reiterstatuen der Welt.

Žižkover Fernsehturm, Mahlerovy sady 1
Ein Attribut des modernen Prags und mit seiner Höhe von 216 Meters der höchste Bau der Metropole. Neben der technischen Anlage beherbergt er das luxuriöse Sechs-Sterne-Hotelapartment One Room Hotel, das Spitzenrestaurant Oblaca, eine Bar, ein Kaffeehaus und ein Aussichtsobservatorium mit atemberaubendem Ausblick auf die Stadt. Den Fernsehturm verzieren kuriose Babystatuen des Künstlers David Černý. 

Alter jüdischer Friedhof
Als bedeutende Gedenkstätte diente er bis zum Jahre 1787 der Prager jüdischen Gemeinde. Es befinden sich hier viele wunderbare Grabsteine aus dem 18. und der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, bei denen eine Reihe von bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten begraben liegt. Der Friedhof liegt direkt unter dem Žižkover Fernsehturm – selten finden Sie so eine bizarre Verbindung zwischen einer alten Grabstätte und einem modernen technischen Bau.

Kirche St. Prokop, Sladkovského náměstí
Ein neugotisches architektonisches Schmuckstück des Žižkover Stadtviertels aus den Jahren 1899 bis 1903 vom Architekten Josef Mocker. Den Haupteingang vierziert das edle Relief der Madonna mit dem Jesulein, dem der Heilige Prokop ein Modell der Kirche reicht. Im Interieur kann man unter anderem das wertvolle Bild Heiliger Wenzel von Karel Škréta aus dem Jahre 1649 erblicken. In der Achse der Hauptfassade ragt ein 73 Meter hoher Turm.

Seifert-Denkmal, Kreuzung Seifertova, Chelčická und Táboritská Straße
Žižkov ist nicht wegdenkbar mit dem einzigartigen tschechischen Nobelpreisträger für Literatur, Jaroslav Seifert, der hier geboren wurde und das Gymnasium besuchte, verbunden. An das Leben des berühmten Dichters erinnert heute eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus (in der Bořivojova Straße 104) und ein interessantes Denkmal in Form eines steinernen Bands.

Bethlehemskapelle, Prokopova 10 
In einem Block von Zinshäusern können Sie eine unauffällige, aber äußerst interessante kubistische Kapelle mit Spätjugendstilelementen entdecken. Erbaut wurde Sie im Jahre 1914 nach dem Entwurf Emil Králíčeks und heute wird sie neben religiösen Zwecken auch als Konzertsaal und Wohltätigkeitszentrum genutzt.

Friedhöfe Olšany, Vinohradská 153 
Die größte Prager Grabstätte mit einer Fläche von über 50 Hektar schützt die Überreste von mehr als 2 Millionen Verstorbenen. Das Areal besteht aus zwölf Teilfriedhöfen. Hier ruhen tschechische Persönlichkeiten wie zum Beispiel der Student Jan Palach, der Gründer des Sokols Miroslav Tyrš, der Dichter Karel Jaromír Erben, der Literat Karel Havlíček Borovský, der Maler František Ženíšek und die Schauspieler Jan Werich und Jiří Voskovec. Zu den beliebtesten Orten gehört Franz Kafkas Grab auf dem Neuen Jüdischen Friedhof.

Kultur und Unterhaltung in der Umgebung:

Žižkover Theater Jára Cimrmans, Štítného 5  

Die Theaterbühne des größten tschechischen fiktiven Dramatikers, Musikers, Erfinders, Kriminalisten und Sportlers in einem. Die eigentümliche Poesie der Stücke von Ladislav Smoljak und Zdeněk Svěrák hat die Herzen eines breiten Spektrums an Besuchern quer durch die Generationen erobert, die immer wieder gerne in das berühmte Theater zurückkehren.

Bořivojova Straße
Žižkov kann sich mit der wohl größten Konzentration an Lokalen in Prag rühmen. Berühmt und (nicht nur) bei jungen Leuten beliebt ist zum Beispiel die Bořivojova Straße, auf der sich nach und nach etwa 20 Pubs und Bars angehäuft haben.

Park Parukářka
Ein weitläufiger und interessant gegliederter Park, der sich am Hl. Kreuz-Berg zwischen dem nahegelegenen Vítkov und den Friedhöfen Olšany erstreckt. Wenn Sie ihn bis ganz nach oben besteigen, werden Sie mit einem wunderschönen Ausblick auf Prag belohnt. Neben dem Biergarten können Sie im Areal auch drei Kinderspielplätze, einen Agility-Park für das Hundetraining oder Picknickplätze mit offenem Feuer nutzen. Der Park ist außerdem Schauplatz verschiedenster Konzerte, Happenings, Sportveranstaltungen sowie von Kinderprogrammen.

Palác Akropolis, Kubelíkova 27
Der kulturelle Mittelpunkt Žižkovs, Zentrum unabhängiger Kultur, das einzigartige Gemeinschafts-, Musik-, Theater- und Kunstprojekte bietet. Hier stellen sich einheimische Interpreten und internationale Spitzen vieler Genres und Richtungen vor. Eindrucksvoll ist auch das Gebäude aus der Zeit der Ersten Republik mit Art Deco-Elementen selbst. Sehr originell wurden auch die Innenräume des Palais nach einer Renovierung gestaltet – Säle, Restaurants, Bar und Kaffeehaus.

OC Atrium Flora, Vinohradská 151 
Ein modernes Einkaufszentrum mit einer Vielzahl an Dienstleistungen, Markengeschäften, Restaurants, Multiplex-Kino und 3D Kinosaal Imax.

Kino Aero, Biskupcova 31
Der Kultur-Stand mit der einzigartigen Atmosphäre der „guten alten Zeiten“ und gleichzeitig einer der ältesten Filmclubs der Tschechischen Republik. Das ursprüngliche funktionalistische Kino aus der Vorkriegszeit, welches sich untypisch platziert im Hoftrakt eines Wohnhauses befindet, legt seinen Schwerpunkt heutzutage vor allem auf unabhängige und künstlerische Produktionen.

Auf einen Kaffee, zum Mittag- oder Abendessen:
À la carte, Táboritská 23
Das vor Kurzem renovierte Restaurant À la carte gehört zum Hotel Olšanka und bietet erstklassige Gastronomieerlebnisse für die anspruchsvollere Klientel. Zur Wahl stehen sowohl traditionelle Hausmannskost wie auch internationale Spezialitäten.

Lavička, Seifertova 77
Das luftige Restaurant bietet angenehme Sitzgelegenheiten im weitläufigen Freiluftgarten im Schatten der Bäume oder im Wintergarten voller Blumen. Im gemütlichen Eingangsbereich wissen Sie an kühlen Abenden die Wärme des brennenden Kamins zu schätzen, für Treffen mit Freunden oder eine Feier können Sie auch den Salon im Erdgeschoss nutzen.

Café Pavlač, Víta Nejedlého 23 
Beliebtes Kaffeehaus mit tollem Garten im Innenhof. Neben dem hochwertigen Kaffee können Sie sich hier auch Frühstück, Mittagessen sowie ein leichtes Abendessen zu ansprechenden Preisen gönnen. Ein toller Ort zur Kontemplation gewürzt mit der Bohéme-Atmosphäre Žižkovs.

Taverna Olympos, Kubelíkova 9 
Das Familienrestaurant mit Sommer- und Wintergarten ist eine einladende Insel griechischer Kultur und Ernährung in Prag. Es bringt nicht nur Magie auf den Teller, sondern auch echte Mittelmehratmosphäre. Sehr passender und origineller Ort für Geburtstagsfeiern, Promotionen, Hochzeiten, Firmenabende etc.

La Bottega Gastronomica, Ondříčkova 17 
Das originelle Gourmetbistro mit Geschäft und großem Angebot italienischer Delikatessen hat außerdem eine exklusive Besonderheit – den Küchenbereich mit der sogenannten „Rosticcerie“, also einem Ort zum Braten und Grillen.

Wie Sie dort hinkommen:

Metro A, Station Flora; Želivského
Tram 5, 9, 15, 26, 91, 95, 98 – Haltestelle Lipanská
Bus 136, 175, 207, 908, 909, 913 – Haltestelle Olšanské náměstí  

 

Autor: Jan Pomykal, Prague City Tourism