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Wallenstein Palais (Valdštejnský palác)

Weitläufiger Palastkomplex, erster weltlicher Monumentalbau des Frühbarocks in Prag. Er wurde in den Jahren 1624–1630 an Stelle von 26 Häusern, sechs Gärten, zwei Ziegelbrennereien und einer Parzelle für Albrecht von Wallenstein (1583–1634), einen der mächtigsten und reichsten tschechischen Adeligen in der Zeit nach der Schlacht am Weißen Berg, errichtet. Heute sitzt hier der Senat des Parlaments der Tschechischen Republik. Der angrenzende Wallenstein Garten ist im Sommer der Öffentlichkeit zugänglich.

Wallenstein Palais (Valdštejnský palác), Valdštejnské náměstí 4, Praha 1 - Malá Strana, 118 00
Web: http://www.senat.cz, e-mail: epodatelna@senat.cz
tel.: +420257071111, +420257075707

Öffnungszeiten

April – Mai

Samstag
10.00 – 17.00
Sonntag
10.00 – 17.00

Juni – September

Samstag
10.00 – 18.00
Sonntag
10.00 – 18.00

Oktober

Samstag
10.00 – 17.00
Sonntag
10.00 – 17.00

 

BESICHTIGUNGSRUNDGANG:
Innenhof, Hauptsaal (Rittersaal), Ledersalon, Spiegelsaal, Audienzsaal (Wallensteins Arbeitszimmer), Ovid Gang (Mythologischer Gang).
In den einzelnen Räumen sind Beschreibungen in tschechischer und englischer Sprache angebracht. Besucher erhalten ebenso Informationsmaterial über den Senat (Basisinformationen über die Kompetenzen, über die Ausschüsse, Kommissionen u. s. w.), das Material ist in Tschechisch, Englisch, Deutsch und Französisch zur Verfügung.
Der Eintritt ist vom Wallenstein Platz (Valdštejnské náměstí) aus.

Der Eintritt ist kostenlos, die Besichtigung erfolgt ohne einen Guide.

Für organisierte Gruppen mit mehr als zehn Personen (abgesehen von Reisebüros und Reiseagenturen) bietet der Senat ganzjährig kommentierte Besichtigungen an, stets am Montag und Freitag. Diese Besichtigungen mit einem Reiseführer finden zu jeder vollen Stunde von 8 bis 16 Uhr statt. Um an der Besichtigung teilzunehmen, ist eine Reservierung mit mindestens einer Woche Vorlaufzeit notwendig. Sie können die Reservierung mit Hilfe dieses Formulars, telefonisch unter der Nummer 257 075 707 oder persönlich im Informationszentrum des Senats, das für die Öffentlichkeit an jedem Werktag von 9 bis 16 Uhr geöffnet ist, machen. Die Besichtigung dauert rund 40 Minuten. Nach der Besichtigung bietet die Kanzlei des Senats Gruppen in den Räumlichkeiten der Trčkov-Galerie (tsch.: Trčkovská galerie) eine Filmvorführung über den Senat an.

Organisierte Gruppen müssen zur Besichtigung ein Namensverzeichnis aller Teilnehmer mitbringen, in dem die Nummern der Personalausweise oder Reisepässe angeführt sind (über 15 Jahre), Schulgruppen müssen auch die Schulanschrift anführen.

AUSSTELLUNGSSAAL DES SENATS UND TRČKOV GALERIE:
November - März: täglich 10 - 16
April, Mai, Oktober: täglich 10 - 17
Juni - September: täglich 10 - 18
Dauerausstellung der Protokolar-Geschenke, die die Senatoren auf ihren Auslandsreisen erhalten oder die ausländische Besucher von uns erhalten.
Der Eintritt erfolgt vom 1. Innenhof des Wallenstein-Palais.

Verwalter: Senat der Tschechischen Republik

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Programme

Objekt geschichte

Dieses Palais ist das erste monumentale Bauwerk im Stil des frühen Barocks in Prag. Es wurde in den Jahren 1624 – 30 an der Stelle von 26 Häusern, 6 Gärten, 2 Ziegelbrennereien und einer Parzelle für Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein (Albrecht Václav Eusebius Valdštejn) (1583 – 1634) erbaut. Er war einen der mächtigsten und reichsten tschechischen Adeligen in der Zeit nach der Schlacht am Weißen Berg, seit 1625 General, der als Generalissimus der kaiserlichen Armee in Schlachten erfolgreich war. Er war außergewöhnlich ehrgeizig, rücksichtslos und jähzornig, er könnte als Beispiel krankhaften Karrierismus dienen. In Übereinstimmung mit seinem Horoskop endete er schlecht, im Jahr 1634 wurde er auf kaiserlichen Befehl als Verräter in Eger (Cheb) deshalb ermordet, weil er geheime Verhandlungen mit Kaisers Feinden führte. Mit dem Bau einer weiträumigen Residenz wollte Waldstein direkt der Prager Burg konkurrieren. Beträchtliches Vermögen erwarb er durch Einkauf des konfiszierten Besitzes der widersetzlichen tschechischen Stände und seine Position sicherte er durch die Heirat mit Isabella (Isabela Kateřina), Tochter des hochgestellten Grafen Harrach. Für den Bau des Palais wurde fast alles außer des behäbigen Palastes des Herrn Jan Rudolf Trčka von Lípa niedergerissen. Dieses Haus erwarb Waldstein schließlich auch. Das Trčka-Haus (Trčkův dům) im Renaissancestil war eines der prunkhaftesten Prager Bauten des 16. und 17. Jahrhunderts. Seine Überreste, Gewölbe, Reste des Putzes, Gemäuer und weitere Fragmente, wurden entdeckt und konserviert, als der Fußboden im Rittersaal bei der letzten Rekonstruktion abgedeckt wurde. Es wurde wegen des Baus auch das Písek-Tor, das seit 1257 am heutigen Palais Palffy (Pálffyovský palác) stand, niedergerissen, obwohl Kleinseitner Insassen dagegen waren. Erfolglos wehrten sich auch die Augustiner von der Kirche St. Thomas. Ihren Nachfolgern überließen ein Teil des Gartens für ihre berühmte Brauerei erst nach 100 Jahren die Nachkommen Waldsteins.

Um fünf Vorhöfe herum breiten sich zweistöckige Palaisgebäude und einstöckige Administrativ- und Wirtschaftsgebäude aus, die vom Süden vom Palaisgarten umgeben sind und vom Osten von der Reitschule. Es blieben weder Pläne noch Aufzeichnungen mit dem Namen des Projektanten erhalten, die meisten Arbeiten werden dem Italiener Andrea Spezza (bis zum Jahr seines Todes 1628) zugeschrieben. Der Bau wurde durch seinen Nachfolger Niccoló Sebregondi beendet und durch Giovanni Pieroni ausgeführt. Der Hauptflügel mit 60 m langer Front zu Valdštejnské náměstí entstand durch den Umbau des Trčka-Hauses. Es befinden sich hier der Rittersaal (früher Großer Saal oder Festsaal genannt) mit zwei Fensterreihen übereinander und mit Marmor getäfelten Portalen, die hierher aus dem Černín-Palais (Černínský palác) erst in der Hälfte des 19. Jahrhunderts übertragen wurden. Das Gewölbe des Saales ist mit Genien und militärischen Emblemen im Stuck verziert. In der Mitte ist die Freske von Bartolomeo Baccio di Bianco, die Waldstein als den Gott Mars auf einem Kriegswagen darstellt. Waldsteins Hochmut verletzte hier grob die antike Mythologie: der Kriegsgott Mars fährt immer nur Dreigespann, Waldstein erzwang sich Viergespann, das in der Mythologie nur für den Sonnengott Helios vorbehalten ist. Die Wände des Ledersaales (Kožený sál) (früher Rittersaal genannt) wurden mit Kalbsleder tapeziert und Gold verziert. (Heutige Tapeten sind Repliken aus dem 19. Jahrhundert). Die Stuckverzierung ist ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. An der Decke ist die Freske Pallas Athene, die Kriege gerichtlich führt, von Petr Maitzner, der wahrscheinlich das ursprüngliche Bild von Bianco übermalte. Über dem Kamin ist das Gemälde Schlacht bei Lützen, wo Albrecht Waldstein ein Pferd reitet. In dieser Schlacht unweit Leipzigs fiel sein beliebtes Pferd, das er ausstopfen ließ und im Palais ausstellte. Später wurde es ins Museum nach Eger gebracht. Die Antikammer ist ein Zimmer neben Waldsteins Arbeitszimmer. Hier stand seine Leibwache, die zu ihm Besucher einließ. Jeder, der Waldstein besuchen wollte, musste dieses Zimmer durchgehen. Waldsteins Arbeitszimmer ist kreisförmig mit einer Kuppeldecke und ist wieder mit Fresken von Baccio di Bianco verziert. Sie stellen Vulcanus Werkstatt dar, wo Hephaistos Venus empfängt, Allegorie der vier Jahreszeiten und vier Tageszeiten. Aus dem Arbeitszimmer führt eine private Treppe in den zweiten Stock in den Astrologischen Gang und Iasons Salon, an den schon die Sala terrena anliegt. Mythologischer Gang (auch Barocker Gang genannt) mit 16 Medaillons mit mythologischen Szenen aus Ovids Metamorphosen führt in den ehemaligen Audienzsaal, dessen Hauptfreske den Sonnengott Helios darstellt. Ein einzigartiger Kronleuchter in diesem Saal stammt aus Waldsteins Zeiten und ist der einzige ohne Lichtquellen. Die Wenzelskapelle geht durch beide Stockwerke hindurch, verziert ist sie mit Szenen aus der Wenzelslegende und das Oratorium mit Maria-Lunetten. Der Altar ist vom Tischler und Schnitzer Arnošt Jan Heidelberger und ist die älteste barocke Sehenswürdigkeit dieser Art in Prag. Das Altarbild Ermordung des Heiligen Wenzel malte Jan Schlemüller.

Über dem Mythologischen Gang ist der beachtenswerteste Raum des Komplexes – der Astrologische Gang, reichlich mit astronomisch-astrologischen Motiven überwiegend von Giovanni Pieroni verziert, der ein anerkannter Mathematiker und Astrologe und Galileo Galileis Schüler war. Der Astrologische Gang ist eine Rarität, darin wurden die neuen Entdeckungen von Galileo Galilei zum ersten Mal öffentlich und malerisch gestaltet: die vier Jupitermonde und irrtümliche zwei Saturnmonde, die eigentlich den Saturnring bilden. Waldstein war ein leidenschaftlicher Anhänger der Astrologie, er richtete sich immer nach den Vorhersagen der Astrologen. Zwei Horoskope stellte ihm Johannes Kepler zusammen. An der Decke des Astrologischen Ganges sind Planeten und der Tierkreis dargestellt – man kann hier Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond sehen – an den Seitenwänden ist die Symbolik der vier damals bekannter Kontinente Asien, Afrika, Europa und Amerika.

Teil des Komplexes war ein prunkhafter und behäbiger Pferdestall für 37 Pferde, 60 m lang und 8,6 m breit, mit Tonnengewölbe mit tiefen Lünetten und geometrischen Mustern, mit Medaillons und Stuck an der Decke. Im Interieur stand ein Steinbrunnen mit Löwenkopf, Futterkrippen, Säulen und Muscheln waren aus braunem Marmor und jeder Pferdestand hatte ein reichlich gehämmertes Gitter. Diese Einzelheiten sind dank Beschreibung zwei englischer Reisender bekannt, die die Pracht Waldsteins Residenz während eines Besuchs im Jahr 1637 entzückte. Im 18. Jahrhundert wurden die Pferdeställe in mehrere kleinere Räume umgebaut und in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde hier das Comenius-Museum (Muzeum Komenského) untergebracht. Das wurde später in ein unweit liegendes Gebäude verlegt und der Pferdestall wurde in den Jahren 1996 – 98 restauriert und in einen modernen Tagungssaal des Senats umgewandelt. Am Eingang befindet sich eine Masaryk-Büste aus Bronze von Josef Mařatka.

Zum Komplex gehört auch der Waldsteingarten (Valdštejnská zahrada) im italienischen Stil mit einer Sala terrena, einer Grotte, einer Voliere und einem künstlichen Teich mit einer Insel. Hier wurde in den Jahren 1625 – 26 eine Sammlung von Adriaen de Vries aufgestellt, die zum Höhepunkt der manieristischen Bildhauerei gehört. Die Figuren und Figurengruppen aus Bronze stellten antike Götter und Pferde dar. Das Palais wurde zweimal ausgeplündert: am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 durch die Truppen des schwedischen Generals Königsmarck und während des Erbfolgekrieges 1742, als hier die Franzosen eine Lagerstätte herrichteten. Die Schweden nahmen im Jahr 1648 alle Figuren von Vries nach Schweden mit, wo sie sich heute im Schloss Drootningholm befinden. Sie nahmen damals auch eine Venus-Figur von Benedikt Wurzelbauer mit, die gemeinsam mit einem Amor mit Delphin eine Fontäne aus Bronze zierte, die Waldstein aus dem Garten des Palais Lobkowitz (Lobkovický palác) auf dem Hradschin (Hradčany) erwarb. Die Venus wurde als einzige nach Prag im Jahr 1890 zurückgegeben. Ihre Kopie (Original ist in der Nationalgalerie) ist seit 1938 auf der Bronzefontäne vor der Sala terrena aufgestellt. Entlang des Hauptweges und auf der Marmorfontäne in der Mitte der Insel sind Kopien der weggebrachten Figuren von Vries, die Ende des 19. Jahrhunderts Arnošt František von Waldstein anfertigen ließ und die bis heute hier stehen. Auf dem Teich im Garten führte einen erfolgreichen Versuch mit seinem Model eines Dampfschiffes der tschechische Erfinder Josef Božek vor. Die Sala terrena am Ende des Gartens baute im Jahr 1627 Andrea Spezza. Es handelt sich um eine 30 m hohe Loggia mit drei Arkaden und hohem Gewölbe. Sie ist die erste solcher Art bei uns und gehört zu seinen künstlerisch bedeutendsten Werken, wo er schon die Renaissancetradition verlässt und Faszination von Barock überwiegt. Die malerische Ausschmückung der Sala terrena stammt wieder von Baccio di Bianco, der für die Fresken an den Wänden und an der Decke das Thema des griechischen Olymps wählte – in der Mitte befindet sich Zeus mit Hera und Venus, an der Südseite Neptun und an der Nordseite Mars. Am Gewölbe sind noch Medaillons der Helden des Trojanischen Krieges, im anliegenden Salon sind Fresken mit Motiven aus der Argonautensage und dem Goldenen Vlies. An der Stuckverzierung beteiligten sich Domenico Canevale und Santino Galli. Bei den Fresken im ganzen Komplex wurde streng das Prinzip Horror vacui (Abscheu vor der Leere) eingehalten: alle Stellen musste bildnerisch gefüllt sein. Neben der Loggia befinden sich Höhlen und an der Gartenmauer ein perfekter künstlich geschaffener Hohlraum (Grotte) mit Tropfsteinstalaktiten. Die Nachahmung der Höhlenformen, die am meisten den Höhlen von Postojna (Postojnské jeskyně) ähnelt, existieren in solcher Naturtreue bei keinem ähnlichen Gebäude, die Autoren sind jedoch unbekannt.

Die Einrichtung des Palais war grandios: aus Italien und den Niederlanden wurden die teuersten und hochwertigsten Teppiche, Möbel, Tapeten, Vorhänge bestellt. Nach Waldsteins Tod waren nach der Inventur im Palais 185 große Brüsseler Tapisserien, 62 orientalische Teppiche, 534 venezianische Ledertapeten, 48 Bilder. Die Gesamtsumme der Einrichtung wurde auf 70 000 Gulden und die Juwelen und Geschirr auf 134 000 Gulden geschätzt. Davon blieben nur einige Bilder und ein paar Waldsteins persönliche Gegenstände erhalten wie Stiefel, Schwert, oben genanntes Pferd und ein europäisches Unikat – beachtenswerte hohe Schuhe aus einem Stück Leder.

 

Im Jahr 1765 kaufte ein Teil des Gartens mit der großen Grotte das benachbarte Augustinerkloster, um ihre Brauerei zu vergrößern. Ende des 19. Jahrhunderts machten die Waldsteins den Garten für die Öffentlichkeit zweimal in der Woche zugänglich, donnerstags und sonntags. Im Jahr 1938 fand hier eine große Ausstellung des Prager Barocks statt. Anlässlich dieser Ausstellung entstand an der Südseite der Sala terrena ein Theater mit Bühne und stufenartigem Zuschauerraum mit einer Präsidentenloge. Im Jahr 1859 fand hier eine festliche Aufführung Schillers Wallenstein statt. Obwohl das Theater später abgebaut wurde, wurde es Tradition Theatervorstellungen im Garten aufzuführen. Während der Ersten Republik siedelte hier das Ministerium für Informationen und Aufklärung. Im Jahr 1930 übernahm die Erbe Karel Albrecht (1985 in Deutschland gestorben), der nach Münchner Abkommen die Reichsbürgerschaft annahm und Mitglied der NSDAP wurde. Deshalb wurde das Palais Waldstein auf Grund der Beneš-Dekrete verstaatlicht und es wurde Sitz verschiedener staatlicher Institutionen. In den Jahren 1952 – 54 wurde die Reitschule nach den Entwürfen von Miloš Vincík und Julie Pecánková als Ausstellungsraum der Nationalgalerie hergerichtet. Noch bis zum Jahr 1955 lebte im Palais Gräfin von Waldstein mit ihrer Kammerfrau und sie starb hier im Alter von 104 Jahren.

Nach mehr als fünf Jahren wurde 2001 eine umfangreiche und kostspielige Rekonstruktion des Palais als Sitzes des Senats der Tschechischen Republik beendet. Für die Öffentlichkeit ist im Palais Waldstein ein Besichtigungsrundgang zugänglich: Vorhof, Rittersaal, Ledersalon, Spiegelsaal, Audienzsaal, Waldsteins Arbeitszimmer und Mythologischer Gang.

Seit 1995 ist Palais Waldstein nationales Kulturdenkmal.

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