Breadcrump- bzw. Brotkrümel-Navigation

Denkmal des nationalen Schrifttums – Lustschloss Stern (Památník národního písemnictví – Letohrádek Hvězda)

Das zweigeschössige Renaissance-Lustschlösschen mit seinem einzigartigen Grundriss in Form eines sechszackigen Sterns gehört in die Gruppe der sogeannten philosophischen Gebäude. Innen besticht es durch eine reiche Stuckverzierung. Die Ausstellung zeigt die bauliche Entwicklung des Lustschlösschens auf, ebenso wie die Schlacht am Weißen Berg, die sich im Jahre 1620 in unmittelbarer Nähe zum Luftschlösschen abgespielt hat. Das Lustschlösschen Stern ist ein nationales Kulturdenkmal. Es steht im gleichnamigen Wildpark. Es werden hier Ausstellungen, Konzerte und Vorträge abgehalten.

Denkmal des nationalen Schrifttums – Lustschloss Stern (Památník národního písemnictví – Letohrádek Hvězda), Liboc 25c, Praha 6 - Liboc, 160 00
Web: http://www.pamatniknarodnihopisemnictvi.cz, e-mail: post@pamatnik-np.cz
tel.: +420220612230, +420731448562

Öffnungszeiten

April – Oktober

Dienstag
10.00 – 18.00
Mittwoch
10.00 – 18.00
Donnerstag
10.00 – 18.00
Freitag
10.00 – 18.00
Samstag
10.00 – 18.00
Sonntag
10.00 – 18.00

Eintrittspreise

Grundpreis

75 Kč

ermäßigter Eintrittspreis

40 Kč

Eintrittspreis für Familien

150 Kč

Objekt geschichte

Gedenkstätte für nationales Schrifttum - Lustschloss Hvězda (Stern)

Das Lustschloss und dessen Symbolik
Das Lustschloss wurde nicht nur als Nutzbau, sondern dank dem Projektautor und Bauherrn Ferdinand II. (Tirol) auch als „philosophisches Quartier“ gebaut. Der Autor war gut ausgebildet, kannte sich in Kunst, Alchimie aus, war von neoplatonischen Ideen und Hermetik beeinflusst, bekannte sich zu Harmonie-, Proportions-, Symmetrieprinzipen und der numerischen Symbolik. In diesem Sinne wählte er auch die Baugestalt mit einer zentralen Disposition, die der heliozentrischen Vorstellung über die Weltraumanordnung entspricht - die Architektur war die analogische Widerspiegelung der makrokosmischen Prozesse im Werk eines Menschen. Der durch die Verbindung zweier gleichseitiger Dreiecke entstandene sechszackige Stern (Hexagramm) symbolisierte zusätzlich die Verbindung zweier gegensätzlicher Kräfte in gegenseitige Harmonie klärte auf und lieferte Lebenskraft. Durch die Erscheinung des Sterns - des Kometen wurde auch die Geburt Christi vorgezeichnet.
Im Grundriss des Baus ist auch die Symbolik des fünfzackigen Sterns zu sehen, wenn man sich den der Treppe vorbehaltenen Strahl wegdenkt. Ins Pentagramm wurde traditionsgemäß eine Menschengestalt mit seitwärts ausgestreckten Armen eingeschrieben (siehe Leonardo da Vinci).
Den Bauproportionen entsprach auch das Originaldach, das spitziger war (die heutige Gestalt entstand Ende des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Umbau zum Pulvermagazin), und die Bauhöhe war gleich wie die Seitenlänge des Grundrissdreiecks.
Nicht einmal das Jahr der Grundsteinlegung, 1555, wurde durch Zufall gewählt. Es ging und das 311. Lustrum nach der Geburt Christi, d.h. die Fünfjahresperiode (311 x 5), nach der im alten Rom das feierliche Sühn- und Reinigungsopfer stattfand. Im Jahre 311 unserer Zeitrechnung erteilte auch der römische Kaiser Galerius den Christen zum ersten Mal die religiöse Freiheit.
Vier Bauebenen entsprechen vier Elementen: der Untergrund - die Erde, das reichlich verzierte Erdgeschoss - Wasser, die erste Etage - Luft, die zweite Etage mit dem großen Saal und der Pyramidendecke - Feuer.

Baugeschichte
Das Lustschloss wurde innerhalb von einem einzigen Jahr, im Jahre 1556, fertig gestellt, am Bau beteiligten sich im Renaissancestil italienische Baumeister des Prager Königshofs Giovanni Maria Aostalli und Giovanni Lucchese, angeführt von Hans Tirol, später Bonifaz Wohlmut.
In den Jahren 1556 - 60 entstand die Stuckausschmückung.
Im Jahre 1557 brachte Ferdinand II. (Tirol) zum ersten Mal zum Stern Philippine Welser mit.
1619 wurde hier Friedrich von Pfalz empfangen, der dann das Lustschloss zu zeitweiligen Aufenthalten bis zu seiner Flucht aus Prag nutzte.
Während des Dreißigjährigen Kriegs kam es zu dessen Verwüstung, wiederhergestellt wurde es im Jahre 1652 durch Ferdinand III.
Von 1779 bis 1874 war hier aus Entscheidung von Joseph II. ein Schießpulverlager, was den Bau erneut negativ beeinflusste. Ein größerer Umbau kam unter der Leitung von Arch. Pavel Janák erst nach der Übernahme durch die Verwaltung der Prager Burg im Jahre 1918 zustande.
In den Jahren 1952 - 96 war hier das Alois-Jirásek- und Mikoláš-Aleš-Museum, nach 1996 folgte der im Jahre 2004 abgeschlossene Umbau, der auch das Objekt des ehemaligen Forsthauses einbezog.
Seit 1962 ist das Lustschloss ein Volkskulturdenkmal.

Innenraum
Im Keller, wo ursprünglich die Küche, später der Weinkeller waren, ist heute ein Modell der Schlacht auf dem Weißen Berg mit Zinnsoldatchen untergebracht.
Die in 334 Felder geteilte Erdgeschossdecke ist mit einem feinen Stuck verziert. Die Inspiration zu ornamentalen und figuralen Motiven war die römische Antik, aber auch die italienische Hochrenaissance - unter den Autoren waren Mario del Pambio, Giovanni Lucchese u. a. Im zentralen Feld ist der Urahn des römischen Herrschergeschlechts Aeneas, was dem gezielten Anschluss des habsburgischen Geschlechts an die Tradition der römischen Kaiser entspricht (auch Ferdinand II. (Tirol) war der Sohn eines römischen Kaisers). In sechs herumliegenden Feldern gibt es Geschichten aus der antiken Mythologie und der Geschichte Roms, die den Spiegel der Tugenden (Mut, Opfer, Sohnesliebe usw.) schaffen. Die Decken der Zimmer in den Strahlen und Salons dazwischen wurden den antiken Hauptgöttern geweiht, die die Traditionsplaneten (und zugleich tragende alchimistische Elemente) symbolisieren - Mars (Eisen), Venus (Kupfer), Merkur (Quecksilber), Saturn (Blei), aber auch die Sonne (Gold) und den Mond (Silber), die die Antik auch für Planeten hielt.
Der Saal in der 1. Etage wird zu Ausstellungen genutzt. Der Terrazzo des Fußbodens wurde restauriert, die schwarzen Flecke an zahlreichen Stellen stammen von Feuerchen der im Lustschloss weilenden Soldaten.
In der 2. Etage befindet sich der Schmaussaal mit einem Mosaikfußboden aus glasierten Pflastern. An der Decke waren seit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts 13 Szenen aus dem Dreißigjährigen Weltkrieg erfassende Gemälde, im Jahre 1783 wurden sie mit der heutigen Holzdecke verdeckt. Der Schmaussaal ist nicht üblich zugänglich, er wird zu gesellschaftlichen Veranstaltungen, Vorträgen usw. genutzt.

Ferdinand II. (Tirol) (16. 6. 1529 - 24. 1. 1595)
Der zweitgeborene Sohn von Ferdinand I. und Anna Jagiello. Politische Erfahrung gewann er in der frühen Jugendzeit im Amt des Statthalters seines Vaters in Böhmen, mit dem er mit 18 im Jahre 1547 nach dem unterdrückten ersten Ständesaufstand gegen die Habsburger beauftragt wurde. In diesem Amt war er bis 1566 und dank seiner Kultiviertheit, guten Orientierung in Kunst, Architektur, Geschichte und auch sehr guten Tschechischkenntnissen gewann er schnell Sympathien nicht nur der Edelleute, sondern auch der breiten Öffentlichkeit. Er machte sich um die Entwicklung des Bauverkehrs in Prag sehr verdient, wo er an der habsburgischen Nebenresidenz bastelte. Er wusste ganz genau, dass er durch die morganatische Ehe (im Jahre 1557) mit Philippine Welser, der Tochter eines zwar reichen, aber nicht adeligen Augsburger Kauf- und Finanzmannes, den Eintritt in die höchsten europäischen Herrscherkreise sowohl sich selbst als auch seinen Erben verwehrte. Durch den Aufbau Prags und dessen Umwandlung ins Zentrum des Gesellschaftslebens kompensierte er andere, unrealistische Lebenspläne. Er veranstaltete Mähler, Feste, Turniere, Jagden in den Brandeis- und Pürglitzwäldern. Er war ein leidenschaftlicher Sammler von Antiquitäten, künstlerischen Werken, Rüstungen, Münzen und wertvollen Büchern, er förderte den Betrieb von künstlerischen Handwerken - in vielen Hinsichten erinnerte er an den späteren Kaiser Rudolph II. (Ferdinands Neffe). Dank ihm begann sich hierzulande der Renaissancelebensstil durchzusetzen.

 

Geschichte des Objekts zeigen

zusammenhängende Objekte